Die Großbäckerei Sternenbäck steht kurz vor dem Abschluss ihrer Insolvenz. Man hoffe darauf, dass das zuständige Amtsgericht in Hechingen das Insolvenzverfahren „noch in diesem Jahr“ aufhebe, sagte der Sprecher der Sternenbäck-Geschäftsleitung, Roland Brückmann, dem SÜDKURIER. Nachdem die Sternenbäck-Gläubiger die Insolvenzpläne am vergangenen Mittwoch durchgewunken hatten, gilt der Schritt als Formalie. Der Weg sei nun frei für den Neuanfang, sagte Brückmann.

Fast kein Absatz von Snacks und Kuchen in der Krise

Die in Hechingen ansässige Großbäckerei hatte Ende Mai Gläubigerschutz und später Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Grund waren laut Unternehmen „dramatische Umsatzeinbrüche“ in den Filialen aufgrund der Corona-Krise. Während Bäckereien im Lockdown weiter ihre Produkte verkaufen konnten, war der Absatz von Kuchen, Snacks oder Getränken in den angeschlossenen Cafés unmöglich. Das habe zu einem Einbruch bei den Erlösen zwischen 40 und 70 Prozent geführt, sagte Bruckmann.

45 Filialen weg, knapp 220 Mitarbeiter mussten gehen

Eine im September eingeleitete Restrukturierung soll nun das Blatt wenden, sieht aber auch harte Einschnitte vor. Von vorher 215 Bäckerei-Filialen wurden 45 geschlossen, darunter auch in Messkirch, Pfullendorf, Radolfzell, Schramberg sowie zwei Standorte in Villingen-Schwenningen. Von 217 seiner bislang gut 1600 Mitarbeiter hat sich das Unternehmen getrennt.

Der Kahlschlag betrifft maßgeblich Standorte, die zu weit vom zentralen Back-Standort Hechingen entfernt sind, etwa das Gebiet westlich der Autobahn 81, dasjenige entlang der Autobahn 8 sowie Stuttgart. Dazu seinen Filialen betroffen, die schon vor Corona „wirtschaftlich auf der Kippe standen“.

Vegetarisch und vegan

Im nun entstehenden Kernbereich auf der Schwäbischen Alb bis zum Bodensee will das Unternehmen indes auch neue Filialen eröffnen. Dazu kommt ein neues Verkaufskonzept, das unter anderem vorsieht, während der gesamten Öffnungszeit durchgängig frische Backwaren und Snacks anzubieten. Zudem sollen mehr vegetarische, vegane sowie Bioprodukte in Sortiment Einzug halten.

Bei Sternenbäck trifft die Insolvenz insbesondere die Filialen im Schwarzwald, hier ein Standort in Villingen.
Bei Sternenbäck trifft die Insolvenz insbesondere die Filialen im Schwarzwald, hier ein Standort in Villingen. | Bild: Matthias Jundt

Die 1766 aus einem Hechinger Gasthaus entstandene Großbäckerei ist neben Konkurrenten wie Sehne, Veit oder Treiber einer der regionalen Marktführer in Baden-Württemberg. Branchenprimus ist hier die Edeka-Tochter K+U. Im Südwesten erzielte Sternenbäck zuletzt rund 30 Millionen Euro Umsatz, was rund einem Drittel des bundesweiten Geschäfts entspricht. Insgesamt ist Sternenbäck in sechs Bundesländern aktiv und unterhält im thüringischen Gera oder Spremberg in Brandenburg weitere Großbäckereien.

Bei dem jetzt kurz vor dem Abschluss stehenden Insolvenzverfahren kommen die meisten Gläubiger mit vergleichsweise geringen Blessuren davon. Die Insolvenzquote, also der Anteil des eingesetzten Kapitals, den die Gläubiger zurückerhalten, liege je nach Gesellschaft zwischen 13 und 40 Prozent, sagte Brückmann. Lediglich in einem Geschäftsteil betrage die Quote ein Prozent.