Mit Beginn des nasskalten Herbstes gehören rutschige Straßen, Nebel und schlechte Sichtverhältnisse für Autofahrer wieder zum Alltag. Dadurch steigt die Unfallgefahr. Was Autofahrer tun sollten, um trotzdem sicher an ihr Ziel zu kommen.

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Das Reifenprofil muss stimmen, außerdem müssen Winterreifen rechtzeitig aufgezogen werden. | Bild: Andrea Warnecke

Wie funktioniert der Reifentest mit dem Zwei-Euro-Stück?

Laub, Nässe und Glätte, etwa durch Raureif, können im Herbst Autofahrten in Rutschpartien verwandeln. Auch der Bremsweg verlängert sich. Ein weiteres Problem: „Liegt Laub auf der Straße, können sich darunter Schlaglöcher oder andere Hindernisse verbergen“, warnt Frank Mauelshagen, Kfz-Experte bei der Ergo Versicherungsgruppe. Er empfiehlt Autofahrern daher nicht nur, die Geschwindigkeit an die Straßenverhältnisse anzupassen, sondern auch spätestens ab Oktober die Winterreifen aufzuziehen.

Winterreifen erkennt man an der Kennzeichnung „M+S“ oder einem Schneeflockensymbol auf der Reifenflanke. Bei glatten Straßen ist der entscheidende technische Vorteil gegenüber Sommerreifen die feine Lamellierung der Lauffläche, die dann für die bestmögliche Haftung sorgt.Diese Lamellierung ist bei einem gewissen Abnutzungsgrad der Reifen jedoch nur noch teilweise vorhanden. Der ADAC empfiehlt daher eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern.

Nachmessen lässt sich das mit Hilfe eines Zwei-Euro-Stücks: Verschwindet der silberne Rand im Profil, ist es noch tief genug – wenn nicht, sollten lieber neue Reifen gekauft werden. Ein Bußgeld riskiert man hier jedoch noch nicht: Gesetzlich vorgeschrieben ist bei allen Reifen – im Sommer wie im Winter – lediglich eine Profiltiefe von 1,6 Millimetern.

Vorsicht, Rutschgefahr: Laub auf der Straße kann bei Nässe schnell zum gefährlichen Schmierfilm werden.
Vorsicht, Rutschgefahr: Laub auf der Straße kann bei Nässe schnell zum gefährlichen Schmierfilm werden. | Bild: dpa

Warum sollte man Herbstlaub vom Auto entfernen?

Bunte Herbstblätter sind zwar schön anzuschauen, sorgen aber auch für erhebliche Gefahren. Nicht nur, weil sie Straßen rutschig machen, sondern auch weil sie den Belüftungsschacht von Autos verstopfen können. Die Folge eines verstopften Fahrzeuggebläses ist, dass die Scheiben massiv beschlagen können und der Fahrer daher eine schlechtere Sicht hat. Oft ist dann der Griff nach einem Tuch fällig.

Experten raten daher dazu, Autos vor der Fahrt grundsätzlich vom Herbstlaub zu befreien. Vor allem der Belüftungsschacht vor der Frontscheibe sollte vor Fahrtbeginn überprüft werden.

Das Reifenprofil muss stimmen,  außerdem müssen Winterreifen rechtzeitig
Das Reifenprofil muss stimmen, außerdem müssen Winterreifen rechtzeitig | Bild: Smiltena

Was muss man bei Nebel beachten?

Klar, Nebel bringt schlechte Sichtverhältnisse mit sich. Um in einer solchen Situation trotzdem sicher unterwegs zu sein, ist langsames und vorausschauendes Fahren wichtig – und natürlich die richtige Beleuchtung. „Reicht die Sicht weniger als 150 Meter, liegt die maximale Geschwindigkeit bei 100 km/h. Bei 100 Metern freier Sicht gilt Tempo 80 als Obergrenze“, fasst Kfz-Experte Mauelshagen zusammen. Zusätzlich sollten Autofahrer auf einen ausreichenden Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug achten.

Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) ist bei Nebel zudem das Abblendlicht Pflicht. Zwar schaltet es sich bei modernen Fahrzeugen abhängig von den Lichtverhältnissen häufig automatisch ein beziehungsweise aus, doch oft erst recht spät. Daher sollten Autofahrer bei Nebel manuell von Tagfahr- auf Abblendlicht umschalten.Beträgt die Sichtweite weniger als 50 Meter, erlaubt es die StVO zudem, Nebelschlussleuchte und Nebelscheinwerfer einzuschalten. Der Fahrer muss sie aber umgehend wieder ausschalten, wenn die Sichtverhältnisse besser werden.

Vorbeugen auf den Herbst: Zum Beispiel mit einem Beleuchtungstest. Bild: ProMotor
Vorbeugen auf den Herbst: Zum Beispiel mit einem Beleuchtungstest. | Bild: ProMotor

Warum ist jetzt ein Lichttest sinnvoll?

„Von dunkel bis dunkel“ lautet bei vielen Arbeitnehmern ab Herbst die Antwort auf die Frage nach ihren Arbeitszeiten. Und wer früh losfährt, wenn es noch dunkel ist, und abends ebenfalls in der Dunkelheit nach Hause zurückkommt, ist nur dann sicher unterwegs, wenn die Beleuchtung des Fahrzeugs vollständig funktionstüchtig ist.

Zum Herbstcheck für das Auto gehört daher auch ein Lichttest, den viele Autohäuser und -werkstätten kostenlos anbieten, wenn man sowieso schon da ist, um die Winterreifen aufziehen zu lassen. Zudem sollte man in der Dämmerung frühzeitig das Abblendlicht einschalten, denn das Tagfahrlicht der Autos reicht häufig nicht aus, um andere Verkehrsteilnehmer – insbesondere Radfahrer und Fußgänger – gut zu erkennen und im Fall der Fälle rechtzeitig bremsen zu können.

Achtung, Wild: Besonders im Herbst ist die Gefahr groß.
Achtung, Wild: Besonders im Herbst ist die Gefahr groß. | Bild: DVAG Deutsche Vermögensberatung
Winterreifen müssen rechtzeitig aufgezogen werden. Bild: dpa
Winterreifen müssen rechtzeitig aufgezogen werden. Bild: dpa | Bild: Schönlein, Ute

Warum steigt die Gefahr von Wildunfällen im Herbst?

Wenn es Herbst wird, fällt der Berufsverkehr hauptsächlich in die Dämmerungszeit. Viele größere Wildtiere wie Wildschweine, Hirsche und Rehe sind aber eben in der Dämmerung besonders aktiv und auf Futtersuche. Dabei kommen sie auch in die Nähe von Straßen. Autofahrer sollten daher vor allem in der Dämmerung auf Straßen an Feldern und Wäldern die Fahrbahnränder im Blick behalten.

Oft weisen Schilder auf die Wildwechselgefahr hin. „Grundsätzlich gilt dann: langsam fahren“, betont Kfz-Experte Mauelshagen. Wichtig zu wissen: Ein Tier ist meist nicht allein unterwegs, häufig folgen ihm weitere Artgenossen. „Sind bereits Tiere auf der Straße, sollten Autofahrer abblenden, hupen und vorsichtig bremsen“, so Mauelshagen.

Vorsicht beim Radfahren im Herbst

Für Radfahrer hält das Herbstwetter viele Gefahren bereit, denn das Radfahren bei winterlichem Schmuddelwetter bringt gleich mehrere Probleme mit sich: Einerseits muss der Körper vor Nässe und Kälte geschützt werden – und die dicke Kleidung, Mütze und Schal schränken die gewohnte Bewegungsfreiheit und das Gesichtsfeld teilweise ein. Zugleich ist auch das Fahr- und Bremsverhalten auf nassen und eisglatten Wegen anders als gewohnt.

Dann sieht man wegen früher Dunkelheit Spiegelungen auf nasser Fahrbahn sowie Nebel auch noch schlechter als sonst und wird auch von anderen Verkehrsteilnehmern leichter übersehen. Unter diesen erschwerten Umständen kann Radfahren schnell ernste Unfälle nach sich ziehen. Vorbeugen kann man, indem man stets mit eingeschaltetem Licht unterwegs ist, auf helle, reflektierende Kleidung achtet und aufmerksam und langsam fährt.

Um die Rutschgefahr zu verringern, sollten Radfahrer auf abrupte Schlenker und scharfe Bremsmanöver verzichten. Es kann auch hilfreich sein, etwas Luft aus den Reifen zu lassen. Dadurch vergrößert sich die Auflagefläche des Rades und die Rutschgefahr sinkt. Wer die Pedale mit Schmirgelpapier etwas aufraut, hat bei Nässe besseren Halt. Und natürlich: Fahrradhelm nicht vergessen. (czy)