Kritiker der Corona-Beschränkungen sorgten zuletzt mit ihren Forderungen für Aufsehen. So rief die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld dazu auf, die Online-Petition eines Ehepaars aus Nordrhein-Westfalen zu unterzeichnen. In dieser hieß es, dass die Mortalitätsrate bei Covid-19 sehr gering sei, während die Grippewelle 2017/2018 rund 25.000 Tote gefordert habe. Diese Zahl wurde auch im SÜDKURIER in Kommentaren mehrfach genannt. Allerdings muss man genauer hinschauen, um zu erkennen, dass die jetzige Corona-Seuche mit der Grippewelle nicht vergleichbar ist.

Der Zeitraum

Die Zahl von 25.000 Grippetoten, die das Robert-Koch-Institut (RKI) ermittelte, bezog auf einen Zeitraum von fünf bis sechs Monaten, in die die Grippewelle 2017/18 fiel. Bei Corona stehen viele Länder am Anfang der Epidemie. Wählt man als Vergleich Italien, das bereits länger betroffen ist, ergeben sich dramatische Zahlen. Würde man die bislang mehr als 10.000 italienischen Corona-Toten auf fünf Monate hochrechnen, würde man auf deutlich mehr als 50.000 Tote kommen – und das in einem Land, das ein Viertel weniger Einwohner hat als Deutschland.

Fehlender Schutz

Für die Bekämpfung von Covid-19 gibt es nach wie vor keine Impfung. Weiterhin gibt es keine Grundimmunität in der Bevölkerung – ganz im Gegensatz zur Grippe, gegen die immer eine größere Masse in der Bevölkerung immun ist. Während tausende von Menschen jährlich von der Möglichkeit einer Grippeschutzimpfung Gebrauch machen, ist das bei Corona nicht möglich. Personen der Risikogruppen können nicht geimpft werden, was zu steigenden Todeszahlen unter Älteren und Vorerkrankten führen würde, würde man die Beschränkungen rückgängig machen.

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Geschätzte Zahlen

Die Zahl von 25.000 Grippetoten ist eine Schätzung. Grund: Es ist oft nicht klar, ob jemand an einer Grippe oder etwa an einer Lungenentzündung gestorben ist. Das gilt insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Personen. Das RKI erklärt das Verfahren so: Die Zahl der mit Influenza in Zusammenhang stehenden Todesfälle wird – vereinfacht dargestellt – als die Differenz berechnet, die sich ergibt, wenn von der Zahl aller Todesfälle, die während der Influenzawelle auftreten, die Todesfallzahl abgezogen wird, die (aus historischen Daten berechnet) aufgetreten wäre, wenn es in dieser Zeit keine Influenzawelle gegeben hätte. Das Schätz-Ergebnis wird als Übersterblichkeit bezeichnet.

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Ausnahme-Zahlen

Die Zahl von geschätzt 25.000 Grippetoten während der Grippewelle 2017/18 ungewöhnlich hoch. So eine hohe Zahl ist selten. Tatsächlich gab es in anderen Jahren gar keine Übersterblichkeit, in einigen Jahren nur einige hundert Fälle.

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Fazit

Sollte sich das neue Virus frei ausbreiten, könnten sich nach Schätzungen von Experten bis zu zwei Drittel der Bevölkerung infizieren – über 50 Millionen in Deutschland. Die getroffenen Maßnahmen können die Todeszahlen in Deutschland dagegen niedrig halten. Ein optimistisches Szenario, auf das sich auch die Bundesregierung stützt, geht von 12.000 Toten aus.