Plastik vermeiden, diese Aufgabe haben sich meine Familie und ich gestellt. Nachdem wir mit unserem „Plastikpakt“ begonnen hatten, stießen wir schnell auf ein weiteres Problem. Denn es geht nicht allein um die Verpackungen aus Kunststoff, auf die wir verzichten wollen. Sorgen bereitet auch das Mikroplastik, das in vielen Kosmetikartikeln zu finden ist. Die kleinen Kunststoffteilchen, die weniger als fünf Millimeter groß sind, werden oft als Binde- oder Füllmittel oder als Peelingpartikel den Duschgels, Peelings, Gels und Cremes beigemischt.

Ein Gang durch unser Badezimmer offenbarte, dass fast alle Produkte in Plastikverpackungen stecken. Gerade mal eine Creme und ein Parfum fanden sich in einem Glas wieder, alles andere in PET-Flaschen oder Plastiktuben und -tiegeln. Auch unsere Zahnbürsten sind – Sie wissen es – aus Kunststoff. Ob Zahnpasta, Babybad, Tagescreme, Body-Lotion oder Haargel: Um Plastik kommt man bei der Körperpflege kaum herum.

Oder doch? Nach meinem Auftritt bei der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ bei Frank Plasberg meldete sich Tom Rothenbücher. Er hat das Start-up „Villa Lavanda“ gegründet. Der leidenschaftliche Taucher bietet Kosmetikartikel im Glas an – komplett plastikfrei. Die Produkte produziert er selbst, verpackt wird ausschließlich in Glas, mit der Post versendet in Papier und Pappe. Und die Metallkappen kann man ihm zurückschicken, sie werden wieder verwendet.

Fast alle Produkte, die im Bad benötigt werden, haben Plastikverpackungen. Zudem sind viele Artikel mit Mikroplastik versetzt.
Fast alle Produkte, die im Bad benötigt werden, haben Plastikverpackungen. Zudem sind viele Artikel mit Mikroplastik versetzt. | Bild: Fotografie Trautmann

Ein erster Test meiner Familie ergab, dass sowohl das Shampoo als auch Duschgel, Bodylotion und Flüssigseife sehr gut ankommen. Sie riechen lecker, schäumen gut und halten locker mit den normalen Produkten mit. Die Zahnpasta allerdings schmeckt uns allen leider nicht.

Auch in den verpackungsfreien Läden in Markdorf, Ravensburg oder Konstanz gibt es Kosmetikprodukte, die ganz ohne Verpackung auskommen. Natürlich gäbe es auch die Möglichkeit, dass wir uns unsere Cremes und Duschgels selbst anrühren. Im Internet finden sich allerlei Anleitungen, und so schwer ist das wahrscheinlich gar nicht. Aber da ist für uns eine Grenze erreicht. Denn ich habe neben Job, zwei Kindern, Haushalt und Garten keine Zeit, um auch noch meine Kosmetik selbst zu produzieren. Zudem müsste ich auch noch die Grundbestandteile besorgen.

Wie ich erkenne, in welchen Produkten Mikroplastik ist

Deswegen versuchen wir nun, zumindest mikroplastikfrei im Bad auszukommen. Doch auch das ist zuweilen schwierig. Um herauszufinden, was tatsächlich nicht mit dem Mini-Kunststoff durchsetzt ist, habe ich mir mittlerweile eine App für das Mobiltelefon heruntergeladen. Mit CodeCheck scanne ich Haargel, Babybad oder Zahnpasta, und in Sekundenschnelle weiß ich, ob darin Mikroplastik enthalten ist.

Mit der Smartphone-App CodeCheck lässt sich in Sekundenschnelle herausfinden, ob Mikroplastik im Produkt enthalten ist. Dazu muss man nur den Barcode mit der Handykamera scannen.<sup></sup><sup></sup>
Mit der Smartphone-App CodeCheck lässt sich in Sekundenschnelle herausfinden, ob Mikroplastik im Produkt enthalten ist. Dazu muss man nur den Barcode mit der Handykamera scannen. | Bild: Kerstin Mommsen

Gemeinsam mit Paul habe ich den Test gemacht. Es fielen durch: sein Haargel, das Babybad für unseren Einjährigen, mein Nagellack und eine Cremeseife. Wir versuchen künftig – so gut es geht – auf Naturkosmetik oder mikroplastikfreie Wasch-Utensilien auszuweichen. Die gibt es in den gängigen Drogeriemärkten problemlos zu kaufen. Die beiden Naturkosmetikhersteller Weleda aus dem baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd und Börlind in Calw haben sich beide der Nachhaltigkeit verschrieben und lehnen die Verwendung von Mikroplastik strikt ab. Sie sind ebenfalls gute Alternativen. Mittlerweile haben wir es geschafft, dass wir zumindest in diesem Bereich die Umwelt nicht weiter belasten.

Keine Oberflächengewässer mehr ohne Spuren von Mikroplastik

Studien haben ergeben, dass das Mikroplastik bereits in unseren Seen, Flüssen und im Meer zu finden ist. Auch im Bodensee wurden bereits die Kunststoffpartikel gefunden – so das Ergebnis einer länderübergreifenden Pilotstudie der Landesumweltämter Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Von den 52 Messstellen lagen zwei im Bodensee: Vor Romanshorn wurden 17,67 Gesamtpartikel (von 5 bis 20 Millimeter) pro Kubikmeter im Wasser und vor Friedrichshafen 5,18 Partikel gefunden. „Man muss sich klar darüber sein, dass es keine Oberflächengewässer mehr ohne Spuren von Mikroplastik gibt“, sagt Jochen Stark von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg und Mitautor der Studie.

Insgesamt fanden sich in allen 52 Proben aus 25 Flüssen Kunststofffragmente. Hauptsächlich handelte es sich, so die Autoren der Studie, um Partikel mit Durchmessern zwischen 0,3 und 0,002 Millimetern. Zu fast 90 Prozent bestanden sie aus den Kunststoffsorten Polyethylen und Polypropylen, die wiederum für die meisten Verpackungen aus Plastik verwendet werden. Kläranlagen können zwar einen Teil, aber nicht alle Plastikpartikel aus unserem Abwasser aufhalten. Sie gelangen als Klärschlamm auf die Äcker und über Seen und Flüsse in die Ozeane.

Noch ist unklar, wie gefährlich Mikroplastik für uns Menschen tatsächlich ist. Klar ist aber, dass Kleinstlebewesen und Fische diesen Kunststoff aufnehmen und er letztlich bei uns auf dem Teller landet oder sich auf dem Meeresboden ablagert. Ein Grund mehr für uns, auf Mikroplastik dauerhaft zu verzichten. Schwer ist das in diesem Fall jedenfalls nicht.

 

  1. Was ist primäres Mikroplastik? Fachleute bezeichnen damit Kunststoffpartikel, die gezielt kleiner als fünf Millimeter hergestellt werden. Das sind sowohl feste als auch unlösliche synthetische Polymere. Sie kommen industriell als Zusätze oder als Füll- und Bindestoffe zum Einsatz.
  2. Was ist sekundäres Mikroplastik? Dies entsteht durch den Zerfall größerer Kunststoffprodukte, wie etwa Plastiktüten oder -flaschen, die in der Umwelt gelandet sind. Am Ende macht es keinen Unterschied, ob primäres oder sekundäres Mikroplastik in Flüsse, Seen oder in das Meer gerät. Es ist erwiesen, dass beispielsweise Fische, Krebstiere, Vögel und Insekten Mikroplastik aufnehmen. Welche Auswirkungen das für die Organismen und später in der Nahrungskette für den Menschen hat, ist noch weitestgehend unerforscht.
  3. Was sind die gängigen Kunststoffe in Körperpflegeprodukten? Auf den Packungen ausgewiesen sind folgende Begriffe: Acrylate Copolymer (AC), Acrylate Crosspolymer (ACS), Dimethiconol, Methicone, Polyamide (PA, Nylon), Polyacrylate (PA), Polymethyl methacrylate (PMMA), Polyquaternium (PQ), Polyethylene (PE), Polyethylene glycol (PEG), Polyethylene terephthalate (PET), Polypropylene (PP), Polypropylene glycol (PPG), Polystyrene (PS), Polyurethane (PUR), Siloxane, Silsesquioxane.
  4. Wie handhaben andere Länder das Problem? Nach den USA, Kanada und Neuseeland hat Großbritannien in Europa den Anfang gemacht und im Januar den Herstellern von Kosmetikprodukten verboten, Mikroplastik zuzusetzen. In Schweden dürfen vom 1. Juli an Kosmetikprodukte, die Mikroplastik enthalten, nicht mehr verkauft werden. (mom) 

So vermeiden Sie Mikroplastik im Bad

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, auf Kunststoff in Kosmetikartikeln zu verzichten, auch wenn für die Plastikverpackungen bisher nur wenige Alternativen zur Verfügung stehen. Das können Sie tun:

  • Informieren Sie sich
    Die Umweltschutzorganisation BUND hat einen Einkaufsratgeber herausgegeben, der die Produkte auflistet, die Mikroplastik enthalten. Die Liste gibt es auf der Homepage unter www.bund.net als PDF zum Herunterladen. Es gibt auch eine App für das Smartphone. Name: CodeCheck. Sie ist kostenlos und läuft auf iPhones und Android-Geräten. Mit der Anwendung können Sie schon im Supermarkt oder in der Drogerie die Produkte in Sekundenschnelle abscannen und sehen sofort, ob darin Mikroplastik enthalten ist. Die App zeigt auch an, ob andere bedenkliche Inhaltsstoffe oder Palmöl verwendet werden. Informationen unter www.codecheck-app.com.
  • Verwenden Sie Naturkosmetik
    Es gibt auch in den gängigen Drogeriemärkten jede Menge Naturkosmetik, die erschwinglich ist. Greenpeace hat diverse deutsche Hersteller getestet. Man kam zu dem Ergebnis, dass Produkte von Börlind, Lavera, Logocos, Primavera, Santaverde, Speick und Weleda garantiert mikroplastikfrei sind. Der gesamte Hersteller-Check kann auf der Internetseite www.greenpeace.de als PDF-Dokument heruntergeladen werden.
  • Vermeiden Sie Plastikverpackungen
    Es gibt Produkte, die in Glas verpackt sind, statt in Kunststofftiegeln, -flaschen oder -tuben. Zwar gibt es nicht viele, aber es lohnt sich sicher, genauer hinzuschauen. Die Firma Lavanda etwa bietet Shampoo & Co. in Glasflaschen an, auch die baden-württembergischen Naturkosmetikfirmen Weleda und Börlind verkaufen einen Teil der Produkte in Glasflaschen. Es gibt sogar Zahnbürsten aus Holz oder Bambus.
  • Unverpackt-Läden
    In den Unverpackt-Läden in der Region – es gibt sie bisher nur in Konstanz, Markdorf, Ravensburg und Freiburg – gibt es auch Kosmetikprodukte, die man selbst in ein mitgebrachtes Behältnis abfüllen kann.
  • Selbermachen
    Im Internet gibt es zahlreiche Rezepte zum Selber-Anrühren von Cremes, Deos, Duschgels oder Shampoos. Man muss sich die Grundsubstanzen besorgen. Wer Zeit und Lust dazu hat, sollte es ausprobieren.