Diese Seite ist zweidimensional. Das ist ein Problem. Denn die Faszination, die beim Betrachten von Aufnahmen mit den neuen 360-Grad-Kameras entsteht, lässt sich mit einem gedruckten Foto leider nicht vermitteln. Dabei gilt zweifellos: Wer einmal ein Foto oder ein Video betrachtet hat, das mit einer solchen Kamera aufgenommen wurde, der weiß um die fast ungeahnten Möglichkeiten dieser Technik. Denn der Betrachter ist nicht auf einen bestimmten Bildausschnitt festgelegt. 360-Grad-Kameras liefern eine Rundum-Sicht. Und in diese kann man dann vor allem mit Hilfe von Smartphones oder Tablets eintauchen.

Die wachsende Zahl der 360-Grad-Kameras kann Videos und Fotos in alle Richtungen aufnehmen. Das gilt nicht nur horizontal, sondern auch vertikal. Die Kamera sieht schlicht all das, was ein Betrachter auch sieht, wenn er nach unten oder oben, nach links oder rechts blickt. Sämtliche Informationen fließen in eine Aufnahme ein. Dabei kann es sich um ein Foto handeln oder eine Videoaufnahme.

Zum Betrachten sind grundsätzlich alle Geräte mit einem Bildschirm – vom PC bis zum Smartphone – geeignet. Besonders effektvoll ist das Betrachten aber auf einem Gerät, das aufgrund von Sensoren erkennt, in welche Richtung der Nutzer es hält. Denn dann passt sich der Sichtwinkel entsprechend an. Ein Heben zur linken Seite zeigt also das, was bei der Aufnahme links zu sehen war, ein Heben nach oben das, was oben zu sehen war, und so weiter. Probieren Sie es am Besten einmal mit einem Smartphone aus und geben Sie in „Youtube“ einmal „360 Grad Video“ ein. Sie finden eine reiche Auswahl vor, die beispielsweise einen Segelflug zeigt oder die Fahrt mit einer Achterbahn. Sie können aber auch mit einem Hai tauchen oder zum Wellenreiten gehen. Und wenn Sie nun das Smartphone schwenken, dann schwenkt der Bildausschnitt mit.

<p>Lifestyle-Bilder: Thomas Waelde / Panono</p>

Lifestyle-Bilder: Thomas Waelde / Panono

Besonders effektvoll ist das, wenn Sie sich von anderen Einflüssen von außen abschirmen. Dafür sind jene Brillen gedacht, die es als Zubehör für Smartphones gibt. Sie stecken letztlich nur das Smartphone vor Ihre Augen. Bewegen Sie nun Ihren Kopf und schon fühlen Sie sich mitten in der Szene. Einziger Unterschied zur Realität: Sie sehen mit beiden Augen nahezu die gleiche Bildinformation. Ein echter 3D-Effekt stellt sich somit nicht ein. Beim Betrachten auf einem feststehenden Monitor, beispielsweise am PC, ist der Bildausschnitt zunächst einmal festgelegt. Über kleine Steuerungstasten in der Ecke lässt der Ausschnitt zwar beliebig verändern. Der Effekt ist aber weit weniger faszinierend als bei einem Smartphone oder Tablet.

360-Grad-Fotos sind gut geeignet, um einen Rundum-Blick beispielsweise in einem Raum oder rund um ein Gebäude zu ermöglichen. Vielfache Anwendungen hierfür gibt es im touristischen Bereich. Wer als Vermieter nichts zu verbergen hat, zeigt also auf seiner Internetseite nicht nur den schönen Blick auf die Berge, sondern das gesamte Panorama, das den Urlaubsgast erwartet. Videos hingegen sind bestens geeignet, um den Betrachter komplett mit hinein in ein Erlebnis zu nehmen.

Das haben Super-8- und Hobby-Filmer seit Jahrzehnten versucht und haben dem Betrachter dabei stets gewollt oder ungewollt einen bestimmten Bildausschnitt vorgegeben. Diese Zeiten sind mit 360-Grad-Videos vorbei. Und genau das fordert den Kamera-Besitzer auf eine ganz neue Weise. Er ist nämlich nicht mehr für den klassischen Bildaufbau zuständig, bei dem der richtige Stand zur Sonne oder die „Komposition“ beispielsweise aus Gebäuden, Personen oder Pflanzen entscheidend war. Vielmehr gilt es, das Gesamtbild im Auge zu behalten. Gegenstände wie die eigene Fototasche oder Personen wie der Fotograf selbst rücken nun unter Umständen ungewollt mit ins Bild.

Neben der Kamera selbst gehören ein Stativ beziehungsweise Befestigungs-Elemente zur Ausstattung bei den Aufnahmen. Zum Betrachten ist, wie erwähnt, ein Smartphone samt Brille zu empfehlen. Darüber hinaus benötigen Sie lediglich eine 360-Grad-Kamera samt Speicherkarte, um in die neue Welt der Fotografie einzusteigen. Das Angebot an 360-Grad-Kameras ist noch recht übersichtlich. Eines der aktuellsten Modelle liefert Samsung mit seiner „Gear 360“. Sie verfügt über zwei Kameras, die dank „Fischaugen“-Optik jeweils 180 Grad in alle Richtungen abdecken. Die Auflösung liegt bei Video-Aufnahmen bei 3840 mal 1920 Bildpunkten. Momentan funktioniert die Samsung-Kamera nur mit wenigen Samsung-Smartphones. Die müssen die per Wireless-Lan übermittelten Aufnahmen erst einmal zusammensetzen, damit ein Rundum-Bild entsteht. Die „Gear 360“ kostet knapp 350 Euro.

Voraussichtlich im Oktober ist die „Key Mission 360“ von Nikon erhältlich. Auch sie arbeitet mit zwei gegenüberliegenden Kameras, die den kompletten 360-Grad-Bereich abdecken. Nikon setzt die Technik in ein Action-Kamera-Gehäuse ein. Das bedeutet, dass die „Key Mission 360“ unempfindlich gegenüber Staub, Stößen und Frost ist. Zudem ist die Kamera bis zu einer Tauchtiefe von 30 Metern wasserdicht. Das hat allerdings seinen Preis. Die Nikon-Neuheit soll voraussichtlich knapp 1500 Euro kosten.

Einen anderen Weg ist Kodak mit seiner „Pixpro SP 360“ gegangen. Sie ist bereits seit einem guten Jahr auf dem Markt und war eine der ersten 360-Grad-Kameras überhaupt. Allerdings verfügt sie nur über ein Objektiv. Und das bedeutet, dass nur für eine Ebene eine volle 360-Grad-Ansicht zur Verfügung steht. Die andere Ebene deckt die Kamera zu 214-Grad ab. Das ist für viele Aufnahmesituationen ausreichend, beispielsweise immer dann, wenn sich unterhalb der Kamera nichts Wesentliches befindet. Für Tauch- oder Flugaufnahmen ist das Kodak-Modell dagegen weniger geeignet. Es bietet mit einer Auflösung von 3264 mal 3264 Bildpunkten jedoch ein erstaunlich gutes Bild. Das gilt vor allem mit Blick auf den Preis von rund 500 Euro.

Auf Fotos ist die „Panono“-Kamera spezialisiert. Sie verfügt über eine Kugelform mit 36 kleinen Kameras, die im gleichen Moment eine Aufnahme machen. Die Zusammenrechnen aller Bildinformationen erfolgt in einer Cloud. Anschließend stehen die Bilder mit einer Auflösung von 108 Millionen Bildpunkten zur Verfügung. Dies ermöglicht detailreiche und professionelle Aufnahmen. Allerdings ist die „Panono“ mit knapp 1500 Euro auch recht teuer.
 

Ein Traum wird wahr

„So schön die Bilder sind: Sie können nicht wirklich zeigen, wie fantastisch es vor Ort war.“ – Kennen Sie Aussagen wie diese von heimgekehrten Urlaubern oder Wanderern, die gerade vom höchsten Gipfel oder aus der tiefsten Schlucht zurückgekehrt sind? Die Bilder, die Sie zu sehen bekommen, zeigen nur einen Ausschnitt. Der Fotograf hat jedoch die gesamte Szene erlebt. Den schier endlosen Himmel. Die Bäume rechts und links des Weges. Aber das waren bislang jeweils einzelne Fotos. Den Rundum-Blick hat nur der Fotograf gesehen. Zumindest bis zur Einführung der neuen Gerätekategorie der 360-Grad-Kameras. Diese neuen Kameras erlauben auch den Zuhause-Gebliebenen den Rundum-Blick. Damit wird zweifellos ein Traum wahr. Realistischer lässt ein Erlebnis kaum festhalten. Zumindest virtuell. Denn Gerüche oder Temperaturen nehmen auch die neuen Kameras noch nicht auf.