Eine Trennung, die nicht freiwillig erfolge, sei sehr herausfordernd, sagt Julia Koch: „Man ist auf einmal kein Team mehr, das auch Aufgaben untereinander aufteilt und sich so ergänzt.“ Und natürlich spiele die fehlende körperliche Nähe eine wichtige Rolle: Seien es alltägliche Berührungen oder die sexuelle Intimität, die für viele in einer Beziehung sehr wichtig sei.

Julia Koch, Diplomierte Psychologin und Paartherapeutin aus Konstanz.
Julia Koch, Diplomierte Psychologin und Paartherapeutin aus Konstanz. | Bild: Julia Koch
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All das ist derzeit für einige deutsch-schweizerische Paare nicht möglich. „Auch Treffen am Grenzzaun sollten in der aktuellen Ausnahmesituation vermieden werden. Dass wir alle gesund bleiben, ist derzeit das Wichtigste“, betont Koch. Deshalb gibt die Konstanzer Paartherapeutin Tipps, wie eine Beziehung auf Distanz gelingen kann.

1. Kommunikation: Wichtiger denn je

„Videokonferenzen sind eine sehr gute und nahe heranreichende Alternative zu direkten Treffen“, sagt Julia Koch. Doch seien auch Gespräche per Laptop-Kamera mit gewissen Herausforderungen verbunden, da man nur einen Ausschnitt des anderen sehe und es zu Missverständnissen kommen könne. „Dem muss man sich bewusst sein und lieber einmal mehr fragen, ob man Dinge richtig verstanden hat oder wie es dem anderen wirklich geht.“

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2. Nichts unter den Teppich kehren

Eine offene Kommunikation sei in einer Partnerschaft immer wichtig, betont Julia Koch. Auch in einer Fernbeziehung sollte dies unbedingt weitergeführt werden: „Nichts sollte unter den Teppich gekehrt werden.“ Entscheidend sei, dass man gerade bei heiklen Themen entscheide, welches die beste Form der Kommunikation sei: „Kann ich das am Telefon sagen oder ist es vielleicht besser, wenn ich es per E-Mail schreibe? Oder warte ich, bis wir uns in der Videokonferenz sehen?“ Allgemein sei der regelmäßige Austausch wichtig: „Zu fragen, was der andere braucht, und zu sagen, was ich selbst brauche.“

3. Feste Rituale pflegen, ohne die Spontaneität zu vergessen

„Rituale sind in vielen Beziehungen wichtig, da sie Verlässlichkeit und Sicherheit geben“, sagt Julia Koch. So könne man zum Beispiel jeden Morgen miteinander telefonieren oder gemeinsam per Videokonferenz kochen. „Aber auch überraschende Momente und Aufmerksamkeiten sollten nicht zu kurz kommen.“ Am Ende sei es immer ein Abwägen und von Beziehung zu Beziehung unterschiedlich, wie viel Ritual und Verlässlichkeit oder Spontaneität und Flexibilität es brauche.

4. Fernbeziehung auf Zeit für sich nutzen

Nicht zuletzt könne die durch die Grenzschließungen verursachte Distanz von Partnern auf Zeit auch eine Chance sein, sagt Julia Koch: „Die eigenen Bedürfnisse haben nun mehr Raum. Man kann andere soziale Kontakte mehr pflegen oder auch ein Hobby intensiver betreiben.“ Und gleichzeitig könnten sich die Partner auf das Wiedersehen nach der Corona-Krise freuen: „Die Zeit, wenn man sich das erste Mal wieder sieht, ist dann umso intensiver und schöner.“

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