Elon Musk, das Gehirn und der Geldgeber hinter dem Elektroauto-Konzern Tesla, ist kein Mann großer Zweifel. Das beweist auch das computergenerierte Bild, das er kürzlich über Twitter verschickte. Es zeigt mehrere der von Musk geplanten „Big Falcon“-Weltraumfähren in Parkposition auf der Mars-Basis „Alpha“, neben Wohnbereichen unter halbmondförmigen beleuchteten Kuppeln und sogar einem Gewächshaus.

Leben auf dem Mars? Für Musk ist dies keine allzu ferne Vision. Schon 2028 könnte die Basis errichtet werden, glaubt er in seinem grenzenlos scheinenden Enthusiasmus.

Musks Pläne überschlagen sich

Langsam, langsam, möchte man da rufen. Denn zunächst will der Tesla- und „SpaceX“-Chef ja möglichst schon 2023 den 42-jährigen japanischen Milliardär Yusaku Maezawa in Richtung Mond schießen. Maezawa soll der erste zahlende Privatmann beim Jungfernflug von „SpaceX“ und der geplanten Mondumkreisung sein. Doch auch andere machen keinen Hehl daraus, wie sehr sie der Weltraum weiter fasziniert – und dass sie gerne mitfliegen würden.

Wie Scott Kelly, der eigentlich längst die Nase voll vom All haben sollte. Schließlich war er 520 Tage seines Lebens im Weltraum, zuletzt elf Monate ohne Unterbrechung an Bord der ISS. Offiziell gilt er als pensioniert, und gerade ist sein Buch „Endurance. Mein Jahr im Weltall“ erschienen.

Stillsitzen kann er nicht. „Yusaku Maezawa, das wird ein großes Abenteuer!“, schrieb Kelly auf Twitter. Und: „Wenn du jemanden mit ein klein wenig Erfahrung brauchst, der dich begleitet, in meinem Terminkalender für 2023 ist noch Platz.“

Warnung vor übertriebener Euphorie

Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Mondlandung von Apollo 11 – von Hollywood mit dem in den USA anlaufenden Kinofilm „First Man“ mit Ryan Gosling als Darsteller von Astronaut Neil Armstrong frisch thematisiert – scheint die Anziehungskraft des Alls so stark wie selten zuvor. Warum dies so ist? Langzeit-Astronaut Kelly gab dazu kürzlich eine von vielen Antworten.

„Bemannte Weltraumflüge beschleunigen unsere technologischen Entwicklungen. Wir würden heute in einer ganz anderen Welt leben, hätten wir nicht die Flüge ins All gehabt.“ Und: Im All zu sein, gebe jenen, die es tun, eine ganz neue Perspektive in Bezug auf die Erde, „eine wunderschöne Oase in unserem Solarsystem“.

Die von Elon Musk so super-optimistisch geplanten Mars-Flüge hält Weltraumveteran Kelly für möglich, obwohl er vor übertriebener Euphorie warnt – zumal der Mars ja im Gegensatz zur Erde keine Atmosphäre, Sauerstoff und Formen des bei uns bekannten Lebens aufweise.

Trumps Motto: „Mars wartet“

Doch das scheint Musk ebenso egal zu sein wie auch US-Präsident Donald Trump. Denn im Gegensatz zu Barack Obama hat Trump hochfliegende Pläne, die vor allem – wie damals bei der Apollo 11-Mission im Wettlauf mit der Sowjetunion – auf Prestigegewinn abzielen.

Der Mond soll wieder in den Mittelpunkt von Nasa-Plänen rücken. Und das Weiße Haus spielt auch mit der Idee, durch eine bemannte Mars-Mission den Planeten für die USA prestigeträchtig in Besitz zu nehmen. Für die Wiederwahl-Kampagne Trumps für das Jahr 2020 soll es deshalb bald schon Aufkleber und Annähmedaillons mit dem Aufdruck „Mars wartet“ geben.

Auch militärisch hat das Weltall für Trump, der auf dem Nachttisch oft Bücher über Ronald Reagan liegen hat, große Bedeutung. Im Juni ordnete er an, das Pentagon solle eine „Space Force“ – also Weltraum-Streitkräfte – als Bestandteil des US-Militärs schaffen.

„Space Force“ gegen China

Der Hintergedanke des US-Präsidenten scheint dabei in erster Linie das Prinzip Abschreckung zu sein. So wie einst Reagan mit seinen ehrgeizigen, aber nie realisierten „Star Wars“-Plänen der damaligen Sowjetunion klar machen wollte, dass die USA sich auf diese Art und Weise gegen Raketen aus Moskau mit nuklearen Sprengsätzen schützen würden, so richtet sich Trumps „Space Force“-Idee nach Ansicht von Experten vor allem gegen Chinas militärische Ambitionen, aber laut einem internen Memo auch gegen Russland. Beiden möchte das Weiße Haus mit einer auf „Tödlichkeit konzentrierten Organisation“ begegnen, die im All über überragende Fähigkeiten verfügen soll.

Für Poesie, wie sie Scott Kelly gelegentlich als Fazit seiner Abenteuer im All benutzt, gibt es beim US-Präsidenten keinen Platz. Stattdessen bestimmt die Debatte über die Kosten – in den ersten fünf Jahren sollen die Weltraum-Streitkräfte knapp 13 Milliarden US-Dollar kosten – das Thema, und Trumps Idee ist nicht der allergrößte Hit im sparbewussten Kongress.

Die Gesetzgebung wird für 2019 erwartet, und bis dahin könnten sich aufgrund der Kongresswahlen am 6. November die Machtverhältnisse zu Lasten Trumps verändert haben. So könnte die „Space Force“ am Ende nur als Traum eines Präsidenten in die Geschichtsbücher eingehen, so wie einst die von Reagan. Aber das Weltall bot ja schon immer ausreichend Platz für Visionen.

Aktuelle Projekte für bemannte Raumfahrt

Es gibt derzeit viele Projekte, deren Ziel es ist, Menschen in den Weltraum zu bringen. Ein Überblick:

  • Nasa 2023 zum Mond, 2032 zum Mars? Die Nasa will mit der mit europäischer Hilfe entwickelten Rakete Orion hoch hinaus. Nach derzeitigem Stand sollen 2023 das erste Mal seit Apollo 17 im Jahr 1972 wieder Menschen zum Mond geschickt werden – allerdings nur in eine Umlaufbahn, nicht auf die Oberfläche. In einer Umlaufbahn des Mondes soll eine Raumstation aufgebaut werden. 2032 oder 2033 könnte von dort aus die große Reise beginnen: Der erste Weg der Menschen zum Mars.
  • Musk hat’s eiliger: Schon 2028 will Tesla-Gründer und Weltraumenthusiast Elon Musk eine menschliche Basis auf dem Mars eröffnen – erst bemannte Flüge zum roten Planeten müsste es dafür schon vorher geben. Zuvor soll es ab 2023 zum Mond gehen, zumindest in seine Umlaufbahn. Musk setzt auf die Big Falcon Rocket, die von seiner Firma SpaceX entwickelt wird.
  • Vage Pläne: China, Russland, Japan: Pläne zur Rückkehr des Menschen auf den Mond schmieden auch andere Länder. Von den Projekten in China, Japan und Russland sind zumindest Teile bekannt. Vor 2025, eher 2030, scheint aber keine bemannte Mondlandung dieser Länder möglich.
  • Tourismus mit Bezos und Branson: Um bemannte Weltraumflüge auf touristischer Basis liefern sich Amazon-Gründer Jeff Bezos und Virgin-Gründer Richard Branson einen Wettlauf. Derzeit scheint Branson im Wettlauf der Milliardäre die Nase vorn zu haben. „Innerhalb von Wochen, nicht Monaten“ werde der erste Flug ins All starten, sagte Branson Anfang des Monats. (dod)