Florian Beckmann lebt in einem digitalen Hochsicherheitstrakt. Der Hamburger hat nicht nur alle seine elektronischen Geräte miteinander vernetzt, sondern informiert auch wöchentlich fast 2000 Technik-Freaks auf seinem Kanal „nextSmartHome“ über die neuesten Spielereien. Den SÜDKURIER nimmt er mit hinter die Kulissen und stellt sein sicheres Zuhause vor.

Video: Florian Beckmann

Das Herzstück seiner Wohnung ist die Alarmanlage. Die sendet Beckmann automatisch eine Nachricht aufs Smartphone, falls sich jemand an seiner Tür zu schaffen macht. Zusätzlich blinkt seine Beleuchtung rot und ein lauter Ton informiert die Nachbarn.

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Auch seine Sicherheitskamera informiert den Youtuber, falls jemand in der Wohnung sein sollte, wenn er nicht Zuhause ist. Dann kann er über sein Smartphone Live-Videos anschauen. Falls tatsächlich gerade ein Verbrecher dabei ist, seine Wohnung zu plündern, verbindet Beckmann sich mit seinen Lautsprechern und weist den Eindringling darauf hin, dass er die Polizei gerufen hat.

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Die Technik erhöht den Komfort, spart Energie, steigert die Lebensqualität – und macht die eigenen vier Wände auch noch sicherer. Das behaupten die Hersteller. Doch Smart Home und Sicherheit, das passt aus Sicht vieler Experten nicht zusammen.

„Wer wirklich sicher sein will, sollte sich einen dicken Riegel für die Haustür anschaffen“

„Die smarten Sicherheitssysteme bieten Komfort, aber wer wirklich sicher sein will, sollte sich einen dicken Riegel für die Haustür anschaffen“, urteilt Beckmann selbst über sein System.

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„Jedes Gerät, das mit anderen Anwendungen vernetzt ist, ist ein Einfallstor für Hacker“, sagt Datenschutzbeauftragter Timo Hoffmann. Je mehr smarte Geräte im Haushalt den Alltag erleichtern, desto größer ist die Gefahr, dass sich Kriminelle ins Netzwerk einschleusen.

Wie Sie Ihr Smart Home richtig schützen

Das bestätigt auch Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Vor allem von günstiger Technik rät er ab. „Wenn es nichts kostet, ist der Kunde die Ware. Werden die Daten außerhalb der EU gespeichert und weiterverarbeitet, ist der Datenschutz wertlos“, sagt er.

Die Hälfte der Deutschen hat Angst vor Hackerangriffen

Dass viele Menschen genau davor Angst haben, bestätigen auch die Zahlen: 51 Prozent sorgen sich um ihre Privatsphäre, wenn sie diese Technik verwenden und 44 Prozent haben Angst davor Opfer von Hackern zu werden. Das ergibt eine repräsentative Umfrage des Splendid Instituts aus dem Jahr 2019.

Die Gefahr, dass Hacker übers Netzwerk ins Haus gelangen, anstatt die Tür mit einem Stemmeisen aufzubrechen, sei hoch, wenn die Daten irgendwo im Internet gespeichert werden, so Bastian Inthasane von der Hahn-Schickard-Gesellschaft in Villingen-Schwenningen. Denn: Viele dieser Geräte speichern Daten in einer riesigen Cloud am anderen Ende der Welt im Web. Dadurch könnten Hacker bei einem Angriff viele Daten auf einmal klauen und große Mengen an Dritte weitergegeben.

Bild: Florian Beckmann

Und sogar Haustüren mit smarter Sicherungsfunktion können von kriminellen Computerexperten geöffnet werden. „Es dauert zwar recht lang und es ist aufwendig – aber der Fingerabdruckscanner kann gehackt werden“, sagt Datenschutzexperte Hoffmann.

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Die Firma Siedle aus Furtwangen bietet Kameras für die Türklingel oder Fingerabdruckscanner als Schlüsselersatz an. Das Unternehmen setzt an der Haustür auf eigene Systemtechnik. Im Gegensatz dazu könnten Hacker ein offenes digitales System überlisten. „Ein solcher Fall ist mir in der Praxis aber nicht bekannt“, sagt Unternehmenssprecher Clemens Jesenitschnig. Auch der Türruf per App sei sicher, wenn die Daten gut verschlüsselt seien.

Trotzdem – die Gefahr bleibt. Und sie ist real. Denn die Täter von Morgen brechen nicht mehr durch Türen oder Fenster ein. Sie bahnen sich ihren Weg unsichtbar über das Netzwerk in unsere privaten Räume.