Um es vorwegzunehmen: Der Kampf gegen die kleinen ungebetenen Gäste kann dauern. Kaum sind Nüsse, Mehl, Mandeln, Trockenobst und Gries mühsam aussortiert und im Mülleimer versenkt, da kriechen Tags darauf schon wieder weiße Larven über die Küchendecke mit Kurs aufs Nirgendwo.

Lebensmittelmotten haben längst ihren festen Platz im Küchenschrank. Wer sie einmal hat, muss irgendwann entscheiden, ob er den Kampf intensiviert oder ob er aufgibt. Manchmal erweisen sich die Lebensmittelmotten aber einfach als stärker. Dennoch gibt es probate Mittel gegen die Schädlinge.

Woher kommen die Motten?

Kein Grund zur Scham, Lebensmittelmotten sind kein Zeichen mangelnder Hygiene. In der Regel holt man sie sich ins Haus. Wer Mehl kauft oder Grieß, Müsli, Nüsse, Trockenobst und Hülsenfrüchte, Gewürze, Kräuter- und Früchtetees, auch Roibustee und Tierfutter, sollte hin und wieder einen Blick in die Tüte werfen, denn darin finden sich auch schon mal die winzigen Eier oder Larven. Und nicht nur das: Sie können sich auch in Verpackungen verstecken, etwa in Pappkartons.

Dietmar Mouwens.
Dietmar Mouwens. | Bild: Dietmar Mouwens

Dietmar Mouwens kennt das Problem. Der Experte für Schädlingsbekämpfung aus Orsingen-Nenzingen wird häufig gerufen, wenn die Motten nicht weichen wollen. Selbst ins verschlossene Bio-Müsli schaffen es die winzigen Larven, beispielsweise über die geränderten Verschlüsse. „Da ist dann ordentlich Leben in der Tüte“, sagt Mouwens, der seit 17 Jahren seinen Beruf ausübt. So lange begleitet ihn schon das Problem, dessen Beseitigung auch Teil der Ausbildung eines Schädlingsbekämpfers ist.

Die Larven sind nach Angaben des Umweltbundesamts tagaktiv, sie spinnen feine weiße Fäden. Entdeckt werden die Motten aber meist erst, wenn sie Falter sind und sich auf die Suche nach einer Ablage für ihre Eier oder zur Fortpflanzung aufmachen. Das machen sie wiederum vorwiegend nachts.

Sie lieben Verstecke in der Küche: die Lebensmittelmotten.
Sie lieben Verstecke in der Küche: die Lebensmittelmotten. | Bild: Andrea Warnecke

Wie vermehren sich die Motten?

Lebensmittelmotten reifen im Ei heran und sie durchleben das Stadium der Larve, der Puppe, bis sie am Ende zu Faltern werden. Die Entwicklung vom Ei bis zum Falter dauert zwischen 30 Tagen und drei Monaten je nach Temperatur, Luftfeuchtigkeit und dem Lebensmittel, auf dem sie sitzen.

Die häufig anzutreffende Mehlmotte beispielsweise kann bis zu 500 Eier ablegen. Je wärmer es ist, umso schneller geht die Entwicklung. Am wohlsten fühlen sie sich bei 30 Grad. Die Falter leben nur bis zu zwei Wochen. Wärme und erhöhte Luftfeuchtigkeit lassen die Motten bis zu vier Generationen im Jahr heranreifen.

Sind sie gesundheitsschädlich?

Ja, Lebensmittelmotten sind ein Gesundheitsrisiko, wie das Umweltbundesamt feststellt. Larvenfraß und Verunreinigung der Lebensmittel mit Kot können der menschlichen Gesundheit schaden. Außerdem können sie laut Umweltbundesamt Pilze oder Milben einschleppen.

Wer verunreinigte Lebensmittel zu sich nimmt, kann Allergien, Hautkrankheiten oder auch Magen-Darm-Erkrankungen bekommen, so das Umweltbundesamt. Daher müssen die Vorräte auch sogleich entsorgt werden, spätestens wenn sie anfangen zu leben.

So wird man Lebensmittelmotten los

Man muss ihnen die Lebensgrundlage entziehen, sagt Dietmar Mouwens. Dazu muss der Verbraucher nicht unbedingt „aggressiv“ vorgehen. Befallene Nahrungsmittel sollten vor dem Entsorgen in Müllbeuteln fest verknotet werden, damit die Tiere nicht wieder herauskommen und den Weg zurück in die Küche finden. Wichtig ist auch eine gründliche Reinigung: Von Motten befallene Behälter gründlich mit Spülmittel auswaschen.

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Außerdem sollten angebrochene Tüten oder Behälter immer fest verschlossen werden. „Ich will keine Werbung machen, aber eine luftdicht abgeschlossene Tupperware ist schon gut“, sagt der Experte. Weniger gut geeignet seien Gläser mit Metallverschluss, weil sich die Larven gern im Gewinde absetzen.

Mindestens genauso wichtig aber ist das Reinigen und Verschließen von Ritzen und Löchern in Regalen und Schubladen. Das heißt: Mit dem Staubsauger Schränke aussaugen, vor allem die feinen Ritzen, in denen gern die Eier abgelegt werden. Anschließend sollten die Ritzen und Löcher mit einem guten Tesa-Band verklebt werden, lautet ein weiterer wertvoller Tipp des Experten.

Dörrobstmotte.
Dörrobstmotte. | Bild: imago stock&people

Auch Schrankwände und hinter den Schränken sollte gut ab- und durchgesaugt werden, empfiehlt der Kammerjäger. Dabei kann auch ein Föhn nützlich sein, indem er die Ritzen erhitzt. Und Mouwens rät auch zum Blick auf die „Nebenschauplätze“: Brotkrumen oder Trockenfutter für Katzen hinter einem Küchenschrank. „Davon können sich Lebensmittelmotten ernähren.“ Und hilfreich kann auch der Blick ins Gewürzregal sein. „Sie werden sehen, was sie da alles aufbewahren.“

Beim Auswischen der Böden sollte man keinen Essig nehmen, weil der die Bildung von Bakterien fördert. Wenn aber alles aufwendig gereinigt ist, sollte man das ganze wiederholen. Zur Kontrolle lassen sich Mottenfallen, sogenannte Pheromonfallen, mit einem Sexualwirkstoff aufkleben, die männliche Motten anziehen. Wenn kein Tier mehr dran klebt, könnte das Haus mottenfrei sein. Als Motten-Schreck gelten auch ätherische Öle aus Lavendel, Nelke und Zedernholz.

Auf die harte Tour

Wenn alles nichts hilft, muss der Experte ran. Dietmar Mouwens war hier schon oft Retter in der Not. Erwachsene Falter bekämpft er dann schon mal mit einer „Flächenbehandlung im Sprühverfahren“. Möglich sei auch das Aussprühen winziger Aerosole in die Luft. „Wenn Motten dann hindurchfließen, sterben sie.“

Und dann gibt es noch die biologische Bekämpfung. So habe er kürzlich sogenannte Schlupfwespen an eine Kundin verkauft. Sie legen ihre Eier in die Larven der Motten, die dann sterben. „Schlupfwespen finden mit hundertprozentiger Sicherheit ihre Beute“, weiß der Experte. Allerdings funktioniere das nur, wenn es nicht zu viele Ecken und Winkel gibt.