Bei den Kindern und Jugendlichen von heute mögen die Abenteuer von Asterix und Obelix nicht mehr den gleichen Stellenwert haben wie einst bei ihren Eltern; aber dafür gibt es viele Fans, die dem kleinen Gallier und seinem korpulenten Freund schon seit fast fünfzig Jahren die Treue halten. 1968 ist der erste Band der Reihe, „Asterix der Gallier“, in Deutschland veröffentlicht worden. Pünktlich zu Nummer 37 („Asterix in Italien“) erscheint nun eine Art Reiseführer durch die Welt von Asterix und Obelix. Das „inoffizielle Asterix & Obelix Lexikon“ ist allerdings, wie schon der Titel sagt, kein offizielles Lizenzprodukt, weshalb es leider auch keine Originalzeichnungen enthält.

Festmähler gab es bei den Galliern sicher. Doch unklar ist, ob sie Barden wie Troubadix immer an einen Baum fesselten.
Festmähler gab es bei den Galliern sicher. Doch unklar ist, ob sie Barden wie Troubadix immer an einen Baum fesselten. | Bild: Egmont Ehapa Media

Dem Lesevergnügen tut das jedoch keinen Abbruch, denn Autor Marco Mütz, Betreiber der Website „Deutsches Asterix Archiv“ (www.comedix.de), hat mit Sachkunde und großer Zuneigung auf über 200 Seiten viele wissenswerte und auch ein paar unnütze Fakten gesammelt. Ein Lexikon im Sinne eines Nachschlagewerks (von A wie Asterix bis Z wie Zuckerpüppchen) ist sein Buch aber nur im ersten Drittel; der Rest des Werks dreht sich um Reisen, Leitmotive und kuriose Details. Mithilfe der vielen Informationen lassen sich einige hochinteressante Schwerpunkte zusammentragen.

Bild: Egmont Ehapa Media GmbH

Asterix und die Frauen

Vor gut 2000 Jahren waren die Rollen nicht nur in Gallien klar verteilt: Die Männer waren die Ernährer der Familie, die Frauen hüteten das Feuer; daran hat sich ja auch ziemlich lange nichts geändert. Die Asterix-Schöpfer René Goscinny (1977 verstorben) und Albert Uderzo, beide in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts geboren, waren diesen Traditionen offenbar immer noch sehr verbunden, als sie ihre erste Geschichte über die unbeugsamen Gallier veröffentlichten. Das war 1961; da gehörte die Feministin Simone de Beau-voir zu den wichtigsten Intellektuellen Frankreichs.

Bild: Egmont Ehapa Media GmbH

In den Asterix-Comics aber spielen Frauen bloß eine meist namenlose Nebenrolle; in den meisten Bänden dürfen sie nicht mal am traditionellen Schlussbankett teilnehmen. Die Einzige, die aus dieser Reihe tanzt, ist Gutemine, die immer wieder mal verdeutlicht, wer im Haus des Häuptlings Majestix die Hosen anhat. Apropos: Jellosubmarine, Gattin des Fischhändlers Verleihnix und die Figur mit dem vielleicht schönsten Namen, ist die erste Gallierin, die eine Hose trägt, und zwar in „Asterix und Maestria“. Die Titelheldin dieses Albums, eine Bardin, verbreitet feministische Parolen im Dorf und gibt entsprechende Abendkurse, was den Männern großes Unbehagen bereitet. In diesem Band sind die Frauen erstmals auch beim Fest dabei. Die hübscheste und mit Abstand jüngste Gemahlin hat übrigens der steinalte Methusalix.

Gab’s die Gallier wirklich?

Die meisten Menschen werden mit dem Begriff „Gallien“ das heutige Frankreich assoziieren. Tatsächlich ist diese von den Römern stammende Bezeichnung eher willkürlich, zumal sich die damaligen Bewohner kaum selbst so genannt haben dürften, denn eigentlich waren sie Kelten. „Gallier“ waren aus Sicht Roms alle Einwohner jener Gebiete, die heute Frankreich, Belgien, Luxemburg und einen Teil der Schweiz umfassen. Immerhin lässt sich exakt festlegen, wo Asterix, Obelix, Miraculix und all die anderen im Jahr 50 vor Christus gelebt haben, obwohl der Name ihres Dorfes nie genannt wird (bei den Römern heißt es nur „das Dorf der Verrückten“). Ihre Heimat war Aremorica; das ist der alte Name für die Region Bretagne/Normandie. Dank der Hinweise in einigen Alben haben Leser, die es ganz genau wissen wollten, herausgefunden, dass sich das Dorf dort befunden haben muss, wo heute an der bretonischen Küste im Departement Finistère der Ort Le Moulin de la Rive liegt.

Das Dorf der unbeugsamen Gallier haben die Autoren Albert Uderzo und René Goscinny an der bretonischen Küste angesiedelt.
Das Dorf der unbeugsamen Gallier haben die Autoren Albert Uderzo und René Goscinny an der bretonischen Küste angesiedelt. | Bild: Egmont Ehapa Media GmbH

Die Namen und ihre Spender

Ein besonderer Spaß dürfte den beiden Schöpfern der Comics das „Namedropping“ bereitet haben, die Hinweise auf verstorbene oder noch lebende Prominente. Die Verballhornung von Begriffen (Sebigbos, britischer Häuptling), Redewendungen (Grautvornix, Nichtsalsverdrus), Konsumprodukten (Stellartoix) oder die Anspielungen auf bekannte Namensvetter – Francocampus ist ein Showmaster, zu deutsch „Frankenfeld“ – gehören ohnehin zu den großen Freuden der Reihe, aber in den Alben und erst recht in den Filmen wirken auch immer wieder Berühmtheiten mit. Im Realfilm „Asterix bei den Olympischen Spielen“ bestreitet der echte Michael Schumacher ein Wagenrennen, selbstredend im knallroten Streitwagen; den Chef des Rennstalls verkörpert im Film wie im realen Leben Jean Todt.

Der Band „Obelix auf Kreuzfahrt“ ist dem Schauspieler Kirk Douglas gewidmet. Dessen berühmteste Filmrolle war Spartakus, weshalb der beinahe gleichnamige Sklavenanführer im Album seine Züge trägt. In „Obelix GmbH & Co. KG“ sind zwei römische Gladiatoren unschwer als Stan Laurel und Oliver Hardy (hierzulande alias „Dick & Doof“) zu erkennen. „Gallien in Gefahr“ ist eine Hommage an Walt Disney.

Der Angriff der Gallier auf die Römer erfolgt immer in lockerer Unordnung. Ganz oben: Häuptling Majestix auf dem Schild.
Der Angriff der Gallier auf die Römer erfolgt immer in lockerer Unordnung. Ganz oben: Häuptling Majestix auf dem Schild. | Bild: Egmont Ehapa Media GmbH

Die Geschichte handelt vom Kampf eines Außerirdischen namens Tuun („Toon“ steht für animierte Tiere oder Objekte) gegen die Nagmas. Sein Heimatplanet Tadsylweni ist ein Anagramm von Walt Disney und Nagmas steht für Mangas, jene japanischen Bildergeschichten, die den etablierten westlichen Comics vor zwölf Jahren große Konkurrenz machten. In diesem Band wirkt auch ein Superklon mit, den Uderzo unverkennbar Arnold Schwarzenegger nachempfunden hat; sein Name ist Shwor-Zi.

 

Buchtipp: Marco Mütz, Das inoffizielle Asterix & Obelix Lexikon. Riva Verlag, München 2017, 208 Seiten, 14,99 Euro. 

Bild: riva Verlag