Als ich in den 1970er-Jahren in die Grundschule ging, war Umweltschutz das ganz große Ding. Wir zogen mit Plastiktüten durch den Wald und sammelten herumliegenden Müll ein. Heute heißt diese Aktion „Stadtputzete“, und der Bürgermeister spricht dazu warme Worte. Wir trennen unseren Müll inzwischen fast wissenschaftlich und sortieren Abfall in bunte Tonnen vor dem Haus.

Die Hersteller von Müllwagen müssen heute ein halbes Dutzend Varianten anbieten, damit alles fein säuberlich am jeweiligen Bestimmungsort landet. Wer einen großen Wertstoff-Hof (ja, Wertstoff!) aufsucht, muss sich zwischen 20 Containern erst mal orientieren, bevor er seinen Kofferraum leert. Müllberater in orangen Westen schicken die Anlieferer mal hier- mal dorthin und verwalten nebenher fein säuberlich sortierten Elektroschrott vom Lan-Kabel bis zur Waschmaschine.

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Alles im Reinen?

Wir Deutsche sind zu wahrhaften Müll-Kundlern und Abfallspezialisten geworden, und Zuwanderer, die unser System in ihrer alten Heimat nicht kennen, werden klar und deutlich mit unserem Sortierwesen vertraut gemacht.

Also alles im Reinen, sollte man meinen. Falsch gedacht! Noch immer gibt es Menschen, die sich in dumpfer Routine dessen entledigen, was sie gerade in der Hand halten. Ich denke nicht an Zigarettenkippen, denn hier könnte man noch entschuldigend einwenden, dass auf der Straße nicht alle paar Meter ein Mülleimer steht. Nein, es geht hier um ein unscheinbares Vlies, das aber immer mehr Abwasser-Spezialisten den Schlaf raubt: Das Feuchttuch. Eine aus Öko-Sicht teuflische Erfindung.

. . . ex und hopp ins Klo

Immer mehr dieser kleinen feinen Tüchlein stapeln sich in deutschen Bädern, weil sie einfach so schön praktisch sind. Abschminken? Kein Problem! Ein Tüchlein und weg ist die Schmiere. Mal schnell untenrum hygienisch werden? Hier mit dem Ding – wischen – und wohin damit? Jawoll. Ins Klo. Das steht ja gerade nebenan, und der Deckel ist auch schon aufgeklappt.

Wasserwerkern und Kanalarbeitern geht dafür der Hut hoch. Sie können die Abfall-Zöpfe aus Feuchttüchern nämlich aus den Pumpen puhlen. Das reißfeste Material löst sich nicht auf! Im Gegensatz zum Klopapier. Die Folgen sind immens: Jährlich müssen Kommunen in Deutschland (und auf der ganzen Welt) Millionen in die Hand nehmen, um die lahmgelegte Abwassertechnik wieder flott zu kriegen.

Also, Ihr lieben Feuchttuch-Nutzer: Versenkt das Zeug nicht in der Toilette, sondern stellt Euch einen Eimer nebenhin. Alle Hotels machen es bereits so, damit Hygiene-Artikel den Abfluss nicht verstopfen. Den Wasserwerker freut‘s – und den Stadtkämmerer auch.