Immer mehr Menschen tragen eine Brille oder auch Kontaktlinsen, weil sie fehlsichtig sind. 65 Prozent der Deutschen sind davon betroffen.

Ihr Problem ist die Kurz- oder Weitsichtigkeit oder eine Hornhautverkrümmung.

150.000 Operationen pro Jahr

Um scharf sehen zu können, benötigen sie eine Brille oder Kontaktlinsen. Doch viele nervt die Brille, weil sie beispielsweise beim Sport stört, und Kontaktlinsen als Alternative verträgt nicht jeder.

Ein Ausweg kann da das sogenannte Augenlasern sein, eine Operation, die die Fehlsichtigkeit behebt. 150.000 Mal pro Jahr werden derartige Operationen in Deutschland durchgeführt.

Millimeterarbeit bei der Laser-OP. Eine Patientin lässt sich die Augenlinse korrigieren. 150 000 Menschen nutzen die moderne Technik jährlich.
Millimeterarbeit bei der Laser-OP. Eine Patientin lässt sich die Augenlinse korrigieren. 150 000 Menschen nutzen die moderne Technik jährlich. | Bild: Zaiets Roman stock-adobe

Scharfes Sehen entsteht durch das komplizierte Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten im Auge. Jeder Gegenstand reflektiert Lichtstrahlen, die auf die Hornhaut und die dahinter liegende Linse treffen.

Wenn der Augapfel zu lang ist

Das Licht wird gebündelt, durchquert das ganze Auge und kommt im Idealfall in einem Punkt auf der Netzhaut am Augenhintergrund an. Von dort wird der Seheindruck an das Gehirn weitergeleitet.

Bei Kurzsichtigkeit ist das Auge eine Winzigkeit zu lang, so dass sich das Licht nicht auf der Netzhaut, sondern kurz davor bündelt. Beim Blick in die Ferne erscheint dann das Bild auf der Netzhaut unscharf.

Bild: brillen-sehhilfen.de

Weitsichtigkeit liegt umgekehrt dann vor, wenn der Augapfel ein wenig zu kurz ist, weshalb sich die Lichtstrahlen erst hinter der Netzhaut bündeln würden.

Das Resultat ist ebenfalls ein unscharfes Abbild. Bei einer Hornhautverkrümmung ist die Hornhaut verformt, wodurch das Sehen unscharf oder verzerrt erscheint. Oft tritt sie in Kombination mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf.

Grad der Fehlsichtigkeit ist wichtig

Die verschiedenen Formen der Fehlsichtigkeit können in vielen Fällen durch eine Augenlaser-OP behoben werden. Zu Beginn stehen in jedem Fall eine ausführliche Vorbesprechung und Augenuntersuchung.

„Ob eine derartige Operation möglich ist, entscheidet sich unter anderem an dem Ausmaß der Fehlsichtigkeit“, erklärt Philip Maier, Oberarzt an der Klinik für Augenheilkunde der Uniklinik Freiburg. „Auch die Hornhautdicke spielt eine Rolle, ebenso die Pupillenweite und andere Augenerkrankungen.“

Philip Maier betont außerdem, dass die Patienten mindestens 18 Jahre alt sein sollten. „Dabei dürfen sich die Brillenwerte vor einer OP über mindestens zwei Jahre nicht mehr verändert haben, was häufig bei Jüngeren noch nicht der Fall ist“, so der Augenarzt. „Die meisten Patienten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt.“

Verschiedene OP-Methoden

Allergiker sollten sich nur in der allergenarmen Zeit operieren lassen. Darüber hinaus wird Schwangeren und stillenden Frauen von einer OP abgeraten, da die hormonellen Schwankungen auch das Sehen betreffen können.

Bei einer Augenlaser-OP wird die Hornhaut so bearbeitet, dass die Brechkraft anschließend ein scharfes Abbild auf der Netzhaut ergibt. Es gibt verschiedene OP-Methoden, die alle ambulant durchgeführt werden. Der Eingriff selbst dauert nur einige Minuten.

Die Lasik-Methode ist am weitesten verbreitet und wird heutzutage meist mit einem Femtosekundenlaser, der besonders kurze Lichtimpulse aussendet, durchgeführt.

So funktioniert die Lasik-Methode

Der Laser schneidet von der Hornhaut eine dünne Scheibe (den Flap) halbkreisförmig ein, die anschließend hochgeklappt wird. Dann bearbeitet der Laser die darunter liegende Hornhaut in der zuvor berechneten Art und Weise.

Bei Kurzsichtigkeit wird sie zum Beispiel etwas abgeschliffen. Danach wird die Scheibe zur Abdeckung wieder zurückgeklappt. Eine Weiterentwicklung dieser Methode besteht darin, nur einen circa 2 mm großen Zugang zur Hornhaut zu schneiden.

Der Laser löst das Gewebe im Innern der Hornhaut ab und entfernt es durch den kleinen Schnitt. Bei besonders dünner Hornhaut können die beiden vorgenannten Verfahren nicht angewendet werden, dann kommt u.U. eine alternative OP-Methode in Frage.

Bei Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung kann zwischen verschiedenen OP-Methoden gewählt werden, bei Weitsichtigkeit kommt nur das Lasik-Verfahren in Frage.

In die Augen geblickt: Lässt die Sehkraft nach, sollte man das von einem Augenarzt untersuchen lassen.
In die Augen geblickt: Lässt die Sehkraft nach, sollte man das von einem Augenarzt untersuchen lassen. | Bild: Sven Hoppe, dpa

Einschränkung beim Sehen nachts

Wie andere Operationen auch ist die Augenlaser-Behandlung nicht ohne Risiken. „Am häufigsten klagen die Patienten nach einem solchen Eingriff über trockene Augen“, erklärt Philip Maier. „Meist ist dies ein vorübergehendes Problem, das mit künstlichen Tränen behandelt wird.“

Auch das nächtliche Sehen kann in der ersten Zeit nach der OP Schwierigkeiten bereiten. Darüber hinaus können nach der Operation Entzündungen auftreten. „Diese können zum einen Reaktionen auf die Operationswunde sein, was in der Regel mit kortisonhaltigen Augentropfen behandelt werden kann. Zum anderen kann es sehr selten zu Infektionen kommen, die zu langfristigen Einschränkungen des Sehvermögens und eventuell auch zu Folgeoperationen führen können“, so Maier.

Lasertechnologie gilt als risikoarm

Wichtig ist, dass die Patienten den Anweisungen der Ärzte folgen und sich in der ersten Zeit etwa nicht die Augen reiben, weil so Keime in die Wunde gelangen können.

Auch die Termine zu den Nachuntersuchungen (meist 1, 7 und 30 Tage nach der OP) sollten unbedingt eingehalten werden. Die Lasertechnologie gilt als risikoarm, dennoch sollte man sich nur einem erfahrenen Arzt anvertrauen.

Der kann auch das Risiko einer Unter- oder Überkorrektur minimieren, bei der man dann doch wieder eine Brille tragen müsste. In diesen Fällen kann aber meist eine Korrektur-OP durchgeführt werden.

Im Alter ist eine Brille möglich

Wer seine Fehlsichtigkeit operieren lässt, hat jedoch keine Garantie auf ein bis zum Ende brillenloses Leben. Spätestens dann, wenn zwischen 45 und 50 Jahren die Alterssichtigkeit einsetzt, brauchen auch gelaserte Augen eine Brille für die Nahsicht.

Was kostet eine Augenlaser-OP?

Da die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Augenkorrektur nicht übernehmen, sollte man sich vorher genau informieren, wie teuer es wird. Bei privaten Krankenkassen hängt die eventuelle Kostenübernahme vom gewählten Tarif ab. Weiter können auch einzelne Brillenversicherungen Kosten übernehmen, wie das Internetportal brillen-sehhilfen.de schreibt. Einige Versicherer würden einen Kostenanteil tragen, „manche bis zu 1000 Euro.

In Deutschland muss man pro Auge zwischen knapp 1000 und 3000 Euro rechnen. Hinzu kommen noch die Kosten für die Vor- und Nachuntersuchungen. Weil auch die Kosten innerhalb Deutschlands schwanken, lohnt es sich, Vergleiche einzuholen. Dabei fallen mindestens fünf Termine in der Augenklinik an, einschließlich der Vor- und Nachuntersuchung. Ausschlaggebend sind die Wahl der Behandlungsmethode und die zu korrigierende Sehschwäche. Häufig werden alle Leistungen für die Beratung, Behandlung und Vor- und Nachuntersuchungen in einem Komplettpreis angeboten. Wenn nicht, sollte das Honorar schriftlich vereinbart werden.

Auch im Ausland wie zum Beispiel in Österreich, der Schweiz, der Türkei oder der Slovakei kann man seine Augen lasern lassen und kommt mit den OP-Kosten meist preiswerter weg. Das Internetportal brillen-sehhilfen.de spricht in dem Zusammenhang von Preisen unter 900 Euro, die pro Auge anfallen können. „In dem Fall ist allerdings Vorsicht geboten. Man sollte sich vorher sehr genau davon überzeugen, dass die Qualität der Geräte und des Personals gut ist“, heißt es dazu weiter. (abf)