Im Rollladenkasten? Unterm Dachvorsprung? Oder doch lieber im Schuppen? Jetzt, in der warmen Jahreszeit, wird mancher Garten von Wespen und Hornissen heimgesucht, die dort im April oder Mai ein Nest angelegt haben. Die Bewohner finden das meist gar nicht lustig. Dabei lässt es sich meist gut mit den schwarz-gelben Insekten leben – und sie fressen im Sommer dazu noch jede Menge Schnaken.

  • Wo bauen die Insekten gern? Das hängt von der Art ab. Die in Deutschland häufigsten beiden Wespenarten sind die Deutsche und die Gemeine Wespe. Sie bauen ihre Nester in dunklen Hohlräumen wie Baumhöhlen, Rollladenkästen oder in Schuppen, aber auch in Erdhöhlen. Hornissen bevorzugen ebenfalls natürliche Baumhöhlen und weichen alternativ auf Holzverschalungen an Terrassen und Balkonen oder auf Nischen in Dachböden aus.
  • Sind Wespen oder Hornissen gefährlich? Hornissen sind mit einer Körperlänge von bis zu vier Zentimeter das größte staatenbildende Insekt in Deutschland. Wegen ihrer Größe, ihres lauten Brummens beim Fliegen und wegen Volksweisheiten wie „Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei einen Menschen und zwei ein Kind“ haben die meisten Menschen Angst vor ihnen. „Dabei ist ein Hornissenstich nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich“, sagt Siegfried Wehrle, Fachberater für Hornissen und Wespen bei der Unteren Naturschutzbehörde für den westlichen Bodenseekreis rund um Überlingen. Hornissen reagieren auf Menschen eher ängstlich als aggressiv – es sei denn, man bedroht ihr Nest und ihre Brut. „Deshalb hält man um den Nestbereich am besten einen Sicherheitsabstand von fünf Meter“, sagt Siegfried Wehrle. Auch Anpusten oder heftige Bewegungen empfinden Hornissen als Bedrohung, auf die sie mit Angriff reagieren können.
  • Gilt das auch für Wespen? Ja. Auch sie stechen eigentlich nur, wenn sie sich bedroht fühlen, ihre Königin oder ihr Nest angegriffen wird. Den Menschen nähern sie sich nicht in der Absicht, zu stechen, sondern um Nahrung zu finden. „Bis etwa Mitte August ernähren sie sich hauptsächlich von Eiweiß in Form von Insekten oder Fleisch. Damit versorgen sie die Larven“, sagt Martin Klatt, Artenschutzexperte beim Naturschutzbund Nabu Baden-Württemberg. Sobald sich die erwachsenen Tiere nicht länger um die Brut kümmern müssen, benötigen sie zum Überleben Zucker – und suchen dazu gern Eisdielen oder Kaffeetafeln heim. Hornissen übrigens lassen Limonade, Eis und Kuchen völlig kalt.
  • Darfman Hornissen- oder Wespennester entfernen? Da Hornissen in ihrem Bestand akut gefährdet sind, schützt sie das Bundesnaturschutzgesetz besonders. Das bedeutet: „Ein Hornissennest darf nur mit einer Ausnahmegenehmigung und durch einen geschulten Spezialisten entfernt werden“, sagt Martin Klatt. Eine solche Genehmigung erteilt die Untere Naturschutzbehörde beim zuständigen Landratsamt beispielsweise dann, wenn ein Hornissennest nahe eines Kindergartens gebaut wurde. Wer ohne eine solche Genehmigung handelt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 50 000 Euro rechnen.

Auch bei Wespen besteht ein Grundschutz

Gleiches gilt für das Beseitigen von Wespen, wenn es sich um besonders geschützte Arten handelt. „Die Deutsche und die Gemeine Wespe zählen zwar nicht dazu, dennoch besteht auch hier ein Grundschutz“, sagt Klatt. Das bedeutet: Solange das Wespennest die Menschen nicht potenziell gefährdet, etwa weil ein Allergiker im Haus wohnt oder viele Kinder auf einem Spielplatz sind, bleibt es auch. Das kann dann auch bedeuten, dass man einen Sommer seinen Balkon oder Schuppen vielleicht nicht wie gewohnt nutzen kann. „Aus Rollladenkästen hole ich Wespennester aber immer heraus, denn da stört es die Menschen und Insekten gleichermaßen“, sagt Berater Siegfried Wehrle.

  • Wann kann man ein Hornissen- oder Wespennest am besten entfernen? Je früher man es entdeckt, umso einfacher ist die Umsiedlung der Insekten. Denn Experten wie Siegfried Wehrle zerstören die Nester nicht etwa. Sie versuchen sie – möglichst mit allen dazugehörigen Insekten – umzusiedeln. Bei Hornissennestern saugt Wehrle hierzu mit einem speziellen Sauger zunächst alle Fluginsekten ein, löst dann das Nest mitsamt Königin und Pflege-Insekten und führt alles in einer speziellen Kiste wieder zusammen. Diese nimmt er dann mit in seinen Garten. Genauso wie Wespennester, die er beispielsweise aus Rollladenkästen entfernt. „Davon habe ich immer mindestens zehn bei mir rumhängen“, sagt Wehrle.
  • Bringt es Vorteile, Hornissen und Wespen im Garten zu haben? „Wer weniger Schnaken im Garten haben will, dem bringe ich ein Wespennest“, sagt Wehrle. Denn Wespen und Hornissen erfüllen durchaus sehr nützliche Funktionen im Ökosystem. So frisst ein Hornissenvolk pro Tag etwa ein halbes Kilo an Wespen, Mücken, Fliegen, Nachtfaltern und Frostschädlingen. Ein großes Wespenvolk fängt täglich so viele Insekten wie zwanzig Meisenpärchen.
  • Wastun, wenn man von einer Wespe oder Hornisse gestochen wurde? Zunächst gilt: „Vorbeugen ist besser als heilen“. Verhält man sich richtig im Umgang mit den Insekten, können Stiche fast immer vermieden werden. Die wichtigste Regel lautet: Ruhe bewahren, auch wenn sich eine Wespe mal auf die Hand setzt. Meist fliegt sie von ganz allein wieder davon. Fängt man hingegen an, wild herumzufuchteln, werten die Insekten das als Angriff – und verteidigen sich gegebenenfalls mit ihrem Stachel.
Wespennest im Innenraum.
Wespennest im Innenraum. | Bild: Adobe Stock

Die Erstbehandlung im Ernstfall

Wer dennoch von einer Wespe oder Hornisse gestochen wurde, sollte die Einstichstelle rasch kühlen, das vermindert Schmerz und Schwellung. Bei einem Bienenstich ist es zudem wichtig, zuerst den Stachelapparat zu entfernen, der wegen seiner Widerhaken meist noch in der Haut steckt – denn dieser pumpt weiterhin Gift in die Wunde (die Biene stirbt nach dem Verlust des Stachels). Wer im Mund- oder Rachenraum gestochen wurde, sollte schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen – denn schwellen die Schleimhäute an, besteht Erstickungsgefahr. Bis man beim Arzt ist, kann es helfen, Eiswürfel zu lutschen. Die Giftmenge bei der Biene liegt bei etwa 0,1 Milligramm.

Bei wem nach einem Insektenstich nicht nur die Einstichstelle anschwillt, sondern sich auch Symptome bemerkbar machen wie juckende und gerötete Stellen am ganzen Körper, bis hin zu Übelkeit, Schwindel, Herzrasen oder Atemnot, der leidet womöglich an einer Insektengiftallergie. Ärzte können dies anhand eines Allergietests problemlos feststellen und anschließend entsprechend therapieren.

  • Wann fangen Wespen und Hornissen an, ihre Nester zu bauen? Die im Herbst des Vorjahrs geborene und begattete Jungkönigin erwacht meist Mitte April aus ihrem Winterschlaf – wenn es tagsüber warm genug ist und der Winter so war, dass bereits erste Insekten als Nahrung herumfliegen. Hornissenköniginnen lassen meist noch einige Wochen länger auf sich warten. Sobald sie einen geeigneten Platz gefunden haben, fangen sie an, viele Wabenzellen zu bauen und ihre Eier hineinzulegen. Im Laufe der nächsten Monate entwickelt sich dann ein Staat, der je nach Art bei Hornissen aus etwa 800, bei Wespen sogar aus mehrere Tausend Bewohner bestehen kann.
  • Nisten Hornissen und Wespen im nächsten Jahr an derselben Stelle wieder? „Nein, die alten Nester werden nicht wieder bezogen“, erklärt Naturschützer Martin Klatt. Fühlen sich die Hornissen- oder Wespenvölker jedoch in einem Garten besonders wohl, kann es durchaus vorkommen, dass sie im nächsten Jahr an einer anderen geeigneten Stelle wieder ein Nest bauen.

Diese Stachel-Insekten fliegen durch unseren Garten

  • Wespe: Die Unterart der Deutschen Wespe baut ihr Nest unterirdisch, etwa in alten Mäuse- oder Maulwurfsgängen. Sie siedeln sich auch in Dachstühlen an. Das Nest ist im Grund aus Papier gefertigt, denn es besteht aus zerkauten und mit Speichel vermischten Holzfasern. Es enthält – wie bei der Biene – Sechseck-Waben. Sie liegen allerdings horizontal mit der Öffnung nach unten. Danach wird alles mit Fasern ummantelt und das bis zu kürbisgroße Nest bekommt durch das Holz eine graue Färbung. Die Gemeine Wespe verwendet morsches Holz und Äste. Daher ist ihr Nest heller und beigefarben. Diese Wespe baut auch unterirdisch oder sie siedelt sich in Hohlräumen an Häusern an.
  • Hornisse: Da auch die Hornisse – wie die Deutsche und die Gemeine Wespe – zur Unterfamilie der Echten Wespen gehört, bedienen auch sie sich für den Nestbau bei vergrautem Holz, das kein Lignin mehr enthält, wie etwa bei alten Brettern oder Holzmasten. Wie die Wespe baut auch die Hornisse mehrstöckige Nester, beispielsweise in Baumhöhlen oder gerne auch in Hohlräumen an Häusern. Das Nest kann bis zum Spätsommer auf 600 Zellen anwachsen, es wurden aber auch schon Nester mit knapp 2800 Zellen gefunden, mit einer Höhe von mehr als einem halben Meter. Teilweise wird der Hohlraum, in dem das Nest liegt, mit einer Schutzhülle verschlossen. Hornissenvölker sind bis etwa Mitte Oktober aktiv.
  • Hummel: Auch hier gibt es diverse Unterschiede. Erdhummeln zieht es zum Nestbau in alte Mauselöcher, Baumhummeln hingegen in den Hohlraum eines Stammes oder in verlassene Vogelnester. Die durch ihre Größe auffällige Hummel besitzt wie Wespe, Biene und Hornisse zwar auch einen Stachel, mit dem sie sich wehren kann. Doch davon macht sie nur sehr selten Gebrauch. Die Hummel gilt als friedlich. Das kann auch daran liegen, dass ihre Muskeln zu schwach sind, um den Stachel beim Menschen durch die Haut zu stoßen. Das Gift von Hummeln ist harmlos, nur bei Allergikern kann es zu Problemen kommen. Hummeln können dank ihrer langen Zunge zudem besonders gut tiefe Blüten bestäuben.
  • Honigbiene: Sie gründet ein neues Volk, indem ein Schwarm, ein Teil des bestehenden Volks, auszieht und sich mit einer Königin ein neues Zuhause sucht. Bei der Suche spielen Kundschafterinnen eine führende Rolle. Ihre Nistplatzvorschläge teilen sie den anderen Bienen durch einen Schwänzeltanz mit. Irgendwann entscheidet sich der Schwarm durch kollektive Intelligenz für einen Nistplatz, der dann angeflogen wird. Die Honigbiene baut ihr Nest aus Wachs, welches in Form kleiner Schuppen aus Drüsen ausgeschwitzt wird. Zusätzlich können die Bienen aus Baumharz und Pollen einen Kitt herstellen. Damit werden kleinere Öffnungen abgedichtet, damit keine Pilze und Bakterien eindringen können.
  • Holzbiene: Mit einer Körperlänge von 23 bis 28 Milimeter ist sie die größte heimische Bienenart. Durch ihren schwarzblau schimmerden Körper ist sie leicht von den anderen Wildbienenarten zu unterscheiden. Zum Nisten bevorzugt die Holzbiene, wie ihr Name schon suggeriert, abgestorbenes Holz. Beliebte Lebensräume sind sonnenbeschienene Plätze mit großer Blütenvielfalt wie Streuobstwiesen, naturnahe Gärten und lichte Waldränder. Noch vor einigen Jahren waren Funde dieser wärmeliebenden Wildbiene in Deutschland eine große Ausnahme, doch durch die überdurchschnittlich warmen Jahre in den letzten beiden Jahrzehnten, haben sie sich auch hier vermehrt angesiedelt. (mic/lem)