Mal scheint die Sonne, mal regnet es. Der Sommer 2017 ist ziemlich durchwachsen. Ein Eis kann aber fast jeden in eine sommerliche Stimmung versetzen. Nicht umsonst wirbt Langnese, einer der größten Eishersteller, mit dem Spruch: So schmeckt der Sommer. Eis ist pure Erinnerung an unsere Kindheit. Das bestätigt auch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emind. Laut dieser Umfrage schwelgt jeder zehnte Deutsche beim Eisessen in Kindheitserinnerungen. Fruchtiges Zitroneneis lässt uns eintauchen in heiße Sommertage im Freibad. Spaghettieis erinnert uns an Ausflüge in unser Lieblingseiscafé. Kaum schmecken wir Schokoladeneis, denken wir an das eisverschmierte Gesicht unseres besten Sandkastenfreundes.

Das Glücksgefühl, welches Eis bei uns auslöst, ist sogar wissenschaftlich belegt. Forscher des Psychiatrischen Instituts in London haben herausgefunden, dass bereits ein Löffel Eis die Lustzentren im Gehirn einschaltet. Dabei handelt es sich um die gleiche Region im Gehirn, die aktiviert wird, wenn wir unsere Lieblingsmusik hören.
 

Eine junge Frau genießt die Eissorte "Zitrone mit Basilikum", die zur Dekoration mit Basilikumblättern verziert ist.
Eine junge Frau genießt die Eissorte "Zitrone mit Basilikum", die zur Dekoration mit Basilikumblättern verziert ist. | Bild: Frank Rumpenhorst (dpa)

Wie haben die Forscher das herausgefunden? Ganz einfach: Sie ließen Probanden Vanilleeis essen und durchleuchteten dabei deren Gehirn. Das Ergebnis: Das Lustzentrum der Probanden leuchtete hell auf. In Auftrag gegeben wurde die Studie von dem niederländisch-britischen Unternehmen Unilever, einem der größten Hersteller von Verbrauchsgütern. Zu Unilever gehört auch Langnese. Daher überrascht auch nicht die Aussage von Unilever-Sprecher Don Darling: „Das ist das erste Mal, dass wir wissenschaftlich belegen können, dass Eis glücklich macht.“

Eis macht schlau

Glücklich ist die eine Sache, gesund die andere. Aber auch da gibt es gute Nachrichten für Eisliebhaber. Eis soll uns schlau machen. Laut einem japanischen Professor namens Yoshihiki Koga von der Kyorin Universität in Tokio erhöht ein Eis zum Frühstück sowohl die Aufmerksamkeit als auch die geistige Leistungsfähigkeit.

Auch bei dieser Studie mussten Probanden im Namen der Wissenschaft Eis essen. Jeden Morgen bekamen diese die kalte Leckerei zum Frühstück. Eine Kontrollgrupe ging leer aus. Anschließend folgte eine Reihe von Tests. Darin mussten die Eis-Frühstücker und die Kontrollgruppe Aufgaben lösen. Das Ergebnis: Die Schleckermäuler lösten die Aufgaben besser und schneller.
 

Ein Eisverkäufer formt in einer Eisdiele eine Kugel Eis.Nicht nur Kinder freuen sich über leckere Eiskugeln, von denen es immer mehr Sorten gibt.
Ein Eisverkäufer formt in einer Eisdiele eine Kugel Eis.Nicht nur Kinder freuen sich über leckere Eiskugeln, von denen es immer mehr Sorten gibt. | Bild: David-Wolfgang Ebener/dpa

Doch woran liegt das? Aktiviert etwa die kalte Temperatur das Gehirn? Das hat auch Professor Koga vermutet, weshalb er kurzerhand das Experiment mit kaltem Wasser wiederholte. Doch die Ergebnisse der Probanden waren bei Weitem nicht so gut wie mit Speiseeis. Die japanischen Wissenschaftler vermuten nun, dass die Kombination aus Zucker und Kälte für sogenannte Alphawellen sorgt. Diese sind im Gehirn für eine erhöhte Konzentrationsfähigkeit und eine schnellere Reaktionszeit verantwortlich.

Schneller schwanger werden

Einen anderen positiven Nebeneffekt von Eiskonsum haben Wissenschaftler der Universität Harvard in den USA herausgefunden. Eis soll angeblich ein Schwangerschaftsbeschleuniger sein. Das Forscherteam um Jorge Chavarro wertete in einer umfangreichen Untersuchung die Daten von mehr als 18 000 Frauen zwischen 24 und 42 Jahren aus, die innerhalb von acht Jahren versucht hatten, schwanger zu werden. Im Vordergrund stand dabei ihre Ernährung, aber auch andere Gewohnheiten wie Rauchen und Alkoholgenuss, die eine Empfängnis beeinflussen können. Das Ergebnis: Frauen, die fettreiche Milchprodukte zu sich nahmen, hatten eine bessere Chance, schwanger zu werden. Frauen, die fettreduziert aßen, hatten ein um 85 Prozent erhöhtes Risiko von Funktionsstörungen der Eierstöcke.

Eine eindeutige Antwort auf dieses Phänomen haben die Wissenschaftler nicht. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass fettreiche Milchprodukte mehr Östrogen enthalten und so die Fruchtbarkeit fördern. Für die erhöhten Schwangerschaftschancen könnte aber auch ein anderer Inhaltsstoff verantwortlich sein, der an den Fettgehalt gekoppelt ist. Die Forscher wollen das nun genauer untersuchen. Wohingegen sich die Wissenschaftler sicher sind: Eiscreme hat sich in der Studie positiv auf den Schwangerschaftswunsch ausgewirkt. Frauen, die sich mindestens zweimal pro Woche die kalte Köstlichkeit gönnten, hatten ein um 38 Prozent niedrigeres Risiko für Funktionsstörungen der Eierstöcke. Hemmungsloses Schlemmen können Frauen jetzt trotzdem nicht: Laut Chavarro sollten Frauen mit Kinderwunsch zwar Fett konsumieren, aber nicht übermäßig viele Kalorien zu sich nehmen.

Hirnfrost schlägt oft zu

Aber neben allen positiven Effekten hat Eis auch einen ganz eindeutigen Nachteil: Wer zu schnell schlingt, wird mit stechenden Kopfschmerzen bestraft. Aber woher kommt dieser Gehirnfrost? Lange hat die Welt der Wissenschaft an diesem Rätsel geforscht. Jetzt glaubtsie, eine Antwort gefunden zu haben. Beim Eisessen wird ein Kältereiz auf die Blutgefäße des Rachens und Gaumens übertragen. „Bei Kältekopfschmerzen fließt ungewöhnlich viel Blut ins Gehirn, das erhöht den Druck im Denkorgan“, erklärt Jorge Serrador von der Harvard Medical School. Es entsteht eine Art Krampf. Zu dem gleichen Ergebnis ist auch ein Forscherteam des Universitätsklinikums Halle an der Saale gekommen.
 

Immer mehr Eissorten erobern den Markt, wie hier Eiscreme in der Sorte Rote Beete im Berliner Café "Oak & Ice".
Immer mehr Eissorten erobern den Markt, wie hier Eiscreme in der Sorte Rote Beete im Berliner Café "Oak & Ice". | Bild: Britta Pedersen/dpa

Gefährlich ist dieser Hirnfrost aber nicht. „Menschen, die zu dieser Form des Kopfschmerzes neigen, sollten Eis nur auf der Zunge zergehen lassen, aber nicht mit dem Gaumen berühren“, erklärt Frank Bergmann, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte, in einem Interview. Schwerfallen sollte das eigentlich nicht. Dann bleibt mehr Zeit, um in Kindheitserinnerungen zu schwelgen.

 

Verrückte Eis-Trends

  • Eis-Burger: Im Becher oder in der Waffel? Im Brötchen. Unter anderem bringt das Eiscafé „Old Bridge“ in Stuttgart einen Trend nach Deutschland, der auf Sizilien Tradition hat. Eiscreme wird zwischen den Hälften eines Brioche-Brötchens verteilt und so zum Eis-Burger. Wer es knusprig mag, kann sich sein Eis andernorts auch zwischen Kekse pressen lassen.
  • Beton-Eis: Das Eiscafé „Flori & Palma“ in Stuttgart verkauft die Sorte „Asphalt und Beton“. Die sieht so aus wie sie heißt, schmeckt aber besser: Hinter der grauen Optik verbergen sich dunkle Vanille und natürlicher Farbstoff von Kohle, wie Eismacher Andrea Scopelliti erklärt. „Wir haben die Sorte im vergangenen Jahr wegen einer Baustelle vor unserer Tür spaßeshalber eingeführt“, sagt er. 
    Eine Eiswaffel mit einer Kugel Eis der Sorte "Beton & Asphalt" steht in Stuttgart (Baden-Württemberg) in einem Waffelhalter auf Betonblöcken an der Baustelle, die die Idee für die Eissorte lieferte. Das mit Speisekohle versetzte Vanilleeis wurde spaßeshalber wegen einer Baustelle vor der Stuttgarter Eisdiele «Flori & Palma» eingeführt, nun soll es dauerhaft zum Verkauf stehen.
    Eine Eiswaffel mit einer Kugel Eis der Sorte "Beton & Asphalt" steht in Stuttgart (Baden-Württemberg) in einem Waffelhalter auf Betonblöcken an der Baustelle, die die Idee für die Eissorte lieferte. Das mit Speisekohle versetzte Vanilleeis wurde spaßeshalber wegen einer Baustelle vor der Stuttgarter Eisdiele «Flori & Palma» eingeführt, nun soll es dauerhaft zum Verkauf stehen. | Bild: Lino Mirgeler (dpa)
  • Cold Stone: Auf dem heißen Stein Fleisch zu braten, ist schon lange Trend. Ein kalter Stein für die Zubereitung von Eis ist noch neu: In Hamburg öffnete mit dem „Schlecks“ nach Osnabrück die zweite Filiale, die Eis auf einem minus 16 Grad kalten Stein zubereitet. Dort werden die gewünschten Zutaten gemischt.
  • Stickstoff: Das Berliner Eiscafé „Whoop Whoop“ setzt auf ein anderes Konzept: Frische Zutaten mit minus 196 Grad kaltem Stickstoff mischen. Fertig! „Durch die Schockfrostung entstehen kleinstmögliche Wasserkristalle und somit ein sehr cremiger Schmelz“, erklären die Macher auf ihrer Internetseite. „Zusätzlich wird durch die kurze Produktionszeit wenig Luft mit ins Eis gemischt.“ So soll es laut ihren Erfindern besonders cremig werden. (dpa)