Der südbadische Sensor-Weltmarktführer Sick startet mit vollen Büchern ins neue Jahr, sieht aber große Unwägbarkeiten für die kommenden Monate. Die Versorgung mit Halbleitern sei auch für Sick eine „ganz, ganz große Herausforderung“, sagte Firmen-Vorstandschef Robert Bauer am Mittwoch in Waldkirch. Das Klima unter den Einkäufern am Beschaffungsmarkt für Elektronikbauteile sei „extrem rau“.

Sick-Vorstandschef Robert Bauer: Forschungsausgaben hoch gehalten
Sick-Vorstandschef Robert Bauer: Forschungsausgaben hoch gehalten | Bild: SICK AG | Dschafar El Kassem

Zwar sei es Sick in den vergangenen Monaten gelungen, die Teileversorgung aufrechtzuerhalten, etwa weil man die Lagerhaltung früh ausgeweitet habe. Allerdings verzeichne man aktuell „eine deutliche Verschärfung der Beschaffungssituation“. Im Moment tue man alles, um die Versorgung mit Halbleitern auch im laufenden Jahr zu sichern, sagte Bauer.

In der Chip-Krise heißt es Mittelständler gegen Konzerne

Die sogenannte Chip-Krise war im zweiten Halbjahr 2020 ausgebrochen. Weil der Automarkt dramatisch eingebrochen war, begannen Chip-Riesen wie Samsung oder TSMC ihre Bauteile an neue Kunden im boomenden Elektronik- und Computergeschäft zu liefern. Deutlich schneller als erwartet zog die Autonachfrage im Herbst 2020 dann aber wieder an.

Damit wuchs auch der Bedarf der Autohersteller an Chips rasant. „Die Autobauer haben die Lage völlig unterschätzt und während der Corona-Krise nicht bestellt“, sagte Bauer. Jetzt drängten sie mit Macht zurück in den Markt. Auf der Strecke blieben dabei oft Mittelständler, deren Verhandlungsposition schwächer sei als jene der Konzerne.

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Die Lage verschärft sich derzeit indes so, dass auch Großunternehmen radikale Maßnahmen treffen müssen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Daimler erneut mehrere Tausend Mitarbeiter in seinen Werken in Rastatt und Bremen in Kurzarbeit schickt. Grund ist der fehlende Nachschub bei Chips.

Währungsschwankungen kosten 34 Millionen Euro Umsatz

Die Auswirkungen der Corona-Krise haben ansonsten aber keine größeren Spuren bei Sick hinterlassen. 2020 gelang es dem Unternehmen, das in der Industrieautomation eine führende Rolle einnimmt, seinen Gewinn um fast acht Prozent auf mehr als Hundert Millionen Euro zu steigern.

Bild: Kerstan, Stefanie

Der Umsatz blieb mit rund 1,7 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant. Und das obwohl Währungsschwankungen weltweit die Erlöse mit rund 34 Millionen Euro belasteten, die Sick-Finanzchef Markus Vatter sagte. Gleiches gilt für den Auftragseingang, der mit etwa 1,73 Milliarden Euro zum Jahresende ein gutes Polster für die kommenden Monate ist.

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2021 will Sick weiter wachsen. Sowohl beim Umsatz als auch bei der Profitabilität will man im „mittleren einstelligen Prozentbereich“ zulegen.

Online-Handel beflügelt den Sensor-Spezialisten indirekt

2020 haben Logistikdienstleister Sick beflügelt. Ihnen liefern die Badener Sensoren, die Materialflüsse in Versandzentren, etwa von Onlinehändlern, verbessern helfen. Mit in die Karten gespielt habe Sick, das in der Region in Donaueschingen und in Überlingen zwei Werke mit insgesamt rund 550 Mitarbeitern hat, dabei der rasante Anstieg des Paketvolumens in der Vorweihnachtszeit, hieß es. Viele Bürger bestellten damals im Internet, weil die Läden wegen des Lockdowns geschlossen waren. Sick greift bei seinen Sensoren immer stärker auf künstliche Intelligenz (KI) zurück.

Künstliche Intelligenz in Sensoren

Diese steuern mittlerweile auch autonom fahrende Transportfahrzeuge in Industriewerken. KI werde in Sick-Produkten „in der Breite“ eingesetzt und unterstütze das Wachstum, sagte Sick-Chef Bauer.

Arbeiten wie man will – zwischen 0 und 24 Uhr

Um den Mitarbeitern in der Corona-Krise entgegenzukommen und beispielsweise die Kinderbetreuung zu vereinfachen, hat der Mittelständler die Arbeitszeiten für etwa 5400 seiner in Deutschland Beschäftigten nach Absprache mit dem Betriebsrat vollständig flexibilisiert. „Es gibt keine Vorgabe, wann gearbeitet wird. Das wird sehr geschätzt“, sagte Bauer. Wenn der Softwareingenieur beispielsweise abends oder nachts arbeiten wolle, sei das möglich und können Abteilungsintern abgestimmt werden.