Endlich spielt dieses Lied mal wieder jemand im Radio: „Billie Jean“ von Michael Jackson. Das Autoradio wird laut aufgedreht. Der ganze Innenraum wird von der Stimme des King of Pop erfüllt. Voller Inbrunst singt man laut mit – es hört ja niemand. So macht Autofahren richtig Spaß – würde das Lied nicht plötzlich von einem immer lauter werdenden Rauschen gestört. Immer deutlicher zerreißt dieses Störgeräusch den Song. Und dann – ist er ganz weg.

Autofahrer kennen dieses Problem. Wer viel auf den deutschen Autobahnen unterwegs ist, hangelt sich oft von Radiosender zu Radiosender. Denn das UKW-Signal (Ultrakurzwellen), über das noch immer viele Radiosender senden, kann nur über einen bestimmten Radius gut ausgestrahlt und empfangen werden. Mit jedem gefahrenen Kilometer wird der Sender immer schwächer. Für dieses Problem gibt es nun eine Lösung. Es heißt: DAB+.

  • Für drei Empfangsarten
    DAB+ beherrscht auch das neue „DIR3115MS“ von Hama. Darüber hinaus kann es als Hybridmodell aber auch Informationen aus dem Internet verarbeiten. Die Wiedergabe erfolgt mit bis zu zweimal fünf Watt. Alle Informationen zeigt das Gerät auf einem rund sieben Zentimeter großen Bildschirm an. Dessen Helligkeit regelt ein eingebauter Sensor. Neben UKW, DAB+ und Internetradio ist auch die Wiedergabe von anderen Medien wie CD oder Smartphone möglich, sofern sie sich im Netzwerk befinden. Das Hama-Gerät gibt es seit wenigen Wochen wahlweise in Schwarz oder Weiß im Handel. Preis: 199 Euro. (owi)
  • Fürs Auto
    Das „X802D-U“ von Alpine ist ein Autoradio mit DAB+. Für die Darstellung der zusätzlich übermittelten Informationen steht ein Bildschirm mit einer 20-Zentimeter-Diagonalen zur Verfügung. 18 Speicherplätze für die digitalen Lieblingssender stehen zur Verfügung. Geht das digitale Signal verloren, erfolgt eine automatische Umschaltung auf UKW, sofern der Sender in diesem Bereich verfügbar ist. Neben dem Empfang von DAB+ beherrscht das „X802D-U“ auch Navigation. Das Kartenmaterial deckt 48 europäische Länder ab. Preis: 1200 Euro. (owi)
  • Für unterwegs
    Ein klassisches Kofferradio für unterwegs, die Küche, Grillpartys am See oder den Arbeitsplatz ist das „Techniradio 2“ von Technisat. Es misst kompakte 4,5 mal 17 mal 10 Zentimeter und wiegt knapp 300 Gramm. Die Stromversorgung erfolgt wahlweise per Batterie oder Strom. Für zehn Radiosender stehen Speicherplätze zur Verfügung. Auf einen großen Bildschirm müssen Käufer hier allerdings verzichten: Lediglich zwei Textzeilen kann das Gerät in seinem Display anzeigen. Die Wiedergabe muss nicht zwangsläufig auf dem internen Lautsprecher erfolgen, denn neben einem Kopfhörer lassen sich auch externe Lautsprecher anschließen. Preis: 40 Euro. (owi)
  • Für das Wohnzimmer
    Einzug gehalten hat die digitale Radio-Technik auch in Stereo-Anlagen, die zusätzlich zum Radio-Teil auch einen CD-Spieler besitzen. Ein aktuelles Modell ist die „BTB2515“ von Philips. Es verfügt über eine alphanumerische Anzeige. Eine Darstellung beispielsweise eines Musik-Covers ist hier also nicht vorgesehen. Dafür spielt die Philips-Anlage neben der Radio- und CD-Musik auch Dateien von einem externen Gerät ab. Dessen Anschluss kann per Bluetooth oder Kabel erfolgen. Die maximale Leistung liegt bei 15 Watt. Die Wiedergabe erfolgt auf zwei großen Zwei-Wege-Lautsprechern. Die Anlage misst rund 22 mal 24 mal 10 Zentimeter. Der Preis: 160 Euro. (owi)
  • Für Hi-Fi-Anlagen
    Meist stecken Internetradios in Gehäusen, die sich nicht in eine heimische Hi-Fi-Anlage integrieren lassen. Anders das „A570+“ von Noxon. Es verfügt über die Standardbreite von 43 Zentimetern. Der Bildschirm misst 8,2 Zentimetern in der Diagonalen. Neben 40 000 Internetradio-Stationen empfängt das Noxon-Modell auch DAB+ und UKW. Und schließlich lassen sich mittels Bluetooth auch Signale von einem Smartphone empfangen. Für die Wiedergabe sind ein externer Verstärker und Lautsprecher notwendig. Steuern lässt sich das Gerät per Fernbedienung oder kostenloser App. Der Preis: 240 Euro. (owi)
  • Zum Wachwerden
    Zahlreiche Radios, die den Empfang von DAB+ ermöglichen, sind als Radiowecker konzipiert. Das aktuelle „DAB CR 28“ von Dual gehört dazu. Der mit zwei Textzeilen ausgestattete Bildschirm zeigt somit neben Sender-Informationen auch Uhrzeit und Datum an. Die Helligkeit lässt sich einstellen. Die Programmierung von zwei Weckzeiten ist möglich. Die zwei eingebauten Lautsprecher ermöglichen Stereoklang. Über die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse lassen sich Geräte wie ein Smartphone anschließen. Jeweils zehn Senderspeicher stehen für DAB+ und UKW zur Verfügung. Der Preis: 60 Euro. (owi)

DAB steht für „Digital Audio Broadcasting“ (digitale Audio-Übertragung), also die digitale Verbreitung von Audiosignalen über Antenne (Terrestrik). Seit 2011 ist das in Deutschland Standard. DAB+ ist die Weiterentwicklung von DAB. Das „+“ steht für die moderne Übertragung in besserer Tonqualität, die zudem Platz lässt für weitere programmbegleitende Zusatzinformationen. Neben dem eigentlichen Programm erfolgt die Übermittlung von Nachrichten, Verkehrsmeldungen oder auch eines Musik-Covers.

Immer mehr Menschen in Deutschland kaufen sich ein DAB+-Gerät. In 15,1 Prozent der Haushalte steht mindestens eines dieser Radios. 2016 besaßen nur 12,5 Prozent der Deutschen eines. Für Vielfahrer besonders erfreulich: Jeder fünfte Neuwagen rollt mit DAB+-Radio vom Band. Und: Laut dem Digitalradio Büro Deutschland kann man auf 98,2 Prozent der Autobahnen die digitalen Sender empfangen. Hört man über ein DAB+-Radio, kann Michael Jackson seinen Song über Billie Jean zu Ende singen.

Im Vergleich zu Video-Signalen von Fernsehsendern sind die Audio-Signale der Radiostationen besonders gut für eine digitale Übertragung geeignet. Denn sie benötigen relativ wenig Datenkapazität und kommen dennoch in hervorragender Qualität beim Empfänger an. Aber nicht jedes Radio, das digitale Audio-Signale verarbeiten kann, ist automatisch ein DAB+-Radio. Was meist unter den Sammelbegriff Digitalradio verkauft wird, kann nicht unbedingt DAB+-Signale entschlüsseln.

Internetradios, die auch unter dem Begriff Digitalradio laufen, brauchen eine Internet-Verbindung (meist über WLAN). Dadurch können sie weltweit das Programm von Radiosendern wiedergeben. Ist aber die Internet-Verbindung gestört, spielt auch keine Musik. Das DAB+-Signal hingegen wird durch einen Sendemast ausgestrahlt, ist also unabhängig vom Internet. Im Katastrophenfall sind DAB+-Sender in der Lage weiter ihr Programm auszustrahlen.

 

Steht UKW vor dem Aus?

Nein, in Deutschland erst mal nicht. Ein Abschaltdatum für das UKW-System in Deutschland steht noch nicht fest, als frühester Termin ist 2025 im Gespräch. Aber einige Länder im europäischen Ausland sind schon weiter. Norwegen hat zum Beispiel 2017 das UKW-System abgeschaltet und ist komplett auf DAB+ umgestiegen. Es ist damit das erste Land in Europa, das diesen Schritt gewagt hat. Auch Südtirol hat damit begonnen UKW-Anlagen abzuschalten. Die Schweiz hat nun einige wichtige Entscheidungen gefällt, damit das UKW-Signal ab 2020 langsam abgeschaltet werden kann.

 

Aber einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Innerhalb eines Sendergebietes ist die Anzahl der empfangbaren Radiostationen aktuell noch beschränkt. Überwiegend sind es lokale und regionale Programme. Dennoch gibt es auch Sender, die bundesweit ihr Programm übertragen, wie das Deutschlandradio, ARD, SWR, NDR, HR und rbb. In Baden-Württemberg sind mehrere private Sender verfügbar: Radio Teddy, Rock Antenne, Regenbogen 2, Antenne 1, Schwarzwaldradio und Donau 3 FM.

Bis vor einigen Jahren gab es diese Empfangsgeräte allerdings noch gar nicht. Wer also auf diesem Weg in den Genuss von digitalem Radio kommen will, muss neu investieren.