Der Bodensee gibt Wissen nur widerwillig preis. Gewitter, Starkregen, Unwetter, Strömungen und das Anwachsen des Wasserspiegels um einen Meter machten den Wissenschaftlern auf der kleinen Bohrplattform südwestlich von Hagnau in diesem Jahr zu schaffen. Doch die Ausbeute kann sich sehen lassen. Was Experten auf der Bohrinsel Hipercorig aus einer Tiefe von 100 Metern unter dem Meeresgrund des von Gletschern geformten Sees zutage förderten, zieht derzeit Wissenschaftler an mehreren Universitäten in den Bann.

Besuch auf der Bohrinsel auf dem Bodensee vor Hagnau. Bild: Jürgen Gundelsweiler
Besuch auf der Bohrinsel auf dem Bodensee vor Hagnau. | Bild: Gundelsweiler Jürgen

Es geht um nichts Geringeres als die Fragen, wie sich das Klima schon in früheren Perioden der Erdgeschichte verändert hat und inwieweit Klimaveränderungen und der Mensch Einfluss auf das Leben in der Region genommen haben, um daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Diesen Themen widmet sich Laura Epp, Professorin am Fachbereich Biologie an der Universität Konstanz, eine von mehreren Forschern aus Deutschland und der Schweiz. „Der Bodensee ist ein wundervolles Modellsystem für diese Art von Studien. Denn er vereint Klimageschichte, frühe Besiedlung und intensive Nutzung über lange Zeiträume hinweg“, erklärte sie unlängst. Die Erkundungsreise der Forscher, deren Bohrkerne mit biologisch empfindlichen Bestandteilen auf lange Sicht in der Universität Bern gelagert werden, führte bis in die letzte Eiszeit, die vor über 100 000 Jahren begann und vor gut 10 000 Jahren endete.

Ein Bohrkern wird auf der Bohrinsel entnommen. Bild: Jürgen Gundelsweiler
Ein Bohrkern wird auf der Bohrinsel entnommen. | Bild: Gundelsweiler Jürgen

Ergebnisse werden freilich wegen der aufwendigen Analysen auf sich warten lassen. In diesem Jahr würden keine Resultate vorliegen, sagte eine Sprecherin der Universität Konstanz.

Gut zwei Kilometer südwestlich von Hagnau ankert die Bohrinsel im Frühsommer. Bild: Jürgen Gundelsweiler
Gut zwei Kilometer südwestlich von Hagnau ankert die Bohrinsel im Frühsommer. | Bild: Gundelsweiler Jürgen

Spannend wird es dagegen nicht nur für die Wissenschaftler. Auch die Entwickler der Bohrplattform Hipercorig, deren Entwicklung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 1,1 Millionen Euro unterstützt wurde, hoffen darauf, dass die sechs mal acht Meter große Plattform künftig auch an weiteren schwer zugänglichen Bereichen der Erde eingesetzt wird, um Bohrproben zu entnehmen. Vor ihrem Einsatz im Bodensee vor Hagnau war die Plattform testweise auf dem österreichischen Mondsee im Einsatz.