Wer ein Elektro-Fahrrad hat, sollte wissen: Viel Power haben die Akkus der Räder zwar – empfindlich sind sie aber doch. Im Winter macht ihnen die Kälte zu schaffen. Oder falsche Behandlung: Im November explodierte in einer Wohnung in Bad Waldsee im Kreis Ravensburg der Akku eines Pedelecs.

Ein Bewohner und seine Frau wurden leicht verletzt. Ein Brand war die Folge, ein Fenster ging zu Bruch, eine Tür wurde aus dem Schloss gerissen und ein Rollladen nach außen gedrückt. Die Polizei schätzte den Schaden auf etwa 25.000 Euro. Der Akku war im Ladegerät einer Mehrfachsteckdose angeschlossen. Man kann also einiges falsch machen. Hier Tipps zum richtigen Lagern und Laden von E-Bike-Akkus:

Wo soll ich den Akku aufbewahren?

1,4 Millionen Elektroräder haben die deutschen Händler allein 2019 verkauft, berichtet der Zweirad-Industrie-Verband. Bei niedrigen Temperaturen werden viele E-Bikes und Pedelecs aber selten gefahren und stehen in einer kalten Garage oder einem nicht viel wärmeren Keller.

Für den Akku gilt dabei: Er gehört nicht mit dem Rad in kühlen Räumen gelagert. Im Winter sollte er stets im Warmen aufbewahrt werden, rät der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC).

Was passiert bei Kälte mit dem Akku?

Fast alle Elektroräder sind mit einem Lithium-Ionen-Akku ausgestattet. Bei Kälte büßen die Energiespeicher viel von ihrer Kapazität und Leistungsfähigkeit ein – was Mobilfunknutzer von Handys kennen, die ebenfalls diese Akkus haben.

„Je länger niedrige Temperaturen auf die Zellen wirken, desto größer ist die Gefahr von Kapazitätsverlusten und gefährlichen Zellschäden“, sagt Hans-Hermann Drews, Geschäftsführer des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (IfS) in Kiel. Sein Rat: Den Akku keinem Frost aussetzen. Im Winter sollte er nicht in einer ungeheizten Garage gelagert werden.

Heute gibt es Fahrräder, die danke geeigneter Reifen das Fahren im Winter erleichtern.
Heute gibt es Fahrräder, die danke geeigneter Reifen das Fahren im Winter erleichtern. | Bild: Gregor Bresser/dpa

Was kann ich zum Schutz des Akku tun?

Am besten ist, den Akku zu entnehmen und trocken an einem sicheren Ort in der Wohnung zu lagern. Der ADFC empfiehlt eine Raumtemperatur von 10 bis 15 Grad. Wichtig: Da sich der Akku bei längerem Nichtgebrauch selbst entlädt, sollte er nicht schon fast leer gelagert werden. Bei Lithium-Ionen-Akkus sind laut ADFC Teilentladungen nicht schädlich, sondern sinnvoll.

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Wie viel Kapazität sollte der Akku vor der Lagerung noch haben?

Der Batteriehersteller Bosch E-Bike-Systems rät zu einer Ladekapazität von 30 bis 60 Prozent bei der Einlagerung. Eine Restladung von sogar 60 bis 80 Prozent bevorzugt Radexperte Thomas Geisler vom Fahrrad-Pressedienst in Göttingen. Er warnt: „Auch wenn moderne Systeme die Gefahr einer sogenannten Tiefentladung minimieren, empfiehlt sich eine Überprüfung des Ladestands von Zeit zu Zeit.“ Also: Bei Bedarf rechtzeitig nachladen.

Wie verfährt man bei integrierten Akkus?

Experte Geisler rät, nicht nur Aufsteck-Akkus, die der Kälte unmittelbar ausgesetzt sind, sondern auch Akkus, die in den Radrahmen integriert und dadurch etwas geschützt sind, bei längeren Stopps im warmen Zimmer aufzubewahren. Selbst Radlern, die im Winter häufiger mit dem Bike unterwegs sind, empfiehlt er die Abnahme des Akkus am Abend, um ihn über Nacht mit in die Wohnung zu nehmen.

Was ist vor dem Fahren im Winter zu beachten?

Der Akku sollte nur im Trockenen und möglichst bei Zimmertemperatur geladen werden. „Die Außentemperatur muss stimmen, damit der Stromspeicher vollständig und richtig aufgeladen werden kann und keinen Schaden nimmt“, erläutert Fachmann Geisler.

Der ADFC rät, sich an die in der Betriebsanleitung angegebenen Temperaturen zu halten. Wer längere Touren plant, sollte wissen, dass sich die Reichweite des Akkus bei kaltem Wetter verringern. „Um ein Optimum an Kilometern aus dem E-Bike herauszukitzeln, sollte man mit dem Akku erst kurz vor dem Start in die Kälte gehen“, rät deshalb die Prüfgesellschaft Dekra.

Die Polizei empfiehlt E-Bike-Besitzern generell, die Akkus auch bei kurzem Abstellen des Rades mitzunehmen.
Die Polizei empfiehlt E-Bike-Besitzern generell, die Akkus auch bei kurzem Abstellen des Rades mitzunehmen. | Bild: Tobias Hase/dpa

Lässt sich der Akku beim Fahren schützen?

Für Radler, die im Winter fahren, kann sich der Kauf einer Ummantelungshülle für den Akku lohnen. Solche Hüllen, die oft aus Neopren bestehen, gibt es mittlerweile sowohl für integrierte als auch für aufgesetzte Akkus. Laut Dekra haben Untersuchungen gezeigt, dass Thermoschutzhüllen die Wärme länger im Akku halten und damit die Reichweite steigern können. Schöner Nebeneffekt: Die Ummantelung schützt den Akku bei einem Sturz.