Warum löst die Variante weltweit Beunruhigung aus?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die neue Variante wegen der großen Zahl an Mutationen als „besorgniserregend“ ein. Laut dem Robert-Koch-Institut wurden rund 30 Aminosäure-Änderungen im Spike-Protein festgestellt, aber auch viele Mutationen, deren Bedeutung unklar ist.

Von bislang aufgetretenen Varianten ist bekannt, dass bestimmte Mutationen zu einer höheren Übertragbarkeit und einer reduzierten Wirksamkeit der Impfstoffe führen. „Hinsichtlich der Genetik ist (die neue Variante) in der Tat etwas sehr Spezielles, das beunruhigend sein kann“, sagt Vincent Enouf vom französischen Institut Pasteur.

Zum anderen rührt die internationale Besorgnis daher, dass die Zahl der Infektionsfälle insgesamt und der auf die neue Variante zurückzuführenden Fälle in der südafrikanischen Provinz Gauteng, wo B.1.1.529 erstmals nachgewiesen wurde, sehr rasch steigt. Zwar warnen Wissenschaftler vor Panikmache, die EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC hält das Risiko einer Ausbreitung in der EU aber für „hoch bis sehr hoch“.

Ist sie gefährlicher als die Delta-Variante?

Das ist noch unklar. Bisher dominiert die Delta-Variante das Infektionsgeschehen in den meisten Ländern, darunter auch in Deutschland. Doch ist auch Omikron bereits hierzulande angekommen: In Bayern wurden zwei Fälle bestätigt, in Hessen gibt es einen Verdachtsfall.

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Die in den vergangenen Monaten aufgetretenen Varianten wie Mu oder Lambda konnten Delta den Rang nicht ablaufen. Wissenschaftler gingen deshalb davon aus, dass die nächste besorgniserregende Variante sich aus Delta entwickeln müsste. Tatsächlich ist Omikron laut dem RKI jedoch unabhängig von der Delta-Variante entstanden.

Die Lage in Gauteng weckt Befürchtungen, dass die neue Variante nun Delta noch übertreffen könnte. Dies ist jedoch keineswegs sicher. „Es kann sein, dass ein Superspreader-Ereignis im Zusammenhang mit B.1.1.529 fälschlicherweise den Eindruck erweckt, das (die neue Variante) Delta verdrängt“, zitiert die Organisation Science Media Centre die britische Expertin Sharon Peacock.

Lässt sich die Ausbreitung verhindern?

Weniger als 24 Stunden nach Bekanntwerden der neuen Variante stellten eine ganze Reihe von Ländern den Flugverkehr mit den Staaten des südlichen Afrika ein. Aus Sicht von Enouf kam dieser Schritt „fast schon zu spät“. Tatsächlich wurden aus mehreren Ländern weltweit bereits die ersten Fälle gemeldet. In Amsterdam landeten am Freitag 600 Menschen aus Südafrika, von denen 61 positiv auf Corona getestet wurden. Ob sie sich mit der Omikron-Variante infizierten, war zunächst noch offen, ist nach Behördenangaben aber „wahrscheinlich“.

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Experten kritisieren die Einschränkungen des Flugverkehrs indes als stigmatisierend für afrikanische Länder und warnen, dass andere Länder künftig das Auftreten neuer Varianten geheimhalten könnten. Auch die WHO riet von Reisebeschränkungen wegen der neuen Coronavirus-Variante ab. Südafrika beklagte auch eine „Bestrafung“ des Landes durch die Reiseverbote. Die USA lobten das Land derweil für seine „Transparenz“ gegenüber dem Rest der Welt.

Was bedeutet das für die Impfstoffe?

Zwar liegt die Vermutung nahe, dass die neue Variante die Wirksamkeit der Vakzine beeinträchtigt, mit Sicherheit sagen lässt es sich aber noch nicht. Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich auch gegen die neue Variante schützen, insbesondere gegen schwere Krankheitsverläufe. Allerdings umgehe die neue Variante offensichtlich zumindest teilweise die Immunantwort des Körpers, erklärte er gegenüber dem ZDF.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach auf Twitter von einer „schlechten Nachricht“, die „aber kein Grund zur Panik“ sei. Durchbruchinfektionen in Südafrika hätten meist Geimpfte betroffen, deren Impfung sechs Monate zurückgelegen habe. Er gehe davon aus, dass die Impfung auch bei Omikron Schutz vor schwerer Krankheit biete. Der Booster schütze „wahrscheinlich voll“.

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Deutlich skeptischer äußerte sich der Epidemiologe Timo Ulrichs. Die deutlich stärkeren Veränderungen im Vergleich zum ursprünglichen Virus als bei der Delta-Variante „könnten das Potential haben, die bestehende Immunisierung der bisher verwendeten Impfstoffe zu umgehen“, sagte er dem Portal watson.de.

Biontech hat bereits eine Prüfung seines Vakzins eingeleitet und will es gegebenenfalls anpassen. Erste Ergebnisse sollen nach Angaben des Mainzer Pharmaunternehmens in spätestens zwei Wochen vorliegen. Das US-Unternehmen Moderna kündigte an, eine spezielle Auffrischungsimpfung gegen die Omikron-Variante zu entwickeln. (AFP)