Die Warnung „Letzte Mahnung“ im Betreff und im Anhang eine zip-Datei: Wer eine E-Mail einer angeblichen Inkassofirma in seinem Postfach findet, sollte vorsichtig sein. Denn immer häufiger sind gefälschte Inkasso-Mails im Umlauf. Für den Empfänger ist es oft schwer nachzuvollziehen, ob die Zahlungsaufforderung gerechtfertigt ist. Sofort löschen oder ist da vielleicht doch was dran? Das fragen sich viele Empfänger.

Diese Verunsicherung machen sich kriminelle Abzocker zunutze: Mit Drohungen und Einschüchterungen wollen sie ihre Opfer zur Zahlung drängen – oder sie dazu bringen, auf einen Link zu klicken oder einen Dateianhang zu öffnen. Hinter dem lauert dann Schadsoftware. Wir erklären, woran man betrügerische Mails erkennen kann.

Wie gehen die Betrüger vor?

Abzocker fordern bevorzugt angeblich angefallene Kosten für Abonnements oder Gewinnspiele ein. Auch angeblich ausstehende GEZ-Gebühren werden mithilfe von gefälschten Mails gerne geltend gemacht. Dann wird gedroht: mit Hausbesuchen, Zwangsvollstreckung, Gerichtsvollziehern oder Pfändungen. Vor allem bei älteren Menschen kann das Eindruck machen und sie dazu bringen, Geld zu überweisen.

Doch allein die Palette an Drohungen weist schon darauf hin, dass es sich um einen Betrugsversuch handelt: „Seriöse Inkassobüros würden im ersten Schreiben keine derartigen Drohungen aussprechen“, erklärt Michaela Rassat, Juristin beim D.A.S.-Leistungsservice. „Zwangsvollstreckungen sind erst mit einem sogenannten vollstreckungsfähigen Titel möglich. Dies kann zum Beispiel ein Vollstreckungsbescheid nach einem gerichtlichen Mahnverfahren oder ein Gerichtsurteil sein.“

Ohne ein gerichtliches Verfahren, bei dem der angebliche Schuldner Gelegenheit zum Einspruch gegen die Forderung hat, gibt es also keinen Vollstreckungstitel. Wer nie Post von einem Gericht bekommen hat, gegen den gibt es keine Zwangsvollstreckung.

Was deutet auf betrügerische Mails hin?

Neben den Drohgebärden sind es vor allem Grammatik- und Rechtschreibfehler, die auf einen unseriösen Hintergrund verweisen, heißt es beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Denn viele Online-Betrüger sitzen im Ausland und nutzen Online-Übersetzungsprogramme, um eine deutsche Mail zu schreiben. Und das fällt auf. Gleiches gilt für Zeichensetzungsfehler und fehlende Umlaute.

Ebenfalls schnell als Fake zu erkennen sind E-Mails, die auf Englisch oder Französisch verfasst sind. Denn wer nicht gerade Kunde einer ausländischen Bank ist, kann sich sicher sein, dass ihn seine Bank nur auf Deutsch kontaktieren wird. Und auch ein fehlender Name in der Anrede zeigt, dass es sich um eine Fälschung handelt: Banken und andere Geschäftspartner wie etwa Online-Zahlungsdienste sprechen einen schließlich in E-Mails grundsätzlich mit Namen an und niemals mit „Sehr geehrter Kunde“ oder „Sehr geehrter Nutzer“. Auch ein Blick auf die Kontodaten kann aufschlussreich sein: Hat der Absender sein Konto im Ausland, sollten Empfänger misstrauisch werden. Hierzu genügt es, die Iban zu kontrollieren: Bei deutschen Konten beginnt sie mit DE.

Was tun, wenn so eine Mail kommt?

Grundsätzlich gilt erstmal, dass man niemals Links anklicken oder Anhänge öffnen sollte. Dahinter könnte sich Schadsoftware verstecken. „Wer die ‚zip‘- oder immer wieder auch ‚cab‘-Anhänge öffnet, der riskiert, dass sein Computer ausgespäht wird und die Daten an die Betrüger übermittelt werden“, warnt der Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Auf potenzielle Spam-Mails sollten die Empfänger zudem nicht antworten, denn auf diese Weise verifizieren sie die eigene Mailadresse. Das heißt, sie bestätigen dem Absender, dass ihre Mailadresse existiert und machen sich so zur Zielscheibe für weitere Betrugsversuche.

Zudem sollte man natürlich überlegen, ob die in der Mail geltend gemachte Forderung berechtigt sein könnte. „Betroffene sollten in einem ersten Schritt überlegen, ob sie in der Vergangenheit einen Vertrag eingegangen sind, bei dem sie die Rechnung nicht beglichen haben“, sagt Rechtsexpertin Rassat. Wer sich unsicher ist, kann seine Kontoauszüge mit den Online-Bestellungen der letzten Zeit abgleichen. In einem vertrauenswürdigen Schreiben muss das Inkassobüro den Auftraggeber sowie den Grund für die Forderung nennen und Angaben zur Höhe der Inkassokosten machen. Inkassobüros, die diese Angaben nicht machen, riskieren ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro.

Woran erkennt man seriöse Inkassofirmen?

Manchmal hilft schon eine kurze Internetrecherche nach dem Namen der Firma und den Begriffen „Erfahrungen“ oder „Betrug“, um unseriösen Absendern auf die Schliche zu kommen. Zudem können sich Betroffene unter www.rechtsdienstleistungsregister.de informieren, ob die betreffende Firma oder der Rechtsanwalt registriert ist und somit die Berechtigung besitzt, Zahlungen für andere einzutreiben.

„Aber auch hier gibt es schwarze Schafe: Viele Betrüger agieren unter dem Namen registrierter Inkassobüros“, warnt Juristin Rassat. Um das zu überprüfen, können Betroffene die im Rechtsdienstleistungsregister angegebene Nummer des Inkassobüros anrufen und dort nachfragen. Sobald sich herausstellt, dass es sich um eine Spam-Mail handelt: am besten sofort löschen.

Wie lässt sich Betrüger-Mails vorbeugen?

Wer keine betrügerischen Mails bekommt, muss sich auch nicht damit herumschlagen, sie zu erkennen. Und man kann selbst viel dafür tun, nicht ins Visier unseriöser Online-Gauner zu geraten. Eine Möglichkeit ist es, sich zwei E-Mail-Adressen zuzulegen: Eine Mailadresse wird nur auf Seiten genutzt, bei denen man nichts bestellen möchte, die andere dort, wo im Account Kreditkarten- oder Kontodaten hinterlegt sind.

Bei allen Mahn-Mails, die an erstere Adresse verschickt werden, weiß man dann automatisch, dass es sich um Spam handelt – und kann sie löschen, ohne einen weiteren Gedanken darauf verschwenden zu müssen. Experten mahnen außerdem grundsätzlich zur Datensparsamkeit auf Portalen wie Facebook oder Instagram – denn die Betrüger recherchieren im Netz nach personenbezogenen Informationen.