Jim Carrey nimmt die Dinge gewöhnlich von der leichten Seite, der amerikanische Comedian macht sich über alles lustig, was ihm vor die ausgeprägte Nase kommt. Doch wenn es um Facebook geht, dann hört bei Spaßvogel Carrey der Spaß auf.

So kündigte Carrey in der vergangenen Woche per Twitter humorlos die Löschung seines Facebook-Kontos mit fünf Millionen Followern an und bat seine Anhänger, es ihm gleichzutun. Zudem stieß der Hauptdarsteller von „Ace Ventura“ und „Dumm und Dümmer“ seine sämtlichen Facebook-Aktien ab. Als Grund nannte Carrey die Tatsache, dass Facebook enorm von der russischen Einmischung in die amerikanischen Wahlen im Jahr 2016 profitiert habe und nicht annährend genug dafür tue, dass sich so etwas niemals wiederholt: „Wir müssen als Investoren Druck auf soziale Medien ausüben, stärker einzugreifen.“

Carreyist nicht alleine in seiner Kritik an dem Internetgiganten. Auch der ehemalige Facebook-Manager Chamath Palihaptiya schlägt einen scharfen Ton gegenüber der Firma an, die er mit aufgebaut hat: „Wir haben Werkzeuge geschaffen“, so Palihaptiya, „die das Gewebe unserer Gesellschaft zerstören. Es gibt keinen zivilen Diskurs mehr, keine Kooperation, stattdessen nur noch Missinformation und Unwahrheiten“.

Carrey und Palihaptiya artikulieren eine Stimmung, die sich zunehmend unter Social-Media-Usern breitmacht. Spätestens seit bekannt wurde, welche Rolle Facebook bei den US-Wahlen gespielt hat und wie zögerlich die Firma sich dem Problem gestellt hat, wächst die Skepsis gegenüber Facebook. Der einst so hippe junge Technologie-Konzern bekommt zunehmend ein Image-Problem. „Die Liebesaffäre mit den Technologieriesen“, schreibt das Forbes Magazine, „ist vorbei.“

In reinen Zahlen drücken sich die Schwierigkeiten von Facebook bislang bestenfalls marginal aus. Zwar ist im vierten Quartal 2017 die Anzahl der täglichen Nutzer von Facebook zum ersten Mal in der Firmengeschichte leicht geschrumpft. Der Umsatz wird sich jedoch voraussichtlich im Jahr 2018 erneut verdoppeln, der Börsenkurs tendiert weiterhin solide nach oben. Dennoch mehren sich die Stimmen, die Facebook auf eine Krise zusteuern sehen. Die New York Post sagt Facebook ein „katastrophales Jahr“ voraus. Die Huffington Post kommentierte, dass das Geschäftsmodell des Netzwerks, der „Überwachungskapitalismus“, ausgedient habe. Facebook hat, wenn man den Diagnosen der Krisenpropheten glauben schenken mag, zunehmend ein Imageproblem. Wie die anderen Technologie-Riesen Google, Amazon und Apple werden sie nicht mehr als die coolen Neuankömmlinge mit der ganz anderen Firmenkultur betrachtet, sondern wie ganz normale Großkonzerne, die ruchlos ihre Profitinteressen verfolgen. Zudem wird Facebook spätestens seit der letzten US-Wahl und den mutmaßlichen russischen Interferenzen als gefährlich eingeschätzt.

Die Russland-Affäre hat alle möglichen Bedenken gegenüber Facebook an die Oberfläche gespült. Die skrupellose Vermarktung privater Daten gerät zunehmend in die Kritik. Ebenso das Medienökosystem, das Facebook geschaffen hat, in dem die Unterscheidung zwischen echter Information und Fake News fast unmöglich geworden ist.

Facebook hat längst das Problem erkannt und versucht, gegenzusteuern. So hat Mark Zuckerberg gerade einen Marktforscher eingestellt, dessen einzige Aufgabe es ist, die öffentliche Wahrnehmung von Mark Zuckerberg aufzuzeichnen und zu analysieren. Als Gesicht des Konzerns ist das Image Zuckerbergs für die Gesundheit des Unternehmens zentral. Wenn man das Bild Zuckerbergs steuern kann, dann kann man hoffentlich auch das angekratzte Image von Facebook wieder verbessern.

Netzwerk in Zahlen

Laut den aktuellsten Zahlen von Facebook haben 2018 etwa 2,1 Milliarden Nutzer ein Profil bei dem Netzwerk. Auch 2017 verkündete das Portal 2,1 Milliarden Nutzer. Einen messbaren Verlust bestätigt der IT-Riese damit noch nicht. Jeden Tag sind 1,4 Milliarden Menschen auf der Plattform aktiv. Im vierten Quartal 2017 hat das US-Unternehmen fast 13 Milliarden US-Dollar (etwa 10,5 Milliarden Euro) Umsatz gemacht. Im Vorjahr nahm es im vierten Quartal nur acht Milliarden Dollar (6,4 Milliarden Euro) ein. (kst)