Nach einer zügigen Zunahme der Neuaufträge blickt der Südwest-Maschinenbau deutlich zuversichtlicher auf die kommenden Monate als noch zu Jahresbeginn. Es bestehe die reelle Chance, den Vorkrisen-Umsatz von 2019 bereits 2022 wieder zu erreichen, sagte der Geschäftsführer des Südwest-Maschinenbauerverbands VDMA, Dietrich Birk, am Mittwoch. Bislang war die Branche von einer deutlich langsameren Erholung erst im Jahr 2023 oder 2024 ausgegangen.

Dietrich Birk ist langjähriger Geschäftsführer des VDMA im Südwesten.
Dietrich Birk ist langjähriger Geschäftsführer des VDMA im Südwesten. | Bild: Bernd Weissbrod

Dennoch hat beschäftigungsstärkste Industriebranche Baden-Württembergs einiges aufzuholen. Im Coronajahr 2020 sanken die Umsätze der Maschinenbauer um neun Prozent auf knapp 76 Milliarden Euro. Die heimische Produktion sank sogar um stattliche 13 Prozent. Die Einbrüche seien dennoch weniger stark gewesen, als in der Wirtschafts- und Finanzkrise vor gut einem Jahrzehnt, sagte Birk.

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Derzeit hellt sich die Lage erstaunlich zügig wieder auf. Im März zogen die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahresmonat um 28 Prozent an. Und auch im Quartalsvergleich stand unter dem Strich Ende März 2020 immer noch ein deutliches Plus von 20 Prozent. Erfreulich ist, dass zuletzt auch wieder mehr Aufträge aus dem Heimatmarkt hereinkamen. Die Zuwächse sind hier sogar größer als diejenigen im Exportgeschäft.

Mathias Kammüller ist Geschäftsführer bei Trumpf aus Ditzingen und Vorsitzender des VDMA Baden-Württemberg
Mathias Kammüller ist Geschäftsführer bei Trumpf aus Ditzingen und Vorsitzender des VDMA Baden-Württemberg | Bild: Marijan Murat

Dennoch sind die Ausfuhren entscheidend für die Branche. Der Anteil der Exporte am Umsatz liegt bei durchschnittlich 80 Prozent. In den vergangenen Monaten war es – wie nahezu überall in der Industrie – der chinesische Markt, der für die Unternehmen zum Stabilitätsanker wurde. China bleibe die Wachstumslokomotive, sagte der Vorsitzende des VDMA im Südwesten, Mathias Kammüller.

China und USA treiben Wachstum

Das Land, das nach den USA der zweitgrößte Absatzmarkt für den Südwest-Maschinenbau ist, sei am schnellsten aus der Krise gekommen. Allerdings hindern Handelsbeschränkungen manche Unternehmen derzeit, in China Vollgas zu geben. Der Maschinenbauer Trumpf kann derzeit beispielsweise Hochleistungs-Laser für die Chip-Produktion nicht nach China exportieren. VDMA-Chef Kammüller, der gleichzeitig Digital-Chef bei dem Ditzinger Unternehmen ist, forderte daher von Bund und EU mehr Engagement für ein neues Handelsabkommen mit den USA. Dieses könnte auch die Voraussetzung dafür schaffen, dass deutsche Firmen stärker als bislang von dem billionenschweren Infrastrukturprogramm profitieren, das die neue Biden-Regierung aufgelegt hat.

Trotz der besseren Aussichten geben die VDMA-Chefs keine generelle Entwarnung. 2021 sei noch mit „großen Unsicherheiten“ verbunden, sagte Kammüller und Birk ergänzte: „Wir sind noch nicht im Normalzustand.“

Materialbeschaffung macht immer noch erhebliche Probleme

Zu schaffen macht den Unternehmen etwa Probleme mit der Materialversorgung. Fast 85 Prozent der Firmen rechnen hier in den kommenden Monaten mit Beeinträchtigungen. Zwar sei man von den weltweiten Nachschubproblemen bei Chips und Elektronikbauteilen nicht so stark getroffen wie etwa die Automobilhersteller, längere Lieferzeiten und höhere Preise seien aber ein Problem. Um die Bänder am Laufen zu halten käme es teils zu „verrückten Auswüchsen“, sagte Kammüller. Einzelne Firmen ließen beispielsweise Stahl aus China einfliegen, um die Produktion nicht unterbrechen zu müssen.

Azubi-Bewerbungen gehen teils drastisch zurück

Zu einer Wachstumsbremse könnte sich auch der Fachkräftemangel entwickeln. Man habe in wichtigen Ausbildungsberufen viel zu wenige Bewerber, hieß es. Insbesondere technische Fachrichtungen seien von den Firmen stark nachgefragt.

Als Jobmotor wird der Maschinenbau 2021 ausfallen. „Wenn wir den aktuellen Beschäftigungsstand von knapp 340.000 Menschen halten können, wäre das schon ein Riesenerfolg“, sagte Birk. Ende 2019 arbeiteten 352.000 Menschen im Südwest-Maschinenbau.