Der nostalgische Tiefdecker mit Sternmotor hat die Anmutung eines perfekt restaurierten Oldtimers. Allerdings ist der vermeintliche Klassiker erst drei Jahre alt, steht dafür aber auf geschichtsträchtigem Boden: Denn das Vorbild, eine Junkers F13, hob hier am Flugplatz Dessau vor 100 Jahren am 25. Juni 1919 zum ersten Mal ab.

Damals ein Pionier-Flugzeug der zivilen Luftfahrt: Die Junker F 13. Sie flog im Juni 1919 erstmals und wurde bis Anfang der 30er-Jahre gebaut.
Damals ein Pionier-Flugzeug der zivilen Luftfahrt: Die Junker F 13. Sie flog im Juni 1919 erstmals und wurde bis Anfang der 30er-Jahre gebaut. | Bild: Jürgen Schelling

Die F13 war das erste in Großserie gebaute Verkehrsflugzeug aus Ganzmetall und läutete die Ära der Passagierluftfahrt ein. Der Nachbau als Hommage an dieses epochale Flugzeug ist originalgetreu, fliegt seit 2016 und wird auch in Oberndorf am Neckar gebaut.

Die F13 wurde rasch zum verbreitetsten Verkehrsflugzeug der zivilen Luftfahrt in den 1920er- und 30er-Jahren. Bis Ende der 60er-Jahre war die F13 sogar noch vereinzelt in Südamerika – etwa in Kolumbien – im Einsatz.

In die USA geliefert: Eine Junkers F13 auf dem Flugplatz von Anacostia bei Washington im Jahr 1920. Auch nach Südamerika wurde die Maschine verkauft. Dort flog sie – etwa in Kolumbien – bis in die 60er-Jahre.
In die USA geliefert: Eine Junkers F13 auf dem Flugplatz von Anacostia bei Washington im Jahr 1920. Auch nach Südamerika wurde die Maschine verkauft. Dort flog sie – etwa in Kolumbien – bis in die 60er-Jahre. | Bild: U.S. Navy National Museum

Die Maschine war bereits mit der charakteristischen Wellblech-Aussenhaut aus Duraluminium gefertigt, die typisch für Junkers-Maschinen und auch den späteren Klassiker Ju52 werden sollte.

Wetterfestes Metall statt Holz

Damals ist diese leichte und dennoch stabile Bauweise ihrer Zeit weit voraus, denn die meisten anderen Flugzeuge bestehen noch aus Holz und sind stoffbespannt. Die wetterfeste Metall-Junkers kann dauerhaft im Freien abgestellt und deshalb selbst unter klimatisch rauen Bedingungen oder sogar in den Tropen eingesetzt werden.

Etwa 350 Exemplare entstehen zwischen 1919 und Anfang der 30er-Jahre, auch die junge Lufthansa bestellte viele für ihre Flotte. Bis zu fünf Passagiere nehmen in einer vom Cockpit abgetrennten und beheizbaren Kabine Platz.

Eine damals hoch komfortable und sogar beheizbare Kabine: Hier konnten bis zu fünf Passagiere Platz nehmen.
Eine damals hoch komfortable und sogar beheizbare Kabine: Hier konnten bis zu fünf Passagiere Platz nehmen. | Bild: Deutsches Museum

Der Pilot und ein damals noch üblicher Mechaniker müssen im offenen Cockpit frieren. Nur kleine Windabweiser schützen die Crew vor dem Luftstrom.

Die beiden Piloten und der Bordmechaniker hatten es dagegen weniger kommod: Sie saßen an der frischen Luft und waren nur durch ein Windschild vor dem Luftzug geschützt.
Die beiden Piloten und der Bordmechaniker hatten es dagegen weniger kommod: Sie saßen an der frischen Luft und waren nur durch ein Windschild vor dem Luftzug geschützt. | Bild: Deutsches Museum

In den 1920er- und 1930er-Jahren bringt die F13 Passagiere oder Fracht je nach Triebwerk mit etwa 150 bis 170 km/h ans Ziel. Aber Tempo ist bei diesem Flugzeug nicht so wichtig wie Zuverlässigkeit und Robustheit.

Auch den Gas-Badeofen erfunden

Unternehmer Hugo Junkers (1859-1935), der 1895 in Dessau seine erste Firma für Gasapparate gründet, ist nicht nur im Flugzeugbau, sondern auch bei der Erfindung des modernen Gas-Badeofens oder der Entwicklung fortschrittlicher Flugmotoren erfolgreich.

Hugo Junkers (1859-1935) war einer der bedeutendsten deutschen Flugzeugbauer und ein Pionier der modernen Metallbauweise – wie Claude Dornier in Friedrichshafen.
Hugo Junkers (1859-1935) war einer der bedeutendsten deutschen Flugzeugbauer und ein Pionier der modernen Metallbauweise – wie Claude Dornier in Friedrichshafen. | Bild: Wikipedia

Der Ingenieur, Luftfahrtpionier und Pazifist hat mit der Entwicklung der F13 früh erkannt, dass ein Markt für Verkehrsflugzeuge entstehen wird, als dies für die meisten seiner Zeitgenossen noch unvorstellbar ist.

Erst Alu-Koffer, jetzt Alu-Flugzeug

Der Pilot und Unternehmer Dieter Morszeck, bekannt als früherer Chef und Inhaber der Rimowa-Kofferwerke in Köln, sieht in dem von ihm initiierten Nachbau der F13 eine Hommage an Hugo Junkers und dessen Erfindergeist.

Junkers-F13-Initiator und Pilot Dieter Morszeck vor der Maschine. Der Kölner baute in seiner Fabrik früher hochwertige Reisekoffer aus Aluminium. Jetzt fliegt er ein Flugzeug aus Aluminium.
Junkers-F13-Initiator und Pilot Dieter Morszeck vor der Maschine. Der Kölner baute in seiner Fabrik früher hochwertige Reisekoffer aus Aluminium. Jetzt fliegt er ein Flugzeug aus Aluminium. | Bild: Jürgen Schelling

Für Morszeck ist mit der Wiederentstehung der F13 ein Traum in Erfüllung gegangen. Denn sein Vater habe für dessen Kofferfabrikation ebenso Duraluminium verwendet wie es Hugo Junkers für seine Flugzeuge tat. Der Luftfahrt-enthusiast Morszeck hat viel Zeit und Geld in das Vorhaben gesteckt, um den Nachbau der F13 in die Luft zu bringen.

Das F13-Replikat in Dessau ist der Prototyp einer Kleinserie, die beim Luftfahrtunternehmen Kaelin Aero Technologies in Oberndorf am Neckar und in Dübendorf bei Zürich entsteht. Nachbau Nummer zwei wird demnächst präsentiert. Von Kaelin in Hochmössingen – genau zwischen Alb und Schwarzwald gelegen – kommen Rumpf, Leitwerk und Tragflächen nach Dübendorf, wo der Sternmotor sowie die Instrumente eingebaut und das Flugzeug endmontiert wird.

Auf dem Flugplatz Dübendorf bei Zürich: Ein Oldtimer-Service-Lkw steht neben dem Nachbau der F13. Bald wird hier ein zweiter Nachbau der Maschine zu sehen sein.
Auf dem Flugplatz Dübendorf bei Zürich: Ein Oldtimer-Service-Lkw steht neben dem Nachbau der F13. Bald wird hier ein zweiter Nachbau der Maschine zu sehen sein. | Bild: Südkurier

Die zweite gebaute F13 ist gleichzeitig die erste Kundenmaschine. Sie soll in den kommenden Monaten fliegen. Die komplette Flugerprobung wird am Flugplatz Dübendorf nahe Zürich absolviert. Das Flugzeug erhält im Anschluss eine schweizerische Zulassung durch das dortige Bundesamt für Zivilluftfahrt. In der neuen F13 können neben dem Pilot bis zu fünf Passagiere fliegen. Die Maschine ist für den Sichtflugbetrieb zugelassen und darf am Tage, nicht aber nachts fliegen.

Sieben Jahre Arbeit

Die Verwirklichung des F13-Projekts mithilfe von Originalplänen und der Vermessung von Museumsmaschinen dauerte mehr als sieben Jahre. Im Sommer 2016 ging der Nachbau erstmals in die Luft. 2018 folgte seine Luftfahrtzulassung.

Der erste Nachbau der legendären Junkers F13 im Flug. Rumpf, Leitwerk und Tragflächen der Maschine werden in der Nähe von Oberndorf am Neckar hergestellt.
Der erste Nachbau der legendären Junkers F13 im Flug. Rumpf, Leitwerk und Tragflächen der Maschine werden in der Nähe von Oberndorf am Neckar hergestellt. | Bild: Uwe Stohrer

Das beweist, dass die Junkers-Konstruktion von 1919 bis heute aktuell und sicher zu fliegen ist. Stationiert sind die beiden neuen F13 am Flugplatz Dübendorf. Dort flog einst auch eine originale F13. Zudem sind dort zwei Junkers Ju-52 der Ju-Air stationiert. Sie müssen derzeit am Boden bleiben und technisch komplett überholt werden.

Preis: 2,5 Millionen Euro

Mit dem F13-Nachbau sollen künftig ebenfalls Passagierflüge angeboten werden. Auch Privatleute können eine Retro-F13 erwerben. Der Preis liegt je nach Ausstattung bei etwa 2,5 Millionen Euro.