Es ist ein Wort, das auf dem Wunschzettel vieler deutscher Unternehmen an den neuen US-Präsidenten zu finden ist: Verlässlichkeit.

Jahrzehnte lang war das nicht einmal erwähnenswert, standen die USA doch politisch fest an der Seite ihres treuesten Verbündeten in Europa. Und auch in wirtschaftlichen Angelegenheiten, schwang man vor dem Hintergrund der Systemkonkurrenz mit der Sowjetunion im Gleichtakt. Diese Zeiten sind zwar schon lange vorbei.

Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender des Motorenbauers Rolls-Royce Power Systems aus Friedrichshafen.
Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender des Motorenbauers Rolls-Royce Power Systems aus Friedrichshafen. | Bild: Robert Hack

Unter Donald Trump aber sind die Gräben offen aufgebrochen. Der US-Präsident hat mit vielen Dingen gebrochen, die sein Vorgänger Barack Obama angeschoben hatte. Er hat den Annäherungskurs an den Iran abgebrochen, das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt, mit China einen Handelskrieg und mit Europa einen Steuerwettbewerb entfacht. Und Russland will er politisch im Spiel halten, wirtschaftlich aber ins Abseits drängen. Immer fordert er Gefolgschaft ein, wer anders entscheidet, muss mit Sanktionen rechnen.

Uwe Burkert ist Chefs-Volkswirt der größten Landesbank Deutschlands – der Stuttgarter LBBW.
Uwe Burkert ist Chefs-Volkswirt der größten Landesbank Deutschlands – der Stuttgarter LBBW. | Bild: Deinzer

All das hat die deutsche Wirtschaft zutiefst verunsichert. Und es hat sie Marktchancen gekostet. Schon jetzt sei zu erkennen, dass für die hiesige Exportindustrie Europa gegenüber den USA und China an Bedeutung gewinne, schlicht weil es als sicherer Hafen gelte, sagt beispielsweise der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Uwe Burkert.

Deutschland igelt sich ein

Anders ausgedrückt: Deutschland weiß sich nicht anders zu helfen, als sich einzuigeln. Für ein Land, dessen Volkswirtschaft so offen und auf Handel angewiesen ist wie keine andere weltweit, ist das keine gute Nachricht. Mittlerweile sei es die fehlende Rechtssicherheit auf dem US-Markt, die Investitionen dort hemme, sagt Burkert.

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„Darf man ein in China gefertigtes Autoteil in einem US-Werk in ein deutsches Fahrzeug einbauen, ohne Gefahr zu laufen sanktioniert zu werden?“ So ähnlich lauten die Fragen, die sich hiesige Firmenlenker stellen. Unter Trump konnte man das fast täglich neu entscheiden.

Angriff aufs Geschäftsmodell

Trumps politischer Schlingerkurs – er schlägt voll auf das globalisierte Geschäftsmodell der deutschen Unternehmen durch.

Getriebe-Montage bei ZF: Der Konzern hat auch Werke in den USA
Getriebe-Montage bei ZF: Der Konzern hat auch Werke in den USA | Bild: Felix Kästle, dpa

Daher wünschen sie sich endlich klare Verhältnisse, mit oder ohne Trump. „Ein Mindestmaß an Planungssicherheit, wie man sich in den nächsten vier Jahren auf die US-Administration einstellen kann“, fordert etwa der Vorstandschef des Friedrichshafener Motorenbauers RRPS, Andreas Schell, ein. Und ergänzt: „Wer immer das Rennen macht, es wäre gut, wenn die EU wieder ein relevanterer Partner wird.“

Und auch beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen habe man ein „hohes Interesse an einer verlässlichen und kooperativen US-Politik“, wie ein Firmensprecher sagt. Das gelte unabhängig von Personen.