Nach gut zwei Jahren Bauzeit hat der US-Konzern Tesla am Dienstag seine erste europäische Autofabrik vor den Toren Berlins eröffnet. Unternehmenschef Elon Musk kam zu seiner „Gigafactory“ in Grünheide, um die ersten Tesla-Elektroautos aus deutscher Produktion an Kunden zu übergeben. Die Bundesregierung und das Land Brandenburg feiern das Milliardenprojekt mit künftig 12.000 Mitarbeitern und einer Zielmarke von jährlich 500.000 Autos als Signal.

Kanzler Scholz und Wirtschaftsminister Habeck sind begeistert

„Elektromobilität wird die Mobilität der Zukunft prägen“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz. Das Projekt zeige: „Deutschland kann schnell sein.“ Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte, dies sei ein besonderer Tag für die Mobilitätswende. Tesla habe sich für Deutschland entschieden, weil das Unternehmen hier den Leitmarkt für Elektromobilität erwarte. Das sei auch sein Ziel, sagte der Minister. Er freue sich, dass die Abkehr vom Öl damit neuen Schub bekomme.

„Danke Deutschland“ twitterte Telsa-Chef Elon Musk heute als Reaktion auf die Eröffnung der Fabrik in Grünheide.
„Danke Deutschland“ twitterte Telsa-Chef Elon Musk heute als Reaktion auf die Eröffnung der Fabrik in Grünheide. | Bild: Patrick Pleu/dpa

Tesla-Gründer Musk sagte mit Blick auf den Klimawandel, das Problem werde gelöst werden. Diese Fabrik sei ein großer Schritt dorthin. Der 50-Jährige twitterte zudem „Danke Deutschland!!“ und versah seine Kurznachricht mit vier Bundesflaggen.

Bewohner haben Sorge um die Trinkwasserversorgung vor Ort

Umweltschützer protestieren hingegen weiter gegen das Megaprojekt, vor allem aus Sorge um die Versorgung mit Trinkwasser in der Region. Bedenken und Einwendungen im Verfahren seien ignoriert und „Recht gebeugt“ worden, erklärte die Bürgerinitiative Grünheide. Tonnenschwere Tesla-Elektroautos seien in Produktion, Nutzung und Entsorgung „alles andere als klimafreundlich“.

Mehrere Bürgerinitiativen demonstrierten am Tag der Eröffnung gegen die neue Tesla-Fabrik in Brandenburg. Sie befürchten wegen des ...
Mehrere Bürgerinitiativen demonstrierten am Tag der Eröffnung gegen die neue Tesla-Fabrik in Brandenburg. Sie befürchten wegen des großen Wasserbedarfs des Werks eine Trinkwasserknappheit in der Region. | Bild: Carsten Koall/dpa

Musk hatte die Milliardeninvestition in der Nähe von Berlin im November 2019 angekündigt und im Februar 2020 mit dem Bau begonnen. Tesla verließ sich dabei zunächst auf vorzeitige Zulassungen des Landes Brandenburg. Ursprünglich wollte Musk schon ab Mitte 2021 in Grünheide produzieren. Die Genehmigung dauerte länger als geplant, unter anderem weil Tesla eine Batteriefabrik erst nachträglich anmeldete. Diese ist noch im Bau.

Habeck lobt kurze Baudauer

Die endgültige Genehmigung für die Anlage – Tesla spricht von Produktionseinheiten auf einer Gesamtfläche von über 227.000 Quadratmetern und Investitionen in einstelliger Milliardenhöhe – kam erst vor rund zwei Wochen, als bereits der Probebetrieb lief. Auflagen versuchte Tesla rasch abzuarbeiten. Nach Konzernangaben sind in Grünheide bereits mehr als 3.000 Menschen tätig. Nach weiteren Mitarbeitern in Dutzenden Sparten wird gesucht.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck lobte Elon Musk für sein Vorgehen beim Bau der Fabrik.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck lobte Elon Musk für sein Vorgehen beim Bau der Fabrik. | Bild: Patrick Pleul/dpa

Grünen-Politiker Habeck sagte: „Diese kurze Zeit des Fabrikbaus kann natürlich ein bisschen auch eine Maßgabe sein für Tesla-Tempo auch in anderen Bereichen.“ Musks Vorgehen lobte er als „eine andere Unternehmens-Wagemut-Kultur“. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, jubelte auf Twitter: „Im Osten geht was!“

Woidke: Positive Wirkung für ganz Ostdeutschland

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach im Deutschlandfunk von einer positiven Wirkung für ganz Ostdeutschland. Landeswirtschaftsminister Jörg Steinbach zeigte sich im RBB-Inforadio stolz, dass Brandenburg allen „ein Schnippchen geschlagen“ habe. Beide Politiker wiesen Umweltbedenken zurück.

In der sogenannten Gigafactory in Grünheide sollen jährlich 500.000 Fahrzeuge produziert werden.
In der sogenannten Gigafactory in Grünheide sollen jährlich 500.000 Fahrzeuge produziert werden. | Bild: Patrick Pleul/dpa

Produziert wird in Grünheide zunächst das Model Y Performance, ein etwa zwei Tonnen schwerer Mittelklassewagen mit einer offiziellen Reichweite von gut 500 Kilometern. Den Einstiegspreis gibt das Unternehmen mit 63.990 Euro an. Die neue Fabrik setzt deutsche Hersteller unter Druck. Auch sie setzen aber inzwischen stark auf Elektroautos und haben vergleichbare Modelle am Start. (dpa)