Mehrere Jahre vor seinen wichtigsten Konkurrenten will Deutschlands drittgrößter Energieversorger EnBW den CO2-Ausstoß seiner Kraftwerke und der gesamten Verwaltung auf Null senken. Man strebe die Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 an, teilte der in Karlsruhe ansässige Konzern am Dienstag mit. In einem ersten Schritt solle der Treibhausgasausstoß der EnBW bis 2030 halbiert werden. „Wir werden jede Entscheidung und jede Investition“ konsequent an Kriterien der Nachhaltigkeit ausrichten, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux.

Papierverbrauch soll fast vollständig wegfallen

Insgesamt hat die ehemals stark Atomstrom-lastige EnBW 25 Maßnahmen definiert, mit denen der Übergang zum Null-Emissions-Unternehmen bewerkstelligt werden soll. Dazu gehören die Stilllegung beziehungsweise die Umstellung der verbliebenen Kohlekraftwerke auf alternative Brennstoffe, aber auch kleinere Maßnahmen wie die Einschränkung von Dienstreisen, der nachhaltige Betrieb von Kantinen oder die Reduktion des Papierverbrauchs um 90 Prozent innerhalb der kommenden fünf Jahre.

EnBW-Chef Frank Mastiaux trimmt den Konzern seit 2012 auf Nachhaltigkeit.
EnBW-Chef Frank Mastiaux trimmt den Konzern seit 2012 auf Nachhaltigkeit. | Bild: Marijan Murat, dpa

Durch die neue Nachhaltigkeitsstrategie, die der Aufsichtsrat schon abgesegnet hat, will die EnBW deutlich schneller grün werden als die maßgebliche Konkurrenz von Eon und RWE, die entsprechende Schritte bis 2040 angekündigt hat.

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Dass der baden-württembergische Staatskonzern vorne ist, geht maßgeblich auf Firmenchef Frank Mastiaux zurück, der den Versorger seit seinem Amtsantritt im Jahr 2012 auf Erneuerbare Energien, das Netzgeschäft sowie neue Geschäftsfelder wie den Breitbandausbau ausrichtet. Rund ein Drittel der installierten Leistung besteht mittlerweile aus Wind- und Solarkraftwerken. Flankiert wird der Kurs allerdings auch vom staatlich verordneten Kohleausstieg. Bis 2038 soll das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland abgeschaltet sein.

Kohleausstieg kostet Jobs

Dass die EnBW 2035 komplett CO2-neutral aufgestellt sein will, bedeutet indes nicht, dass zu diesem Zeitpunkt schon alle ihre fossilen Kraftwerke still stehen. In einer Übergangsphase ab dem Jahr 2030 sei es nötig, den verbleibenden Rest-Ausstoß an CO2 zu kompensieren, sagte eine EnBW-Sprecherin. Das geschieht im Normalfall durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten, die genau jene Mengen CO2 binden, die zuvor an anderer Stelle ausgestoßen wurden. Langfristig sollen die verbleibenden Meiler aber auf grüne – also nachhaltig erzeugte – Gase wie Wasserstoff umgestellt werden.

Der Energiekonzern EnBW und der schleswig-holsteinische Windenergie-Anlagenhersteller Aerodyn testen schwimmende Windräder in der Ostsee.
Der Energiekonzern EnBW und der schleswig-holsteinische Windenergie-Anlagenhersteller Aerodyn testen schwimmende Windräder in der Ostsee. | Bild: Jens Büttner, dpa

Der Kohleausstieg indes wird nach EnBW-Angaben mit dem Abbau von Arbeitsplätzen verbunden sein. Etwa 1200 Menschen arbeiten derzeit in den Kraftwerken, die meisten in Baden-Württemberg. Das Unternehmen sei jedoch festen Willens, Auswirkungen auf die Mitarbeiter durch neue Arbeitsplätze in Wachstumsbereichen und Umqualifizierungen auszuschließen, hieß es. Programme zum freiwilligen Ausscheiden aus dem Unternehmen soll es -Stand jetzt – nach Angaben der EnbW-Sprecherin nicht geben.

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