Erst Prinz Charles, jetzt auch noch Leonardo DiCaprio. Der Schauspieler, berühmt für seine Rollen und inzwischen auch berühmt für sein Umweltbewusstsein, hat sich für die rumänischen Urwälder eingesetzt. Zwar nur mit einem Bild auf seinem Instagram Account. Diesem Account folgen aber über elf Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Und die wissen nun auch, dass in den rumänischen Urwäldern nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht.

Leonardo DiCaprio hat ein Bild geteilt, das Greenpeace-Aktivisten in den rumänischen Wäldern zeigt. Dort kartieren die Umweltschützer die letzten Urwälder Europas, die in den rumänischen Karpaten liegen. Wälder, die seit Jahrhunderten unberührt sind. In denen Braunbären leben, Wölfe, Luchse und Steinadler. Und die mit Tausenden Pflanzenarten ein Paradebeispiel sind für Biodiversität, ganz abgesehen von ihrem Einfluss auf das Klima. Doch diese Wälder sind in Gefahr: durch legalen wie illegalen Holzeinschlag. Ein Thema, das auch Prinz Charles am Herzen liegt. Der Naturliebhaber besitzt Häuser in Rumänien. Er appellierte an die Rumänen, dieses Naturerbe zu schützen.

Die rumänische Öffentlichkeit ist sich des Problems bewusst, der Bevölkerung ist nicht egal, dass aus grünen Berghängen tote Landschaften werden. Skandale und Prozesse gegen führende Politiker wegen Land- und Holzraub bringen die Rumänen auf die Barrikaden. Auch beim Rücktritt des unter Korruptionsverdacht stehenden Ministerpräsidenten Victor Ponta im November 2015 sei der Umgang mit den Wäldern ein Treiber gewesen, so die Einschätzung von Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Stiftung Euronatur mit Sitz in Radolfzell. Die Stiftung will sich nun verstärkt für die rumänischen Wälder einsetzen, eine europäische Öffentlichkeit herstellen und Druck erzeugen, damit die Europäische Kommission „Klartext mit dem Mitgliedsland Rumänien redet“, sagt Schwaderer.

Worum geht es genau? In Rumänien werde Wald aus geschützten Gebieten geschlagen, so der Vorwurf von NGOs wie Greenpeace und WWF. Im Jahr 2005 wurde die Fläche der rumänischen Urwälder in einer Studie mit rund 218 000 Hektar veranschlagt. Der WWF Rumänien hat in den vergangenen Jahren etwa 100 000 Hektar dieser Flächen überprüft: Als Urwald bestätigt werden konnten aber nur noch rund 27 000 Hektar. Im Jahr 2015 wurden laut Greenpeace über 34 000 Fälle von illegalem Holzschlag gemeldet, das sind fast hundert pro Tag. „Wald, der in natura 2000 Schutzgebieten liegt, verschwindet einfach“, sagt Gabriel Schwaderer. „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Schutzgebieten und den staatlichen Forstplänen, keine Kommunikation und keine Kontrollen. Das Staatswesen funktioniert nicht.“ Zudem werde der Wald nicht nachhaltig bewirtschaftet, sondern „alles umgesägt“.

Einer, der sich dagegen wehrt, dass die Natur seiner Heimat zerstört wird, ist der rumänische Naturschützer und Aktivist Gabriel Paun (siehe Interview). Mit seiner Umweltschutzorganisation Agent Green kämpft der 39-Jährige gegen die Holzindustrie, die er Holzmafia nennt. Paun schreckt nicht vor krassen Mitteln zurück. Mit seiner Kamera verfolgt er illegale Holztransporte bis an die Tore der Sägewerke, dokumentiert das Gebaren der Polizei und die Pfeffersprayattacken der Sicherheitsmitarbeiter auf seine Person. Alles zu sehen auf YouTube.

Besonders in seinem Fokus: die österreichische Firma Holzindustrie Schweighofer. Diese betreibt in Rumänien drei Sägewerke und drei Plattenwerke mit fast 3000 Mitarbeitern. Schweighofer wurde in diesem Jahr das FSC-Siegel aberkannt. Dieses Siegel des Forest Stewardship Council bestätigt, dass Holz nachhaltig erzeugt wurde, es ist Standard in der Waldwirtschaft. Eine Untersuchung des FSC hat nun zudem ergeben, dass „die Schweighofer Gruppe an signifikanten Gesetzwidrigkeiten im Holzhandel in Rumänien beteiligt war“, so die Formulierung im Bericht, der Anfang Dezember veröffentlicht wurde. Die Prüfer hätten klare und überzeugende Beweise für illegalen Holzschlag bei Schweighofer gefunden. Deswegen verwundert umso mehr, dass das Unternehmen weiterhin Mitglied des FSC sein darf. Auf Bewährung zwar und unter Auflagen. Für Euronatur Geschäftsführer Gabriel Schwaderer ein Unding. „Wir können die Entscheidung nicht nachvollziehen. Die Beweislast ist erdrückend. Der von FSC angeforderte Bericht ist glasklar und empfiehlt eindeutig die Trennung von Schweighofer. Dennoch erfolgt keine harte Sanktion. FSC hat durch diese Entscheidung die eigenen, schon vorhandenen Glaubwürdigkeitsprobleme weiter verschärft.“
 

Euronatur

Die Stiftung Euronatur wurde 1987 vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegründet. Hauptsitz ist Radolfzell. Die Stiftung will beim Naturschutz Grenzen überwinden und so das europäische Naturerbe erhalten. Die Themen der Stiftung sind vielfältig: sie kämpft zum Beispiel gegen Staudämme, für Braunbären oder für eine ökologische Agrarpolitik. Dabei arbeitet Euronatur mit den Umweltschutzorganisationen vor Ort zusammen. (sk)

Mehr Informationen auf: www.euronatur.org