Kontaktarme Zeiten verändern auch das Verhalten der Kunden an der Supermarktkasse. Um sich vor Infektionen zu schützen, zahlen immer mehr Kunden der Volksbank Konstanz kontaktlos ohne Bargeld, sagte Vorstandsmitglied Sabine Meister bei der Bilanzpressekonferenz. Vor allem für junge Menschen sei das ein großes Thema.

„Der Bedarf an digitalem Bezahlen hat zugenommen“, betonte auch Vorstandsmitglied Martin Schuhmacher. Der Anteil des Mobile Banking ist zwar immer noch gering, stieg in 2020 aber von 2 auf 6,5 Prozent. Vielerorts seien die Mindestbeträge für bargeldloses Bezahlen weggefallen, was auch den Zuwachs erkläre.

Nachfrage nach Bargeld sinkt, Bezahlungen werden digital

Die Nachfrage nach Bargeld sei indessen gesunken. Lag der Baranteil bei Bezahlungen im Jahr 2019 noch bei über der Hälfte, sank er 2020 auf 47 Prozent. Aktuell liegt er nach Angaben der Bank bei 36 Prozent. Auch die Selbstbedienungsgeräte in den Filialen für Überweisungen würden 30 Prozent weniger genutzt. Im Gegenzug habe das Online-Banking einen Zuwachs von 17 Prozent erfahren.

Auch wenn sich einige Aktivitäten in die digitale Welt verlagern, ist eine Verkleinerung des Filialnetzes derzeit nicht geplant, sagt Sabine Meister. Wichtig sei es, für die Menschen vor Ort da zu sein und auch persönliche Beratungsgespräche anzubieten.

Bilanzsumme erhöht sich

Trotz Corona konnte die Volksbank ihre Bilanzsumme um 9,3 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro steigern. „Als Partner des Mittelstands sind wir gerade während der Pandemie gefragt“, betonte Martin Schuhmacher. Die Unternehmenskredite, die zur Unterstützung aber auch für Investitionen dienten, nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 9,8 Prozent auf 372 Millionen Euro zu.

Mehr Kredite für Immobilien

Der Immobilienboom führte dazu, dass trotz Krise viele Menschen in neues Wohneigentum investierten oder bestehende Immobilien modernisierten. Das führte zu einem Anstieg der Privatkredite um 7,2 Prozent auf 724 Millionen Euro. Insgesamt erreichte das Kreditvolumen eine Summe von 1,26 Milliarden Euro. Das Eigenkapital konnte auf 149,8 Millionen Euro gesteigert werden.

Geld für ausgefallene Urlaube wird angelegt

Außerdem legten auch mehr Kunden Geld zur Seite, da wegen der Pandemie Urlaube nicht möglich waren, ebenso wie Restaurantbesuche oder größere Shoppingtouren. Die Kundeneinlagen stiegen auf 976 Millionen Euro. Das waren 7,9 Prozent mehr als 2020.

„Natürlich hat die Corona-Krise unser Geschäft beeinflusst“, berichtet Martin Schuhmacher. So fiel der Jahresüberschuss mit 2 Millionen Euro ähnlich hoch aus, wie der vom Vorjahr. 2,3 Millionen Euro gingen an Krediten durch die Krise verloren. Schuhmacher wies darauf hin, dass es sich um Unternehmen handelte, die schon 2019 in einer angespannten Situation gewesen seien und durch die Krise die Kredite nicht mehr bedienen konnten.

Prognose für 2021 mit vielen Unsicherheiten

Für das laufende Jahr fällt der Ausblick verhalten optimistisch aus. In der Region gebe es viel Hotellerie und Gastronomie und viele seien von der Krise extrem betroffen. Viel hänge vom Infektionsgeschehen ab, sagt Sabine Meister. „Wenn die Zahlen weiter so hoch bleiben auch in den Sommermonaten, werden die Betriebe nicht wieder öffnen können. Davon wären wir sehr betroffen.“

„Wir hoffen, dass wir so gut wie wir durch 2020 gekommen sind, auch durch 2021 kommen“, sagte Sabine Meister. Doch wie so viele Unternehmen, würden auch sie derzeit auf Sicht fahren. „Wir können nur wachsam bleiben.“ Wichtig sei mit den Kunden im Gespräch zu bleiben. „Die Lage bleibt extrem angespannt und undurchsichtig“, ergänzt Martin Schuhmacher. „Aber unsere Grundstimmung ist positiv, da wir in einer reichen Region leben.“