Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen wird künftig fast alle Elektroautos des Volkswagen-Konzerns mit neuartigen Bremssystemen ausstatten. Wie ZF am Dienstag mitteilte, umfasse der Großauftrag mehrere Millionen Fahrzeuge, darunter den neuen Volks-Stromer ID3 und den Klein-SUV ID4. Wie viel Geld der Abschluss ZF in die Kassen spülen wird, sagt der Konzern indes nicht.

22 Millionen Fahrzeuge sind geplant

Nach ZF-Angaben soll das System serienmäßig im gesamten Modularen-E-Antriebs-Baukasten (MEB) des Wolfsburger Konzerns eingebaut werden. Der MEB ist die zentrale Plattform der E-Offensive von Volkswagen. Auf ihr will der Konzern bis 2028 rund 22 Millionen E-Fahrzeuge in 70 Modellfamilien an den Start bringen. Nur Kleinwägen wie der VW E-Up und Luxuskarossen, etwa von Porsche, laufen auf anderen Plattformen. Damit dürfte die ZF-Technologie künftig in allen Elektro-Volumenmodellen der Wolfsburger zu finden sein – neben VW also auch in Skodas, Seats sowie in kleineren Audis. Volkswagen festigt damit neben BMW seinen Status als einer der Hauptabnehmer für Produkte vom Bodensee.

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System ermöglicht E-Autos mehr Reichweite

Die neue ZF-Technologie ermöglicht laut dem Hersteller besondere Sicherheitsfunktionen wie automatisierte Notbremsungen oder das selektive Abbremsen einzelner Räder und ist zentral beim Rekuperieren von Energie. Letzterem kommt bei E-Autos zentrale Bedeutung für die Reichweiten zu. Beim Rekuperieren wird Energie in den Akku rückgespeist. Unter bestimmten Umständen könne die Reichweite so um bis zu 15 Prozent gesteigert werden, sagte eine ZF-Sprecherin.

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ZF-Chef Wolf-Henning Scheider sagte, der Auftrag zeige, wie ZF-Technik einen Beitrag leiste, die Reichweite sowie Komfort- und Sicherheit von Elektrofahrzeugen zu erhöhen.

Gefertigt wird auch in Polen

Gefertigt werden die Bremssysteme allerdings nur zum Teil in Deutschland. Ein zentrales Element kommt aus dem polnischen Gliwice, ein weiteres aus dem ehemaligen TRW-Werk in Koblenz. Hier wurde die Technologie auch entwickelt.

Wolf-Henning Scheider ist Vorstandschef beim Stiftungskonzern vom Bodensee. Diesen muss er für das E-Zeitalter fit machen.
Wolf-Henning Scheider ist Vorstandschef beim Stiftungskonzern vom Bodensee. Diesen muss er für das E-Zeitalter fit machen. | Bild: Felix Kästle, dpa

Der Auftrag ist wichtig für die Transformation des einst sehr Mechanik-lastigen Zulieferers zum Systemlieferanten für Elektronik- und Sicherheitsbauteile. Außerdem steht ZF wirtschaftlich unter Druck. Die Verschuldung ist hoch, bis zu 15.000 Jobs sollen weltweit abgebaut werden.