Die Krise im Automobilbereich schlägt immer stärker auch auf Maschinenbau und Zulieferbetriebe durch. Wie der Werkzeugmaschinenbauer Chiron aus Tuttlingen am Dienstag mitteilte, gehe man für das laufende Jahr von einem „deutlich reduzierten Beschäftigungsniveau“ aus. Zu Details, etwa der Anzahl der zu streichenden Stellen, wollte sich ein Chiron-Sprecher nicht äußern. Damit sind, Stand jetzt, konzernweit auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen.

Betriebsrat will sich nicht äußern

Allerdings sind diese zumindest am Tuttlinger Stammsitz bis Ende 2022 durch eine Betriebsvereinbarung keine Option. Betriebsrat und IG-Metall waren für Stellungnahmen nicht zu erreichen.

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Chiron stellt komplexe Metallbearbeitungsmaschinen, etwa Fräsen, her und beschäftigt weltweit rund 2100 Mitarbeiter, davon rund 1070 in Tuttlingen und dem benachbarten Neuhausen, wo das Unternehmen erst im vergangenen Herbst eine hochmoderne Fabrik zum Bau von High-Tech-Fräsen für die Automobilindustrie erreichtet hat.

VDMA: Fast ein Fünftel der Maschinenbauer streicht Jobs

Angesichts deutlicher Nachfragerückgänge wegen der Krise in der Automobilindustrie sowie der Auswirkungen der Corona-Pandemie in der Luftfahrtbranche sei „eine Neuausrichtung der Chiron-Gruppe unerlässlich“, sagte Chiron Geschäftsführerin Vanessa Hellwing. „Uns ist diese Entscheidung nicht leicht gefallen. Aber wir müssen jetzt handeln, um die Zukunft zu sichern und die Gruppe gestärkt aus der Krise zu führen“, sagte sie.

Ziel sei es, Chiron kurzfristig handlungsfähig zu halten und mittelfristig Wettbewerbsvorteile zu schaffen, um somit möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Chiron gehört zu Hundert Prozent den Düsseldorfer Industriellenfamilien Hoberg und Driesch. 2020 rechnet Chiron mit einem Umsatzeinbruch von 30 bis 35 Prozent im Vergleich zu 2019.

Zukunftstechnologie: Metall-3D-Drucker von Chiron.
Zukunftstechnologie: Metall-3D-Drucker von Chiron. | Bild: Chiron

Chiron reiht sich damit in eine stetig wachsende Zahl von Maschinenbauern ein, die sich von Personal trennen. Eine Umfrage des Branchenverbands VDMA ergab jüngst, dass bundesweit 17 Prozent der Firmen bereits Personal entlassen haben und dabei auch vor Einschnitten bei der Stammbelegschaft nicht zurückschrecken. Im Südwesten haben 74 Prozent der Betriebe Kurzarbeit angemeldet – weit mehr als im Bundesschnitt.

Müssen Hunderte umziehen, um Jobs zu behalten?

Den Südwesten trifft es besonders hart, weil hier überdurchschnittlich viele Firmen vom Automobil abhängen. Insbesondere bei Werkzeugmaschinenherstellern, die in Baden-Württemberg für rund die Hälfte aller Maschinenbauumsätze stehen, ist die Abhängigkeit vom Automobil extrem. Fast 50 Prozent ihrer Erlöse machen die Fräs-, Hon-, Biege- oder Drehspezialisten mit Daimler, VW, BMW und Co. Bei Chiron ist die Abhängigkeit mit rund 60 Prozent am Umsatz sogar noch höher. Ziel des Konzernumbaus ist es daher, andere Geschäftsfelder zu stärken, etwa die Medizintechnik oder den 3D-Druck, heiß es von Chiron.

Teil des Umbaus ist auch der Verkauf der in Alzenau ansässigen Scherer GmbH mit 163 Mitarbeitern, die sich auf Drehmaschinen spezialisiert hat. Vom 380-Mitarbeiter-Standort in Schlierbach nahe Göppingen soll die Produktion abgezogen und nach Neuhausen bei Tuttlingen verlagert werden. Wie viele Mitarbeiter hier betroffen sind und eventuell umziehen müssen, um ihren Job zu behalten, ließ der Chiron-Sprecher offen.

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