Es ist Valentinstag – der Tag der Liebe. Männer schenken Frauen Blumen, Frauen schenken Männern ihre verführerischsten Blicke. Aber nicht in der Welt der Menschen bekommt die Liebe besonders viel Aufmerksamkeit. Amor ist auch im Reich der Tiere zurzeit sehr aktiv. Auf dem Acker boxen sich die Feldhasen fürs Rammeln warm, im Wald singen die Füchse ihrer Angebeteten heisere Liebeslieder, und die scheuen Rebhühner praktizieren ein perfektes tierisches Speed-Dating. „In der Natur wird jetzt die Generation 2018 gezeugt“, sagt Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung.

Wildtiere brauchen für intime Spiele keine kuschelige Wärme. Die Feldhasen bereiten sich schon seit Januar auf dem Acker auf ihre Hasen-Hochzeiten vor, sagt Goris. „Wer genau hinschaut, kann die ersten hitzigen Boxkämpfe beobachten.“ Doch es sind nicht die Männchen, die im Zweikampf ihre Vorderläufe gegeneinander hämmern. „Die Häsin testet im Boxring, wie stark und widerstandsfähig der Partner in spe ist“, erklärt Goris. Besteht er die Box-Prüfung, darf er rammeln. Wenn nicht, sucht sie sich einen anderen Sparringspartner. Da die Häsin sich innerhalb kürzester Zeit mehrmals paart, kann ihr Nachwuchs unterschiedliche Väter haben.

Die Männchen der Feldhasen boxen um ihre Herzens-Häsin. <em>Bilder: dpa</em>
Die Männchen der Feldhasen boxen um ihre Herzens-Häsin. Bilder: dpa | Bild: Patrick Pleul

Bei den Wildschweinen geht es bereits seit Dezember um die Fortpflanzung. „Bachen und Keiler sind zwar das ganze Jahr über paarungsbereit, doch jetzt werden die Frischlinge gezeugt“, sagt Goris. Über einen Mangel an Interesse können sich die Bachen nicht beklagen: Sie werden gleich mehrfach vom stärksten Keiler des Reviers beglückt. Dabei imponiert der Keiler den Damen mit schaumigem Speichel, der betörende Duftstoffe enthält. „Ganz „Mann“ markiert er das Revier zusätzlich mit Urin: Wildschwein-Urin ist „Männer-Parfüm für die Bachen“, sagt Tier-Expertin Goris.

Auch die Europäische Wildkatze ist in diesen Tagen wieder „schwer verliebt“, berichtet Goris. Wenn die scheuen Tiere nachts ihre Hochzeit feiern, locken die Kater mit langgezogenem, gutturalem Miauen die Weibchen. „Der Liebesruf während der Ranzzeit ist nicht zu überhören“, weiß Goris. Die Wildkatze ist übrigens keine verwilderte Hauskatze, sondern im Gegensatz zu ihren domestizierten Verwandten selten und bedroht. Sie lebe in naturnahen Wäldern und gebe Wissenschaftlern immer noch Rätsel auf, sagt Goris: „Doch eins weiß man sicher: Jetzt im Februar sind Wildkatzen schwer verliebt. Es ist Ranzzeit und der Duft von Baldrian ist für sie unwiderstehlich.“ Nach der Paarung gehen sie sofort wieder getrennte Wege.

Wildkatzen stoßen einen lauten Liebesruf in der Ranzzeit aus, um Weibchen anzulocken.
Wildkatzen stoßen einen lauten Liebesruf in der Ranzzeit aus, um Weibchen anzulocken. | Bild: Ronald Wittek

Der Ruf der Liebe

Auch das Liebeslied der Füchse ist jetzt häufig im Wald zu hören, weiß Biologe Andreas Kinser von der Wildtier-Stiftung. „Mit seinem ‚kauw, kaw, kaw’ erinnert es an das heisere Bellen eines Hundes.“ Meist werben mehrere Fuchsrüden gleichzeitig um eine Fähe. „Mit seinem Fuchs-Parfüm – einem für menschliche Nasen unangenehm riechenden Ammoniak-Geruch – bringt er die Hormone in Wallung.“ Frau Fuchs ist in der Ranz – der Fortpflanzungszeit – nur drei Tage paarungsbereit. „Da müssen sich die Rüden bei der Werbung schon auf die Hinterbeine stellen“, sagt Kinser.

Partnersuche mit Leidenschaft, aber immer in Zeitnot, gibt es bei den Rebhühnern. „Sie haben in gewisser Weise das tierische Speed Dating perfekt drauf“, sagt Goris. Um ihren Traumpartner zu finden, verlassen die Rebhühner in den frühen Morgen- und Abendstunden für nur sehr kurze Zeit ihre Deckung – dann fühlen sie sich vor Feinden wie den Greifvögeln sicher. Gefallen sich zwei Rebhühner, reiben die beiden ihre Schnäbel aneinander und berühren mit dem Kopf die Flanken ihres Balzpartners. Noch bis Ende März seien die seltenen Feldvögel „im Liebestaumel“.

Wenn sich Rebhühner gefallen, reiben sie ihre Schnäbel aneinander.
Wenn sich Rebhühner gefallen, reiben sie ihre Schnäbel aneinander. | Bild: Stefan Sauer

Die Paarungszeit der Wölfe dauert von Ende Januar bis in den März hinein. „Dann beginnen die Weibchen einen intensiven Lockduft abzusondern“, sagt Kinser. „Der Rüde hält sich mehrere Tage und Nächte lang in der Nähe seiner Angebeteten auf.“ Für die Paarung ziehen sich die zwei vom Rudel zurück. Allerdings ist die Wölfin nur eine Woche empfängnisbereit. Das Wolf-Paar bleibt in der Regel ein Leben lang zusammen.

Wölfe sind treue Tiere. Sie bleiben ein Leben lang mit ihren Partnern zusammen.
Wölfe sind treue Tiere. Sie bleiben ein Leben lang mit ihren Partnern zusammen.

Auch Herr Biber ist kein Mann für eine Nacht, sondern sucht eine Partnerin fürs Leben. „Die Hauptpaarungszeit der Biber beginnt ebenfalls im Januar.“ Das Paarungsritual findet schwimmend in seichtem Wasser statt – das kalte Wasser schreckt da nicht. „So eine Biber-Ehe kann bis zu 20 Jahre halten“, sagt Goris. Erst wenn einer der beiden stirbt, sucht sich der verwitwete Biber einen neuen Lebenspartner.

Wenn sich Biber paaren, tun sie das im kalten Wasser und unter der Oberfläche.
Wenn sich Biber paaren, tun sie das im kalten Wasser und unter der Oberfläche. | Bild: Felix Heyder

Auch bei Iltis und Wiesel, Fischotter und Eichhörnchen oder dem Marderhund – einem pelzigen Allesfresser, der aus Ostasien eingewandert ist – beginnt die Paarungszeit jetzt im Winter, weiß Kinser. Hoch am Himmel herrscht jedoch noch relative Stille. „Vögel kommen erst dann in Stimmung, wenn es wieder heller wird.“ Nur Steinadler und Seeadler schwingen sich schon jetzt zur Balz in die Lüfte, um eine Partnerin fürs Leben zu finden.

Der Steinadler hält Ausschau nach einem Weibchen zur Aufzucht seiner Jungen.
Der Steinadler hält Ausschau nach einem Weibchen zur Aufzucht seiner Jungen. | Bild: Christian Hager

Schon gewusst?

Untreue ist auch im Tierreich nicht sonderlich beliebt. Besonders nicht unter den Roten Pandas – auch Bärenkatze oder Goldhund genannt. Die rotbraunen im östlichen Himalaja und im Südwesten Chinas lebenden Tiere haben deshalb einen Mechanismus entwickelt, um fremdgehen zu unterbinden. Mit einem „Sperm Plug“ oder „Vaginal Plug“ (einem Pfropfen ) schließen die Tiere nach der Befruchtung ihre Geschlechtsteile. Auch manche Insekten, Eidechsen, Schlangen, Spinnen und Hummeln nutzen diese Technik. (kst)