Die Idee, zahlungskräftige Reiche in den Weltraum zu bringen, ist schon einige Jahre alt. Ein paar Milliardäre haben es auch geschafft, an Bord von russischen Raumschiffen in die Erdumlaufbahn zu kommen. Aber diese Reisen kosten eine sechsstellige Summe. In Zukunft soll eine Reise zum Rand des Weltalls wesentlich billiger zu bekommen sein. Zum Beispiel mit einem Raketenflugzeug.

Das Raketenflugzeug VMS Eve (auch bekannt als „WhiteKnight2“ – „Weißer Ritter 2“) über der Mojave-Wüste.
Das Raketenflugzeug VMS Eve (auch bekannt als „WhiteKnight2“ – „Weißer Ritter 2“) über der Mojave-Wüste. | Bild: dpa

Zwei US-Milliardäre, der Amazon-Gründer Jeff Bezos (mit dem „Blue Origin“-Projekt) und Tesla-Chef Elon Musk („SpaceX“), konkurrieren mit dem Briten Sir Richard Branson und dessen „Virgin“-Imperium um den Zukunfts-Markt der kommerziellen Raumfahrt.

Richard Branson posiert für Fotografen im Schaufenster einer Replik der Virgin Galactic, der weltweit ersten kommerziellen Raumfahrtlinie, auf der Farnborough International Airshow 2012.
Richard Branson posiert für Fotografen im Schaufenster einer Replik der Virgin Galactic, der weltweit ersten kommerziellen Raumfahrtlinie, auf der Farnborough International Airshow 2012. | Bild: dpa

Branson scheint mit „Spaceport America“ in der Wüste von New Mexico die besten Chancen zu haben, als Tourismus-Pionier fürs Weltall in die Geschichte einzugehen.

Die Zufahrt zum Spaceport America mit der Abfertigungshalle im Hintergrund.
Die Zufahrt zum Spaceport America mit der Abfertigungshalle im Hintergrund. | Bild: Friedemann Diederichs

Mehr als 600 Kunden haben bis zu 250 000 Dollar für ein Ticket angezahlt, das ihnen einen eineinhalbstündigen Flug knapp 100 Kilometer hoch in die Schwerelosigkeit sichern soll.

Rückschlag bremst das Tempo

Rückschläge haben den Terminplan Bransons auf den Kopf gestellt. Vor allem der Crash eines „SpaceShipTwo“-Testmodells in der kalifornischen Mojave-Wüste 2014, bei dem der Co-Pilot starb und der Pilot schwer verletzt wurde, hat Zweifel an der „Virgin Galactic“-Technologie geweckt – obwohl der Absturz durch einen Bedienungsfehler verursacht wurde.

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Ein weiterer Testflug, der 2018 erfolgreich verlief, sorgte für Optimismus.

Das Abfertigungsgebäude von Virgin Galactic auf dem Spaceport America.
Das Abfertigungsgebäude von Virgin Galactic auf dem Spaceport America. | Bild: Friedemann Diederichs

In den kommenden zwei Monaten will Branson fertige Raumschiffe und Träger-Flugzeuge nach New Mexico verlegen, dazu mindestens 100 Techniker und ihre Familien.

Der Hangar von Virgin Galactic auf dem Spaceport. Noch herrscht Ruhe auf dem Rollfeld. Das soll sich im kommenden Jahr ändern.
Der Hangar von Virgin Galactic auf dem Spaceport. Noch herrscht Ruhe auf dem Rollfeld. Das soll sich im kommenden Jahr ändern. | Bild: William M. Gutman

Ein Zeichen dafür, dass der Jungfernflug spätestens 2020 stattfinden wird, wie Dan Hicks, der Chefmanager des „Spaceport America“, während einer exklusiven Tour durch das Gelände erklärt.

Das „SpaceShipTwo“ mit dem Raketenflugzeug „White Knight Two“ in der Mitte im Hangar des Spaceport America.
Das „SpaceShipTwo“ mit dem Raketenflugzeug „White Knight Two“ in der Mitte im Hangar des Spaceport America. | Bild: AFP

„Noch zwei oder drei Testflüge des VSS Unity-Raumschiffs, dann dürfte das grüne Licht von den Behörden kommen“, sagt Hicks. Schließlich paßt auch das Branson-Projekt gut zu den Absichten der Trump-Regierung, dem Weltraum wieder größeren Stellenwert zu geben.

Perfekter Weltraum-Hafen

„Spaceport“-Manager Hicks erklärt, warum die Anlage in der Wüste eine so perfekte Ausgangslage für den Flug von Weltraum-Touristen hat. Der „Weltraum-Hafen“ besitzt eine Start- und Landebahn, die dank ihrer Länge von mehr als vier Kilometern auch für Jumbo-Jets geeignet ist.

Das Raketenflugzeug auf einer Abstellfläche auf dem Spaceport in New Mexico.
Das Raketenflugzeug auf einer Abstellfläche auf dem Spaceport in New Mexico. | Bild: Friedemann Diederichs

Der gesamte Luftraum über dem „Spaceport“ ist für kommerziellen Luftverkehr gesperrt – auch weil gleich nebenan, nur durch eine Bergkette getrennt, die „White Sands Missile Range“ liegt. Das ist ein Testgelände der US-Luftwaffe, auf dem auch schon Tornado-Piloten aus Deutschland trainierten. Schließlich profitiert der „Spaceport“ auch vom Klima der Region: über 320 Sonnentage und eine extrem niedrige Luftfeuchtigkeit.

Landeanflug über der Mojawe-Wüste. Erste Testflüge zum Rand des Weltraum sind bereits geglückt. Passagiere waren aber noch keine dabei.
Landeanflug über der Mojawe-Wüste. Erste Testflüge zum Rand des Weltraum sind bereits geglückt. Passagiere waren aber noch keine dabei. | Bild: AFP

Touristen müssen trainieren

Zum Areal gehören das Trainingszentrum für die künftigen Weltraum-Touristen, die nach ihrer Ankunft vier Tage lang auf das Abenteuer in der Schwerelosigkeit vorbereitet werden. Es gibt ein Kontrollzentrum für die „Virgin Galactic“-Flüge. Und am Eingang zum „Spaceport“ glänzt ein Modell des „SpaceShipTwo“ in der Juli-Sonne – als visuelles Zeichen für den Aufbruch in neue unternehmerische Sphären.