In der Corona-Krise haben Reiche und Superreiche offenbar nicht auf Annehmlichkeiten verzichtet und sind weiterhin fleißig in den Urlaub geflogen. Allerdings nicht mehr mit Linienmaschinen, sondern mit Business- und Privatjets. Ab Mitte 2020 hätten plötzlich „viel mehr Privatkunden als früher“ Jets gechartert oder gar gekauft als vor der Corona-Krise, sagte Nicolas von Mende, Vorstandschef von Atlas Air Service (AAS), der europäischen Marktführer für Service-Dienstleistungen für Business-Jets, am Rande der Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen.

Mit dem Jet zur Yacht vor Olbia

Vor der Corona-Krise seien die Atlas-Kunden zu 80 Prozent Geschäftsleute und Unternehmen gewesen. Nur rund jeder fünfte Jet sei von Privatleuten gebucht oder gekauft worden. „Heute verteilt sich das eher 50 zu 50“, sagte von Mende.

In den vergangenen zwei Jahren habe es immer mehr Menschen gegeben, die sich ein Privatflugzeug gechartert hätten, um damit „auf ihre Finca nach Mallorca oder zu ihrer Yacht nach Olbia zu fliegen“, sagte der Luftfahrt-Manager. Sein eigenes Unternehmen habe daher in der Corona-Krise „keinen Einbruch gespürt“.

Am Flughafen Shanghai stehen Geschäftsreiseflugzeuge der US-amerikanischen Firma Gulfstream. Sie gehören zu den edelsten Privat-Jets.
Am Flughafen Shanghai stehen Geschäftsreiseflugzeuge der US-amerikanischen Firma Gulfstream. Sie gehören zu den edelsten Privat-Jets. | Bild: ANDY WONG

Atlas-Air-Service wartet in Deutschland nach eigenen Angaben rund 50 Prozent der etwa 700 Flugzeuge umfassenden Privat-Jet-Flotte. Zudem besitzt das in Bremen, Stuttgart und im Schweizerischen Altenrhein beheimatete Unternehmen eine eigene Flugzeugflotte und verkauft Privatjets.

10.000 Euro für die Strecke Stuttgart Nizza und zurück

Vor 2020 habe es sehr viele Menschen gegeben, die sich einen Privatjets zwar hätten leisten können, es aber nicht taten. Die Corona-Krise, die insbesondere im Linienverkehr von Flugzeugen zu massiven Einschränkungen geführt habe, habe dies geändert. „Viele haben sich damals mit der Idee eines Privatjets angefreundet“, sagte von Mende. Zudem habe es wenig anderweitige Alternativen gegeben, Geld auszugeben. Daher seien auch die Verkäufe von Privatjets in der Krise gestiegen.

In Europa steuere man derzeit in Richtung USA, wo anteilig rund vier mal mehr Privatleute für den Urlaub oder den Einkaufstrip Jets eigene nutzten als diesseits des Atlantiks. Das muss man sich indes leisten können. Ein Trip von Stuttgart nach Nizza und wieder zurück im Privatjet kostet laut von Mende etwa 10.000 Euro.

Im Hangar der Atlas Air Service AG stehen in Bremen Maschinen, die gewartet und repariert werden. Bei Atlas boomt das Geschäft.
Im Hangar der Atlas Air Service AG stehen in Bremen Maschinen, die gewartet und repariert werden. Bei Atlas boomt das Geschäft. | Bild: Carmen Jaspersen

Nach Daten des europäischen Flugzeug-Herstellerverbands Gama sind im Jahr 2021 rund zehn Prozent mehr Flugzeuge – Linien- und Ferienchartermaschinen ausgenommen – verkauft worden als im Vorjahr. „Wir hatten ein richtig gutes Jahr“, sagte Gama-Vize-Präsident Kyle Martin auf der Aero. Das größte Problem sei es derzeit gut ausgebildete Piloten und Techniker zu finden. Der Krieg in der Ukraine wirke sich indes negativ auf die Branchen-Konjunktur aus. Auch von Mende sagt: „Die Kunden aus Russland und der Ukraine sind weg“. Das sei deutlich spürbar, etwa was die Wartungsaufträge angehe.

Geschäft mit Oligarchen fällt weg

Traditionell lassen Oligarchen und reiche Osteuropäer ihre Privatmaschinen im Westen technisch warten, etwa in den USA oder in Deutschland. Nahezu alle führenden Hersteller von Privat- und Businessjets, etwa Gulfstream, Cessna oder Embraer, kommen sind westliche Hersteller.