Wissenschaftler arbeiten unter Hochdruck an der Verlängerung des menschlichen Lebens. Dass Menschen 100 Jahre alt werden, hat man schon gehört. Doch 500? Oder gar 1000? Geht es nach Aubrey de Grey, soll dies in absehbarer Zeit möglich sein.

Wie kann man das Altern stoppen 

Der im kalifornischen Silicon Valley arbeitende Forscher sagt: „Alle halten das Altern für einen natürlichen und unvermeidlichen Prozess. Doch tatsächlich lässt es sich sehr weit, möglicherweise sogar unendlich weit hinauszögern. So wie bei den Autos, von denen vor 100 Jahren auch niemand geglaubt hätte, dass sie so lange funktionieren würden, wie sie es heute tun.“

De Grey ist zwar kein gelernter Mediziner oder Biologe, sondern Informatiker. Doch er ist auch kein Spinner, dem niemand Gehör schenken sollte. Denn sein Credo lautet: Eigentlich sei schon länger erforscht, wie man das Altern stoppen könnte – doch das würde nicht richtig in die Praxis umgesetzt. Und diesen Transfer sehe er, der eigentlich aus dem technischen Bereich kommt, als seine Aufgabe.

Forscht im US-Silicon Valley, um den Alterungsprozess hinauszuzögern: US-Informatiker Aubrey de Grey.
Forscht im US-Silicon Valley, um den Alterungsprozess hinauszuzögern: US-Informatiker Aubrey de Grey. | Bild: wikipedia gemeinfrei

Der 56-jährige charismatische Vollbartträger hat eine eigene Stiftung wider des Alterns gegründet, unter deren Dach er anerkannte Forscher und Ingenieure versammeln konnte.

 60-Jähriger in biologischen Zustand von 30-Jährigen versetzen

Im Jahr 2000 verlieh ihm die University of Cambridge den Doktor in Biologie, für sein Buch „Die mitochondriale Theorie der freien Radikale des Alterns“. Seine Grundthese: Man müsse frühzeitig die Abfallprodukte attackieren, die sich beim Stoffwechsel anhäufen und die dem Körper früher oder später das Leben schwer machen.

Dadurch könnte man einen 60-Jährigen in den biologischen Zustand eines 30-Jährigen versetzen, und später, wenn er biologisch 60 geworden ist, erneut in den Zustand eines 30-Jährigen versetzen. „Auf diese Weise kann man 60 Jahre alt werden, obwohl man bereits 150 Jahre auf dem Buckel hat“, sagt er.

Studien haben ergeben, dass grüner Tee dem Magen gut tut und das Herz schützt.
Studien haben ergeben, dass grüner Tee dem Magen gut tut und das Herz schützt. | Bild: ©Grafvision - stock.adobe.com

Bei der Wahl der Mittel, um den stoffwechselbedingten Altersfraß im Körper zu stoppen, ist er prinzipiell offen für alles. Da könnten dann auch Antioxidantien aus Grüntee, Rotwein, Schokolade und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln eine Rolle spielen.

Oder auch eine medikamentöse Verjüngungskur für den Thymus, die de Grey kürzlich auf der alljährlichen Konferenz der Life Extension Advocacy Foundation in New York vorstellte.

Verfall der Thymusdrüse stoppen

In der unter dem Brustbein sitzenden Thymusdrüse trainiert und sortiert das Immunsystem seine Abwehrzellen aus. Doch nach dem Jugendalter verkümmert sie und verwandelt sich langsam aber sicher in Fett. Was nicht nur anfällig für Krebs, Entzündungen und Infekte macht, sondern auch Autoimmunreaktionen fördert, die sich gegen den eigenen Körper richten.

Würde es nun gelingen, den Verfall der Thymusdrüse zu stoppen und sie zu verjüngen, würde man zwei zentrale Motoren des Alterns ausgeschaltet haben.

Durch den Verzehr dunkler Schokolade vermehren sich nützliche Bakterien im Darm.
Durch den Verzehr dunkler Schokolade vermehren sich nützliche Bakterien im Darm. | Bild: ©Africa Studio - stock.adobe.com

Also verabreichte ein Forscherteam um den US-Pharmakologen Greg Fahy neun Freiwilligen einen Mix aus Wachstumshormonen und dem Diabetesmittel Metformin, wobei Letzteres die Nebenwirkungen der Hormone puffern sollte.

Noch kein Durchbruch

Daraufhin wuchs den Probanden innerhalb von zwölf Monaten neues Thymusgewebe, und ihr Immunzellenprofil glich dem eines deutlich jüngeren Menschen. Sie waren – wie ein Genetiker ausrechnete – biologisch nicht ein Jahr älter, sondern 18 Monate jünger geworden. Eine der Versuchspersonen berichtete, dass ihr ursprünglich graues Haar dunkel nachgewachsen wäre.

Bleibt festzuhalten, dass die Studie nur mit neun – ausschließlich männlichen – Personen durchgeführt wurde. Auch eine Langzeitbeobachtung, um potenzielle Schäden nach der einjährigen Behandlung festhalten zu können, gab es nicht.

Von einem Durchbruch auf der Suche nach dem Heiligen Gral kann also keine Rede sein. Und ob wirklich einmal die Schallmauer von 1000 Jahren Lebenserwartung durchbrochen wird, sehen dann doch die meisten Forscher skeptisch.

Antioxidantien im Rotwein hemmen Proteine, die Entzündungen auslösen können.
Antioxidantien im Rotwein hemmen Proteine, die Entzündungen auslösen können. | Bild: ©natashaphoto - stock.adobe.com

So arbeitet Sebastian Grönke in Köln, am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, schon länger an Techniken zur Verlängerung des Lebens.

An einfachen Organismen wie Mäusen, Fadenwürmern und Taufliegen, deren Alterungsprozesse sich leichter beeinflussen lassen als beim Menschen. Und zwar, indem man ihre Gene verändert, was in der Regel beim Menschen nicht nur schwierig, sondern auch verboten ist.

„Trotzdem ist es immer noch diese Grenze von 30 Prozent Lebenszeitverlängerung, die man nicht überschreiten kann“, betont Grönke. Wie sollte man dann beim Menschen mehr herausholen?

Der älteste Mensch

  • Die Französin Jeanne Calment ist der älteste Mensch aller Zeiten. Sie starb 1997 und wurde 122 Jahre und 164 Tage alt. Dabei trieb sie keinen Sport und kam erst im Alter von 119 Jahren von der Zigarette los. Ihre nahen Verwandten wurden zwar relativ alt, doch nur einer übersprang die 90er-Grenze. Die Gene trugen also auch nicht viel zu Calments langem Leben bei.
  • Mit Optimismus: Ihr Leben verlief unspektakulär, auch wenn es schwere Schicksalsschläge, wie den frühen Tod der Tochter gab, die sie robust wegsteckte, weil sie optimistisch blieb. Und sie hatte Humor. Als ihre Heimatstadt Arles ihr eine Feier zum 120. Geburtstag ausrichtete, verabschiedete sich ein Gast und sagte: „Bis nächstes Jahr, vielleicht.“ Worauf Jeanne trocken konterte: „Warum nicht? Du siehst doch gar nicht so schlecht aus.“
Der älteste Mensch aller Zeiten: die Französin Jeanne Calment an ihrem 122. und letzten Geburtstag. Sie starb 1997.
Der älteste Mensch aller Zeiten: die Französin Jeanne Calment an ihrem 122. und letzten Geburtstag. Sie starb 1997. | Bild: Georges Gobet/dpa

Wie kann man sein Leben verlängern?

  • Lebensweise: Jeder kann etwas zu seiner Lebenszeitverlängerung beitragen: Indem er nicht raucht, Alkohol nur in Maßen trinkt – und weniger sitzt. Peter Katzmarzyk von der State University im US-amerikanischen Baton Rouge hat ausgerechnet, dass es zwei zusätzliche Lebensjahre bringt, wenn man pro Tag weniger als drei Stunden am Schreibtisch verbringt. Wobei dies unabhängig davon sei, mit welcher Aktivität und in welchen Intervallen die sitzfreie Zeit verbracht wird. „Und wer es dann noch schafft, zwei Stunden Fernsehsessel von seinem Tagesplan zu streichen, gewinnt noch weitere 1,4 Jahre hinzu“, sagt er.
  • Persönlichkeit: Einen großen Einfluss hat aber auch die Persönlichkeit, wie Howard Friedman von der University of California erforscht hat. „Wer sparsam, beharrlich, detailorientiert und verantwortungsvoll lebt, lebt am längsten“, so der Psychologe. Gewissenhaftigkeit und Selbstdisziplin, und nicht etwa Intelligenz oder Kreativität seien das eigentliche Pfand für ein langes Leben. Was auch etwas langweilig klingt. „Doch letzten Endes heißt Gewissenhaftigkeit auch, dass man die Dinge zu Ende bringt, die man geplant hat“, betont Friedman. Und das sei alle Male spannender, als dauernd nur unerfüllbare Luftschlösser zu bauen.