Lichterloh brennt ein Nadelwald, auf einem Getreidefeld lodern die Flammen und lassen nicht viel mehr als Asche zurück. Erreichten uns solche Bilder häufig aus Portugal, Griechenland und Kalifornien, kommen ähnliche Nachrichten in diesem Sommer auch aus dem Nordosten Deutschlands, wo deswegen etwa beim Autobahndreieck Potsdam eine zentrale Fernverkehrsader gesperrt werden musste. Fehlen längere Zeit die Niederschläge, gehören knochentrockene Sandböden und damit oft auch eine hohe Brandgefahr für die Menschen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern nicht nur in der warmen Jahreszeit allerdings schon immer zum Alltag.

Bringt der Klimawandel wie befürchtet öfter extreme Wetterlagen, häufen sich auch solche Dürren. Damit steigt die Gefahr von Landschaftsbränden. „Und das nicht nur in den Nadelwäldern im Nordosten, sondern auch in den Laubwäldern der Mittelgebirge“, erklärt Johann Georg Goldammer, der die Arbeitsgruppe Feuerökologie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie und das Global Fire Monitoring Center (GFMC, Zentrum für globale Feuerüberwachung) in Freiburg leitet.

Feuer bleibt hier meist am Boden

„Allerdings sollte man sich dabei nicht lichterloh vom Boden bis in die Wipfel brennende Buchenwälder vorstellen“, beschwichtigt der weltweit von der Mongolei und Brasilien bis nach Sylt und Brandenburg tätige Feuerökologie-Professor möglicherweise keimende Ängste. In den Laubwäldern trocknen längere Perioden ohne oder mit sehr geringen Niederschlägen die Böden zwar ebenfalls aus. Ein achtlos weggeworfener Zigarettenstummel mit ein wenig Glut oder ein heißer Auto-Katalysator reichen aus, um das trockene Unterholz zu entflammen. Solche Feuer bleiben aber meist am Boden, weil die dicken Baumstämme normalerweise kein Feuer fangen und die Flammen gar nicht nach oben zu den Wipfeln vordringen.

Harmlos aber sind solche Brände trotzdem nicht. „Alte Kiefern, Douglasien und Eichen schützt zwar eine dicke Borke vor der Hitze des Feuers“, erklärt Johann Georg Goldammer. Nur haben Buchen jeden Alters genau wie die meisten jungen Bäume anderer Arten eben keine dicke schützende Rinde. Sie überleben daher ein Bodenfeuer kaum. Bringt der Klimawandel häufigere Dürreperioden und erhöht so das Risiko für Landschaftsbrände, sollte man sich auf diese Entwicklung vorbereiten.

Das wiederum klappt am besten, wenn man die Zusammenhänge zwischen natürlichen Entwicklungen und solchen Landschaftsbränden versteht. Solche ökologischen Zusammenhänge aber untersuchen Forscher am besten in Regionen, in denen Wälder von Bränden profitieren oder sogar ohne Feuer gar nicht überleben können. „Solche Kiefern- und Lärchenwälder wachsen zum Beispiel in Sibirien und in Nordamerika“, erklärt GFMC-Leiter Johann Georg Goldammer. Geschützt von ihrer dicken Borke überstehen dort die alten Bäume solche Brände meist recht gut. Kräuter und andere Stauden brennen zwar oft bis zum Boden ab, treiben aber nach dem Feuer aus ihren Wurzeln oder auch aus Samen wieder aus.

Nach dem Brand fallen die Samen der überlebenden Bäume auf die abgekühlte Asche. Dort regen Mineralien den Samen zum Keimen an. Durch die dünne Ascheschicht erreichen die Wurzeln ohne Probleme den Waldboden, der auch bei längerer Dürre noch genug Wasser speichert. Manche Baumarten wie Eukalyptus-Arten in Australien oder Kiefern in Nordamerika kapseln ihre Samen so gut ein, dass die Zapfen nur in der Hitze des Feuers aufspringen. Später genügt dann ein kräftiger Windstoß, um die Samen auf die Asche fallen zu lassen. Ohne regelmäßige Feuer würden solche Arten aussterben.

Von natürlichen Waldbränden lernen

In der Natur entzündet in den großen Waldlandschaften Sibiriens, Nordamerikas und Australiens ein Blitz alle zehn oder zwanzig Jahre den Waldboden. Dann brennen tote Äste und Zweige und vertrocknete Kräuter einfach ab, später löscht der nächste Regenschauer die Flammen wieder. So sammelt sich nur wenig brennbares Material an und entstehende Feuer finden zu wenig Material, um zum Inferno zu werden. In Wirtschaftswäldern brennen Spezialisten wie Johann Georg Goldammer daher das Unterholz kontrolliert ab und verhindern so, dass sich gefährliche Mengen ansammeln. „In Mischwäldern funktioniert diese Methode allerdings nicht“, erklärt der Feuerökologe. 

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Allerdings gibt es für jeden Wald geeignete Schutzmaßnahmen. Werden sie umgesetzt und kennen die gut ausgerüsteten freiwilligen Feuerwehren alle Zusammenhänge, dann können sie die häufiger auftretenden Landschaftsbrände sicherer, schneller und effektiver löschen.

Leichtenzündlich: Das dürre Laub, das vielerorts im Wald und besonders an Waldrändern liegt, brennt im Falle eines brandes lichterloh.
Leichtenzündlich: Das dürre Laub, das vielerorts im Wald und besonders an Waldrändern liegt, brennt im Falle eines brandes lichterloh. | Bild: Ann-Kathrin Bielang