Der bekannte Radolfzeller Vogelkundler Peter Berthold bringt es auf den Punkt: „Die Vögel verhungern regelrecht.“ Klar, wer zuwenig Nahrung findet, kann keinen Nachwuchs mehr durchfüttern. Das Alarmierende an der neuen Studie der Ornithologen ist: Selbst in der Bodensee-Region, von der man denken sollte, dass sie der Vogelwelt gewogen ist, sind die Bestände in einen drastischen Sinkflug übergegangen.

Gift und Verödung

Verantwortlich dafür ist die industrielle Landwirtschaft. Sie entzieht vor allem im Hegau und im Thurgau den Vögeln die Nahrungsgrundlage, weil Insekten in Agrargebieten unerwünscht sind und mit Gift bekämpft werden. Und nicht nur das. Wo früher an Wegrainen und Feldern Gehölze wuchern durften, kurven heute GPS-gesteuerte Traktoren, um auch noch die letzte Ackerkrume für die Pflanzenproduktion zu nutzen. Auch die so oft beschworene „kleinteilige Landwirtschaft“ des Südwestens handelt wider die Bedürfnisse der Natur.

Was wir tun können

Wir haben sehenden Auges die Kleinvögel von Feldern und vielen Wiesen weitgehend verbannt. Wer noch eine Lärche singen hören will, muss viel Geduld aufbringen. Gegen den Artenschwund kann allerdings jeder etwas tun: Mit Nistkästen im Garten oder einem Futterhäuschen auf dem Balkon, am besten ganzjährig befüllt, denn auch im Sommer brauchen die Brüter viel Energie. Wer sich diese Mühe macht, wird mit Vogelbesuch zahlreich belohnt. Was ebenfalls nicht schadet: Nachbars Katze und deren Jagdfieber im Auge zu behalten.