Die Schauspielerin Lisa Martinek ist am vergangenen Freitag während eines Italienurlaubs überraschend gestorben. Bei einem Badeausflug vor der Insel Elba war sie von einem Boot ins Wasser gesprungen und hatte das Bewusstsein verloren. Trotz mehrerer Reanimationsversuche starb die 47-Jährige wenig später auf dem Weg ins Krankenhaus. Laut Obduktionsergebnis hatte sie einen Herzstillstand erlitten.

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Nur einen Tag später verunglückte die 24 Jahre alte Schweizer Fußball-Nationalspielerin Florijana Ismaili beim Schwimmen im Comer See. Solche Unglücke sind in den Sommermonaten keine Seltenheit: Allein in Baden-Württemberg kamen nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im vergangenen Jahr 62 Menschen bei Badeunfällen ums Leben.

Ein plötzlicher Herztod beim Baden ist äußerst selten

Sollte man trotz der aktuellen Sommerhitze also besser auf eine Abkühlung im See oder Freibad verzichten? „Nein, das ist überhaupt nicht nötig“, sagt Stephan Paulowitsch, Sektionsleiter Kardiologie am Klinikum Konstanz. „Wenn solche Unfälle für Schlagzeilen sorgen, ist es verständlich, dass Menschen Angst haben“, so der Mediziner. Diese Angst sei in der Regel aber vollkommen unbegründet, denn dass es ohne eine Herz-Kreislauf-Vorerkrankung beim Schwimmen zum plötzlichen Herztod kommt, sei äußerst selten.

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„Ein Kreislaufkollaps beim Schwimmen hängt nur indirekt mit den Temperaturen zusammen.“ Stephan Paulowitsch, Kardiologe | Bild: Sabine Tesche

„In solchen Fällen sprechen wir Mediziner dann von einem reflektorischen Herzstillstand“, erklärt Paulowitsch. Dieser werde durch eine übermäßige Reizung des zehnten Hirnnervs ausgelöst, der maßgeblich an der Regulation vieler innerer Organe beteiligt ist. Bei einer extremen Reizung, wie beispielsweise dem Eintauchen in sehr kaltes Wasser, fährt dieser Hirnnerv die Herzfunktion so weit herab, dass es zu einem Herzstillstand kommen kann. „Das ist aber nur sehr selten die Ursache für tödliche Badeunfälle„, weiß der Kardiologe und ergänzt: „Ein Kreislaufkollaps beim Schwimmen hängt nur indirekt mit den Temperaturen zusammen.“

Die häufigste Unfallursache ist Selbstüberschätzung

Dass es beim Baden häufig zu Herz- oder Kreislaufproblemen kommt, liege nämlich weniger an der Hitze selbst als vielmehr am Umgang mit ihr. „Es ist eine Frage der Belastung. Bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke wird der gesamte Körper mehr beansprucht, was schneller zu einer Überlastung führt“, sagt Stephan Paulowitsch. Dabei sei weder ein Geschlecht noch eine bestimmte Altersklasse besonders gefährdet. „Wie gut ein Mensch mit der Anstrengung umgehen kann, hängt von vielen individuellen Faktoren ab.“

&bdquo;Vor allem geübte Schwimmer neigen dazu, sich beim Baden selbst zu überschätzen.&ldquo; <b>Jan Jungermann</b>, Schwimmmeister
„Vor allem geübte Schwimmer neigen dazu, sich beim Baden selbst zu überschätzen.“ Jan Jungermann, Schwimmmeister | Bild: Veronika Eckhardt

Trotzdem gibt der Mediziner Entwarnung: Wer vor dem Schwimmen ausgeruht ist, genug Flüssigkeit zu sich genommen hat und auf die Signale des eigenen Körpers hört, könne völlig bedenkenlos schwimmen gehen. „Die meisten Badeunfälle passieren nämlich nicht aufgrund äußerer Umstände“, erklärt Paulowitsch, „sondern weil sich die Menschen selbst überschätzen.“ Das hat auch Jan Jungermann schon häufig beobachtet. Er ist Teamleiter im Konstanzer Rheinstrandbad und sorgt als solcher unter anderem für die Sicherheit seiner Badegäste. Auch er sagt: „Selbstüberschätzung ist ein Riesenproblem.“ Vor allem geübte Schwimmer denken oft, ihnen könne nichts passieren – „ein gefährlicher Irrtum“, weiß Jungermann. Auch sie könnten, gerade an extrem heißen Tagen, schnell in brenzlige Situationen kommen.

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Diese Regeln sollten Schwimmer beachten

Um das zu vermeiden, sollten Badegäste ein paar einfache Regeln beachten. Wer lange in der Sonne lag oder einer hohen körperlichen Belastung ausgesetzt war, sollte sich abkühlen, bevor er ins Wasser geht. „Dazu reicht es, sich kurz unter die Dusche zu stellen“, erklärt Jan Jungermann. Außerdem sei es beim Baden in offenen Gewässern wie dem Bodensee oder dem Rhein wichtig, die Strömung zu beachten. „Gerade für Eltern mit kleinen Kindern oder nicht ganz so geübte Schwimmer kann es gefährlich werden, wenn sie die Strömung von den Füßen holt“, mahnt der Experte.

Nach dem Sonnenbaden sollten sich Schwimmer erst langsam unter einer Dusche abkühlen, bevor sie ins kalte Wasser springen. Das schont das Herz-Kreislauf-System.
Nach dem Sonnenbaden sollten sich Schwimmer erst langsam unter einer Dusche abkühlen, bevor sie ins kalte Wasser springen. Das schont das Herz-Kreislauf-System. | Bild: Felix Kästle

Auch eine Kombination aus Sonne, Alkohol und Schwimmen ist laut Jungermann tabu – ebenso wie das Schwimmen mit leerem oder ganz vollen Magen. „In beiden Fällen fehlt dem Körper die nötige Energie, weil sie entweder gar nicht aufgenommen wurde oder für die Verdauung gebraucht wird“, so der Teamleiter des Rheinstrandbads. Vor allem in einem Punkt sind sich Jan Jungermann und der Mediziner Stephan Paulowitsch einig: Wer sich unwohl fühlt, sollte das Wasser generell meiden. „Bei Schwindel, Übelkeit oder anderen Beschwerden verzichtet man lieber auf den Badespaß“, so der Kardiologe, „denn der eigene Körper sagt einem schon ziemlich verlässlich, wenn etwas nicht stimmt – man muss nur zuhören.“

Erste Hilfe bei Badeunfällen

In Deutschland haben im vergangenen Jahr 504 Menschen bei Badeunfällen ihr Leben verloren. Kommt es im Wasser zu einem Notfall, ist schnelle Hilfe gefragt. Folgende Punkte sollten Helfer beachten:

  1. Wie erkennt man Ertrinkende? Notfälle beim Baden sind oft nicht leicht zu erkennen. „Meist geht alles sehr schnell und still vonstatten“, erklärt Tobias Pogadl vom DLRG-Landesverband Baden. Heftiges Winken und lautes Schreien, wie man es aus Filmen kenne, sei eher die Ausnahme. „Ertrinkende werden panisch und geraten in der Regel sehr schnell unter die Wasseroberfläche“, so der Experte. Dann sei es oft nur eine Frage von Sekunden, bis es aufgrund des Sauerstoffmangels zur Bewusstlosigkeit komme. „Wenn man also sieht, wie jemand unter-, aber nicht nach einigen Sekunden wieder auftaucht, sollte man Hilfe rufen“, sagt Pogadl.
  2. Was ist im Notfall zu tun? Wer einen Menschen entdeckt, der im Wasser in Not geraten ist, sollte sofort Hilfe rufen, rät Tobias Pagodl. „Der Notruf ist grundsätzlich die erste und wichtigste Maßnahme, damit professionelle Rettungskräfte so schnell wie möglich eingreifen können“, so der DLRG-Experte. Einen Ertrinkenden selbst aus dem Wasser zu ziehen, sei jedoch nicht so einfach. „Ein Mensch, der in Panik gerät, kann enorme Kräfte freisetzen und versucht oft krampfhaft, sich an dem Helfer festzuhalten, für den es dann ebenfalls gefährlich werden kann.“ Wer sich die Rettung zutraut, sollte einen möglichst großen Gegenstand zur Hilfe nehmen, an dem sich der Ertrinkende festhalten kann.
  3. Nächste Schritte an Land: Zurück an Land gelten die gängigen Erste-Hilfe-Regeln. Ist keine Atmung spürbar, sollte der Helfer sofort mit der Reanimation beginnen. Bei einer Herzdruckmassage muss dem Patienten 30 mal hintereinander mittig auf den Brustkorb gedrückt werden, so wird der Herzmuskel aktiviert. Darauf folgen zwei Mund-zu-Nase-Beatmungen, bei denen der Hals überstreckt wird. War der Patient lange unter Wasser, ist davon auszugehen, dass Flüssigkeit in die Lunge eingedrungen ist. In diesem Fall sollte mit der Beatmung begonnen werden, bevor die Herzdruckmassage erfolgt. Diese Wiederbelebungsmaßnahmen sind wichtig und halten den Patienten am Leben, bis Notärzte oder Sanitäter an der Unfallstelle eintreffen.