Es ist erlebbare Luftschiff-Geschichte, die den Besucher im Friedrichshafener Zeppelin-Museum erwartet. Sie beginnt mit einem Fallreep aus Aluminium, führt in das Service-Deck von LZ 129, wo spartanisch ausgestattete Passagierkabinen mit Doppelstock-Betten liegen, und endet im Gesellschaftsraum. Dort verströmen Alu-Möbel im Bauhaus-Design nicht nur Eleganz, sondern auch Leichtigkeit. Denn in einem Luftschiff kommt es auf jedes Kilo an. Was hier gespart wird, kann woanders als Zuladung aufgestockt werden.

Das alles war penibel berechnet und ausgewogen, als das originale Vorbild des Museums-Nachbaus, das Luftschiff LZ 129 „Hindenburg“, vor 80 Jahren, am 4. März 1936, in Friedrichshafen zur ersten Probefahrt abhob. Sie startete um 15.19 Uhr, verlief über dem Bodensee und endete nach mehr als drei Stunden um 18.25 Uhr. Voller Begeisterung berichtete die „Deutsche Bodensee-Zeitung“ einen Tag später von dem Ereignis des Starts: „Im Nu eilten Tausende zum Werksgelände, um Zeugen dieses großen Ereignisses zu sein.“

Der prominente Luftschiff-Pionier Hugo Eckener sagte in einer Ansprache, man erhoffe sich von LZ 129 „eine erhebliche Weiterentwicklung der gesamten Luftschifffahrt“. Der Optimismus war begründet. LZ 129 war größer und luxuriöser als sein Vorgänger LZ 127 „Graf Zeppelin“. Er stieß das Tor zu einer ganz neuen Generation von Groß-Luftschiffen auf, von denen LZ 130 „Graf Zeppelin II“ noch gebaut wurde, bevor der Zweite Weltkrieg alle hochfliegenden Pläne zunichte machte.

Doch davon ahnt niemand etwas, als die Probefahrt-Passagiere den LZ 129 betreten. 55 Besatzungsmitglieder gehen an Bord, dazu 30 Fahrgäste, wie Barbara Waibel vom Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH sagt. „Darunter sind etliche Ingenieure und Werftpersonal.“ Auch der Luftschiff-Konstrukteur und technische Direktor Ludwig Dürr ist mit dabei. „Er wollte sehen, wie sich sein neustes Schiff verhält.“ Das sollte auf einer Strecke von etwa 180 Kilometern herausgefunden werden. „Das war ein Testflug, dabei haben sie alles Mögliche ausprobiert“, sagt Waibel. Bei diesigem Wetter wurden Ruder und Manövrierfähigkeit geprüft, die Geschwindigkeit und das Echolot aus 700 Metern getestet. Vor allem die Laufruhe der vier 1100-PS-Daimler-Benz-Triebwerke fiel auf. Die Zeitung berichtet von der „beinahe vollkommenen Geräuschlosigkeit der Motoren“.

Es gibt nur wenige Bilder von dem Probeflug. „Die erkennt man daran, dass eine richtige Staubwolke weggeweht ist, als das Luftschiff losgefahren ist“, sagt Waibel. „Das war der Hallenstaub, weil das Schiff so eine lange Bauzeit hatte.“ Die Planungen für LZ 129 hätten bereits ab 1930 begonnen.

Vom prestigeträchtigen Luftschiff zur Explosionskatastrophe

Der Zeppelin LZ 129 war eines der prestigeträchtigsten Luftschiffe, das die deutsche Industrie hervorbrachte. Und es ist nach Angaben Waibels bis heute das größte Luftfahrzeug, das jemals gebaut wurde und geflogen ist. Benannt wurde es nach dem ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, der vier Jahre zuvor Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte und 1934 gestorben war. Bis zur Explosionskatastrophe von Lakehurst 1937 legte der LZ 129 auf 63 Fahrten 337 129 Kilometer zurück. Zahlende Passagiere: 3059. Beförderte Personen: 7305. Der Zeppelin transportierte insgesamt 9,76 Tonnen Fracht und 8,87 Tonnen Post. Briefkuverts mit dem Stempel der Deutschen Zeppelin-Reederei (DRZ) sind heute begehrte Raritäten und pro Stück mehrere Hundert Euro wert. Acht Mal fuhr die LZ 129 nach Südamerika und zurück, elfmal nach Nordamerika.

Doch bereits am 6. Mai 1937 findet die „Hindenburg“ ein Ende – und mit ihr die Ära der Zeppeline. Das Luftschiff kommt am Abend in Lakehurst bei New York an. Die erste Fahrt der Saison war ganz normal verlaufen – doch plötzlich schossen Flammen aus dem Heck. Innerhalb von Sekunden verbrannte das gewaltige Luftschiff, nachdem sich seine Wasserstoffladung entzündet hat. 36 Menschen sterben: 13 Passagiere, 22 Crewmitglieder und ein Angehöriger der Bodenmannschaft. Es bleibt nur ein rauchendes Gerippe zurück.

Es wird mehr als 60 Jahre dauern, bis wieder ein Luftschiff über dem Bodensee aufsteigt. Am 18. September 1997 startet der Zeppelin NT (Neuer Technologie) zu einem 45 Minuten dauernden Jungfernflug über Friedrichshafen. „Die damalige Ära der Luftschiffe war eine unglaubliche technische Errungenschaft“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Zeppelin-Reederei, Thomas Brandt. „Wir sind stolz darauf, heute, 80 Jahre später, regelmäßigen Passagierflugbetrieb als einmaliges Erlebnis anbieten zu können.“

Von seinen Großvätern ist der neue Zeppelin NT allerdings weit entfernt. Das Volumen umfasst gut 8000 Kubikmeter – statt 200 000 wie bei der „Hindenburg“. Auch der Inhalt ist ein anderer: Statt Wasserstoff wird nicht brennbares Helium verwendet. Übrigens sind die wenigsten Luftschiffe, die heutzutage unterwegs sind, wirklich Zeppeline: Der Name ist markenrechtlich geschützt für die Zeppelin Luftschifftechnik am Bodensee.

Zeppelin-Pioniere

Hugo Eckener
Hugo Eckener

Hugo Eckener (1868–1954) stammt aus Flensburg und war Journalist, als er 1890 Ferdinand Graf Zeppelin kennenlernte. 1906 wurde er dessen Mitarbeiter und trug maßgeblich zur Entwicklung des Luftschiffs bei. Als LZ-Kapitän machte er mehr als 2000 Fahrten. 1924 gelang ihm die erste Atlantiküberquerung mit LZ 126. Bei der Gründung des SÜDKURIER 1945 trat Eckener als Mitherausgeber auf.

Bild 2: Ein Riese macht sich aus dem Staub

Ernst August Lehmann (1886-1937) stammt aus Ludwigshafen (Rhein) und führte im Ersten Weltkrieg als Marineoffizier mehrere Luftschiffe bei Angriffsfahrten. 1918 trat er in die von Eckener geführte Luftschiffbau Zeppelin AG ein und machte viele Fahrten auf LZ 127. Als Beobachter der Geschäftsführung war Lehmann dabei, als LZ 129 am 6. Mai 1937 in Lakehurst verbrannte. Er erlag tags darauf seinen Verletzungen.