Pakete auspacken gehört zu Weihnachten wie der Tannenbaum. Doch dazu müssen sie pünktlich bei den Empfängern sein. Für die Paketdienste DHL, DPD, Hermes und Co. bedeutet die Vorweihnachtszeit Hochsaison. Allein Hermes erwartet in diesem Weihnachtsgeschäft bundesweit bis zu 2,3 Millionen Sendungen – pro Tag, wohlgemerkt. Für die Monate November und Dezember kalkuliert der Paketdienst mit mehr als 85 Millionen Sendungen. Bei den anderen Anbietern sieht es ähnlich aus: DPD erwartet einen Anstieg des täglichen Paketvolumens um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu einem normalen Zustelltag. An Spitzentagen werden mehr als zwei Millionen Pakete erwartet. Marktführer DHL will an Spitzentagen vor Heiligabend bis zu 11 Millionen Sendungen am Tag ausliefern.

Mitarbeiter von DHL scannen im neuen Express-Drehkreuz des Unternehmens am Flughafen Köln/Bonn ein Paket. Bild: dpa
Mitarbeiter von DHL scannen im neuen Express-Drehkreuz des Unternehmens am Flughafen Köln/Bonn ein Paket. Bild: dpa | Bild: Marius Becker

Wie reagieren die Dienste auf das hohe Paketaufkommen?

Hinter dem Massenaufkommen steht der boomende Onlinehandel. So kommen zu den privaten Versendern, die in der Adventszeit Geschenke verschicken wollen, die Online-Geschenkebesteller dazu. Manche Waren werden auf diese Weise gleich zwei Mal versendet: Einmal vom Onlinehändler zum Besteller – und von dem weiter zum Beschenkten. „In Anbetracht der weiterhin wachsenden Paketmengen in Kombination mit dem steigenden Personalbedarf auf einem nahezu leergefegten Arbeitsmarkt ist das Weihnachtsgeschäft für die gesamte Logistikbranche jedes Jahr eine Herausforderung“, sagt Marco Schlüter, Chief Operations Officer bei Hermes Germany. Er ist aber zuversichtlich, dass alles klappt – denn das Unternehmen habe in Digitalisierung, neue Standorte und Technik investiert.

Um die hohen Paketmengen bewältigen zu können, kommen bei Hermes bis zu 6500 zusätzliche Arbeitskräfte zum Zuge, die vor allem in der Zustellung sowie beim Umschlag in den Logistik-Centern und Depots unterstützen. Deutschlandweit werden 3900 zusätzliche Fahrzeuge unterwegs sein. Genauso verfahren die anderen Paketdienste: DPD setzt 4000 zusätzliche Arbeitskräfte ein, bei GLS sind es 3000 Extra-Mitarbeiter. Und Branchenprimus DHL stellt sogar 10 000 Saisonarbeitskräfte ein und bringt 12 000 zusätzliche Fahrzeuge auf die Straßen.

19.11.2019, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Mitarbeiter von DHL scannt im neuen Express-Drehkreuz des Unternehmens am Flughafen Köln/Bonn ein Paket. Die Deutsche Post DHL hat ein neues Drehkreuz für ihre Express-Sendungen in Betrieb genommen. Foto: Marius Becker/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
19.11.2019, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Mitarbeiter von DHL scannt im neuen Express-Drehkreuz des Unternehmens am Flughafen Köln/Bonn ein Paket. Die Deutsche Post DHL hat ein neues Drehkreuz für ihre Express-Sendungen in Betrieb genommen. Foto: Marius Becker/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: Marius Becker

Was muss man beim Übersee-Versand beachten?

Trotz der zusätzlichen Kapazitäten der Paketdienste müssen auch die privaten Versender mithelfen, damit ihre Weihnachtspakete rechtzeitig bei Freunden und Verwandten ankommen. Dazu muss man sich an die Einlieferfristen halten. Wer Empfängern in den USA, Australien oder anderen fernen Winkeln der Welt mit einer Weihnachtsüberraschung eine Freude machen will, muss sich beeilen: Der 30. November ist hier bereits der letztmögliche Abgabetermin für Übersee-Sendungen. Wer gegen einen Aufpreis von 16 Euro den Premiumversand dazubucht, der kann sich eine Woche länger Zeit lassen – hier ist der Stichtag der 7. Dezember.

Insgesamt ist der Übersee-Paketversand ein teures Vergnügen: Ein Fünf-Kilo-Paket beispielsweise in die USA kostet 37,99 Euro (53,99 Euro mit Premium-Service). Eine günstigere Alternative gibt es nicht: Die kleineren Anbieter Hermes, DPD und GLS bieten keinen Übersee-Paketversand an. Und UPS unterhält hierzulande zum einen nur wenige Paketshops – und ist außerdem mit rund 160 Euro für ein Fünf-Kilo-Paket noch deutlich teurer als DHL.

Zahlreiche Pakete fahren auf Förderbändern durch das neu eröffnete Paketzentrum. Die Deutsche Post DHL hat auf dem ehemaligen Opelgelände ein neues Paketzentrum eröffnet. Mit einer Sortierkapazität von bis zu 50000 Sendungen pro Stunde im Zielzustand geht in Bochum eines der leistungsfähigsten Paketzentren Europas ans Netz. Bild: dpa
Zahlreiche Pakete fahren auf Förderbändern durch das neu eröffnete Paketzentrum. Die Deutsche Post DHL hat auf dem ehemaligen Opelgelände ein neues Paketzentrum eröffnet. Mit einer Sortierkapazität von bis zu 50000 Sendungen pro Stunde im Zielzustand geht in Bochum eines der leistungsfähigsten Paketzentren Europas ans Netz. Bild: dpa | Bild: Marcel Kusch

Welche Stichtage gelten innerhalb Deutschlands und der EU?

Wer Weihnachtspakete innerhalb Europas versenden möchte, kann sich mit dem Schnüren ein paar Tage länger Zeit lassen: Sie müssen bis zum 10. Dezember in einer Postfiliale aufgegeben werden. Beim Versand in die EU-Nachbarländer und in die Schweiz ist der 14. Dezember der letztmögliche Tag. Der gleiche Stichtag gilt bei Hermes für alle innereuropäischen Sendungen. GLS verspricht sogar, bis zum 18. Dezember aufgegebene Pakete innerhalb Europas noch rechtzeitig zuzustellen. Bei DPD liegt der Stichtag je nach Zone zwischen dem 13. und 19. Dezember – ein Paket nach Spanien braucht länger als eines in die Niederlande. Für Weihnachtspakete, die innerhalb Deutschlands lebende Empfänger erfreuen sollen, ist bei allen Paketdiensten der 20. Dezember der letzte Abgabetermin. Hermes-Vorstand Schlüter rät dazu, seine Pakete nicht auf den letzten Drücker zu verschicken. „Manche Dinge wie zum Beispiel extreme Witterungsbedingungen sind nun mal nicht planbar. Wer die Möglichkeit hat, sollte daher seine Sendungen frühzeitig auf die Reise schicken beziehungsweise seine Online-Bestellung mit ein wenig Vorlauf tätigen.“

Winden Themenbild – Deutsche Post, DHL, Brieftraeger, Postbote Themenbild – Deutsche Post, DHL, Brieftraeger, Postbote 23.02.2019 Brieftraeger beim Post austragen und Paket scannen Symbolbild, Themenbild, Featurebild *** Winches Topic picture Deutsche Post DHL Letter carrier Postman Topic picture Deutsche Post DHL Letter carrier Postman 23 02 2019 Letter carrier deliver at post office and scan parcel Symbol picture Topic picture Feature picture Copyright: xFleigx/xEibner-Pressefotox EPdfg
Winden Themenbild – Deutsche Post, DHL, Brieftraeger, Postbote Themenbild – Deutsche Post, DHL, Brieftraeger, Postbote 23.02.2019 Brieftraeger beim Post austragen und Paket scannen Symbolbild, Themenbild, Featurebild *** Winches Topic picture Deutsche Post DHL Letter carrier Postman Topic picture Deutsche Post DHL Letter carrier Postman 23 02 2019 Letter carrier deliver at post office and scan parcel Symbol picture Topic picture Feature picture Copyright: xFleigx/xEibner-Pressefotox EPdfg | Bild: Fleig / Eibner-Pressefoto, via www.imago-images.de

Was ist, wenn Pakete beschädigt werden oder verloren gehen?

Damit die Geschenke unbeschädigt beim Empfänger ankommen, sollten die Absender sie möglichst sorgfältig verpacken. Dafür eignen sich stabile Pappkisten sowie Polstermaterial. Zudem sollte der Absender überlegen, ob er sein Paket versichern möchte. „Standardmäßig haften die meisten Dienstleister beim deutschlandweiten Versand von Paketen für verlorene oder beschädigte Waren im Wert von bis zu etwa 500 Euro“, erklärt Michaela Rassat, Juristin beim D.A.S. Leistungsservice. „Dafür ist allerdings der quittierte Einlieferungsbeleg nötig.“ Schäden können meist bis zu sieben Tage nach dem Empfang beim Paketdienstleister gemeldet werden.

Paketdienste sind immer im Stress. Vor Weihnachten muss das Personal sogar deutlich aufgestockt werden, um die Monsterwelle von Paketen zuzustellen. Bild: methaphum – stock.adobe.com
Paketdienste sind immer im Stress. Vor Weihnachten muss das Personal sogar deutlich aufgestockt werden, um die Monsterwelle von Paketen zuzustellen. Bild: methaphum – stock.adobe.com

Der Versand dauert länger als angenommen. Was kann ich tun?

Dass das Geschenk nicht pünktlich ankommt, ist selten, bei der Pakete-Flut aber möglich. Der Absender kann den Sendungsverlauf über die Sendungsverfolgung im Internet im Blick behalten – dazu muss auf der Internetseite des Paketdienstes die Sendungsnummer auf dem Einlieferungsbeleg eingegeben werden. Bei Ungereimtheiten wie einer ungewöhnlich langen Versanddauer könne der Absender einen Nachforschungsauftrag stellen, so D.A.S.-Juristin Rassat. „Bleibt das Paket verschwunden, kann der Absender vom Zustelldienst den Ersatz des Warenwertes im Rahmen der jeweiligen Haftungsgrenzen verlangen.“ Dazu sind der Einlieferungsbeleg sowie ein Nachweis über den Wert des Inhalts – etwa ein Kaufbeleg oder Kontoauszug – notwendig. Als verloren gilt ein Paket nach Ablauf von 20 Tagen, bei internationalen Sendungen liegt die Frist bei 30 Tagen.

Verboten! Was nicht verschickt werden darf

  • Nicht alles, was man verschenken kann, darf man auch verschicken: Einige Waren werden von den Paketdienstleistern von der Haftung ausgeschlossen. Wertvollen Schmuck, Geld oder Edelsteine, aber auch lebende Tiere verschicken Verbraucher in der Regel auf eigenes Risiko. Geht das Paket verloren, muss man den Schaden dann trotz Versicherung selbst tragen.
  • Manches schließen die Unternehmen ganz vom Versand aus: Parfüm etwa gilt als Gefahrgut und darf nicht einfach per Paket verschickt werden. Auch Nagellacke, Deo-Sprays und sogar Tischtennisbälle gelten als heikle Transportgüter. Kunden würden oft nur mangelhaft darüber aufgeklärt, moniert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dabei müssten sie für mögliche Transportschäden aufkommen und etwa den Feuerwehreinsatz bezahlen, wenn ein Paket beschädigt wird und daraus brennbare Flüssigkeit wie Parfüm tropft. Das wäre ein schlechtes Weihnachtsgeschenk. (czy)