Für den durch die Corona-Krise sowie technologische Umbrüche hart getroffenen Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen ist auch die Schließung von Werken kein Tabu mehr. Für Standorte, die in den nächsten beiden Jahren kein „Zukunftsbild“ erarbeiten können, werde „auch eine Schließung von 2023 an nicht ausgeschlossen“, teilte das Unternehmen am Freitag mit. In den kommenden beiden Jahren hätten alle deutschen ZF-Werke Zeit, darzulegen, „mit welchen Produkten und Investitionen Beschäftigung über das Jahr 2022 hinaus gesichert werden“ könne, hieß es.

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Wie ZF am Freitag bekannt gab, habe man sich mit Betriebsrat und Gewerkschaften auf einen Tarifvertrag geeinigt, der den Erhalt aller Standorte sowie den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2022 vorsieht. In dieser Zeit solle die „strukturelle Neuausrichtung“ des 150.000-Mitarbeiter-Konzerns vorangetrieben werden, hieß es. Parallel sollen Werksleitungen und Arbeitnehmervertretungen vor Ort Perspektiven für die jeweiligen Standorte aufzeigen.

Bosch und Conti haben schon Werke geschlossen, ZF nicht

ZF hatte bislang, anders als die Konkurrenz von Continental oder Bosch, keine Werke zur Disposition gestellt. Dem Vernehmen nach hatte Konzernchef Wolf-Henning Scheider einen von seinem Vorgänger getroffenen Schließungsentscheid für ein Werk in Gelsenkirchen Ende 2018 abgeblasen. Nach der Übernahme des Konkurrenten TRW im Jahr 2015 verfügt ZF in Deutschland über ein Netz von rund 40 Standorten, darunter kleine Werke mit nur rund 200 Mitarbeitern.

ZF stellt weichen für flexiblere Arbeitszeiten

Mit dem neuen Tarifvertrag hat das Stiftungsunternehmen nun auch die Weichen für eine länger andauernde Konjunkturflaute gestellt. Zentraler Punkt ist eine Anschlussregel für eine längerfristige Senkung der Arbeitszeiten, nach Auslaufen der Kurzarbeit. Dafür seien Möglichkeiten geschaffen worden, „die Arbeitszeiten in allen Tarifgebieten um bis zu 20 Prozent“ zu reduzieren, hieß es. Im Gegenzug stockt das Unternehmen die Gehälter in bestimmtem Umfang auf.

Wie viel zahlt ZF, wenn Mitarbeiter früher gehen?

Auf freiwilliger Basis trennt sich ZF zudem von Personal. Es seien „attraktive Möglichkeiten geschaffen worden“, das Unternehmen vorzeitig zu verlassen, sagte Personal-Vorstand Sabine Jaskula. Dazu gehörten etwa Altersteilzeit oder Abfindungen. Zur Höhe der Abfindungen äußerte sich ein Sprecher nicht.