Gnadenlos werden Millionen Sparer derzeit in die Zange genommen. Die Politik des billigen Geldes hat den Einlagenzins eliminiert. Oft verlangen Banken und Sparkassen sogar Geld dafür, dass man ihnen sein Geld anvertraut. Zudem schießt die Inflation, getrieben durch hohe Energiepreise und Knappheit auf den Gütermärkten in die Höhe. Gut fünf Prozent beträgt die Geldentwertung in Deutschland derzeit. Seine Schäfchen ins trockene zu bringen, wird da immer schwerer. Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gibt Antworten auf klassische Fragen, die sich der deutsche Sparer stellt:

Ich habe 200.000 Euro auf Sparbüchern, Giro- und Festgeldkonten quasi zinslos angelegt. Jetzt habe ich ein Schreiben meiner Bank bekommen, dass ab 2022 Verwahrentgelte erhoben werden (Negativzins). Wohin mit meinem Geld?

Es gibt nach wie vor Banken in Deutschland, die Zinsen bezahlen statt Verwahrentgelte zu kassieren. Bei Festgeld müssen Sie das Geld nur für wenige Monate fest anlegen, bei Sparbriefen vereinbaren Sie für einige Jahre einen festen Zins. Meist handelt es sich um Direktbanken, bei denen Sie Ihr Konto via Internet, App oder Telefon führen. Sie müssen sich auch keine Gedanken über die Sicherheit machen, solange Sie darauf achten, dass Ihr Geld bei einem Kreditinstitut angelegt wird, dessen Einlagen über eine gesetzliche Einlagensicherung abgesichert sind.

Das Sparschwein erlebt eine Renaissance, denn wer sein Geld auf die Bank bringt, bekommt meist keinen Zins. Mehr noch: Oft werden Verwahrentgelte fällig.
Das Sparschwein erlebt eine Renaissance, denn wer sein Geld auf die Bank bringt, bekommt meist keinen Zins. Mehr noch: Oft werden Verwahrentgelte fällig. | Bild: Patrick Pleul

Ich will durch meine Geldanlage die Inflation ausgleichen. Wie geht das?

Falls Sie einen Teil Ihres Guthabens chancenorientiert anlegen möchten, also sehr hohe Erträge erwarten und dafür auch ein hohes Risiko eingehen möchten, bleiben Sie Ihrer Bank gegenüber skeptisch. Die Banken bieten im Regelfall keine bedarfsgerechte Beratung an, sondern nur provisionsgeleitete Verkaufsgespräche, in denen nur ganz bestimmte Produkte ausgewählter Fondsgesellschaften angeboten werden. Diese Produkte sind oft zu riskant, zu unflexibel und meist zu teuer.

Einst selbst Banker, nur ein Kritiker der Institute: Niels Nauhauser, Leiter der Finanzabteilung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Einst selbst Banker, nur ein Kritiker der Institute: Niels Nauhauser, Leiter der Finanzabteilung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. | Bild: Rosenberger, Walther

Soll ich das Geld in eine Immobilie in Konstanz investieren, in der ich aber nicht selbst wohnen würde? Ich bin unsicher, weil ich gehört habe, mancherorten gäbe es schon eine Immobilienblase…

Der Kauf einzelner Immobilien zur Vermietung, noch dazu auf Kredit, ist immer mit sehr hohen Risiken verbunden. Lassen Sie sich nicht von der jüngst überdurchschnittlich guten Preisentwicklung täuschen, auf lange Sicht lagen die Preissteigerungen im Schnitt nicht viel höher als die Inflationsrate. Sie müssen auch die Instandhaltungskosten tragen, und Sie tragen das Risiko, dass die Miete nicht pünktlich bezahlt wird. Es gibt andere Geldanlagen wie beispielsweise breit gestreute Aktien-ETFs, die ein geringeres Risiko aufweisen und langfristig sogar höhere Ertragschancen bieten. Ein ETF ist ein Finanzprodukt, das die Wertentwicklung eines Index wie zum Beispiel des DAX nachbildet und grob gesagt auch dessen Rendite erzielt. Davon ab gehen die Verwaltungsgebühren, die aber meist sehr gering sind. Sollten Sie dennoch an die Wertsteigerung von Immobilien glauben, investieren Sie zum Beispiel in fünf verschiedene offene Immobilienfonds. Dann sind Sie auch in Immobilien investiert, streuen das Risiko aber auf einige Hundert Objekte an verschiedenen Standorten in Europa.

Wohin mit dem ganzen Geld? Viele Menschen entscheiden sich für Immobilien, die Preise explodieren. Kann das dauerhaft gutgehen?
Wohin mit dem ganzen Geld? Viele Menschen entscheiden sich für Immobilien, die Preise explodieren. Kann das dauerhaft gutgehen? | Bild: Oliver Berg

Ich habe ein dreijähriges Enkelkind, für das ich monatlich 100 Euro ansparen will. Das Geld soll es mit seiner Volljährigkeit bekommen. Wie lege ich das am besten an?

Die höchsten Ertragschancen haben Sie mit einem Sparplan in Aktien-ETFs. Wenn Sie zum Beispiel einen ETF wählen, der die Wertentwicklung des MSCI All Country World oder des FTSE All-World Index abbildet, dann sind Sie an den Erträgen von rund dreitausend Aktiengesellschaften weltweit beteiligt. Seit 1970 hätte man auf diese Weise im Schnitt real gut 6,4 Prozent Rendite pro Jahr erzielen können. Aber zur Renditechance gehört eben auch ein Risiko. Sie mussten dann auch zwischenzeitliche Verluste von rund 50 Prozent aushalten. Und eine absolute Gewissheit für gute Renditen kann Ihnen niemand versprechen. Es gab in der Vergangenheit auch bei einem Anlagehorizont von 15 Jahren Zeiträume mit realen Minusrenditen, wenngleich die Chancen dafür nur bei etwa 1: 10 stehen. Unter https://www.verbraucherzentrale-bawue.de/renditerechner steht eine Kalkulationshilfe bereit.

Ich gehe Anfang 2022 in Rente und bekomme dann aus einer betrieblichen Altersvorsorge 150 000 Euro ausbezahlt. Das Geld brauche ich nicht sofort, will aber auch nicht, dass die Inflation es auffrisst. Was soll ich tun?

Sie haben verschiedene Optionen. Wenn Sie eine zusätzliche Rente benötigen, dann kommt alternativ zu den privaten Rentenversicherungen auch eine Einzahlung in die gesetzliche Rente in Betracht. In welcher Höhe das im Einzelfall geht, das kann Ihnen die Deutsche Rentenversicherung mitteilen. Nominal sichere Anlagen wie Sparbriefe bieten derzeit keine Verzinsung oberhalb der Inflationsrate. Bei offenen Immobilienfonds sind die Erträge etwas höher, aber dafür tragen Sie auch Risiken. Riskanter aber auch mit höheren Chancen sind Anlagen in Aktien-ETFs. Wenn Sie Wertschwankungen aussitzen können, verteilen Sie die Anlage auf verschiedene Produktarten. Meiden Sie teure Fonds, komplexe Indexpolicen und Zertifikate mit angeblich hohen Zinserträgen.

Wer vor 3 Jahren Gold gekauft hat, kann sich über einen Wertzuwachs von 40 Prozent freuen. Auch der Wechselkurs des Dollar zum Euro ändert daran nicht viel.
Wer vor 3 Jahren Gold gekauft hat, kann sich über einen Wertzuwachs von 40 Prozent freuen. Auch der Wechselkurs des Dollar zum Euro ändert daran nicht viel. | Bild: Andreas Kirschek

Bietet Gold einen Inflationsschutz?

Nein. Keine Anlage bietet auf kurze Sicht Inflationsschutz. Das gilt übrigens auch für sogenannte Kryptowährungen. Bitcoins sind eine rein spekulative Anlage. Sie besitzen keinen inneren Wert. Ähnlich wie beim Gold hängt der Wert nur davon ab, welchen Wert die Menschen ihm in Zukunft beimessen werden. Gold mag einen gewissen Schutz bieten bei politischen Krisen oder bei einer Finanzkrise. Aber wenn es so schlimm kommt, dann leiden alle Geldanlagen. Auf lange Sicht ist ein Mix verschiedener Produktarten (Einlagen, Immobilien, Aktien, Rohstoffe und Gold) der beste Schutz gegen Inflation und Wertverlust.

Meine Strategie gegen die Inflation ist es, beim Konsum Vollgas zu geben. Gut, oder?!

Naja. Der Bedarf an Gütern und Dienstleistungen hängt ja nicht von der Inflationsrate ab. In gewissem Rahmen kann man natürlich einige Güter bevorraten oder den geplanten Konsum vorziehen, aber Sie können sich ja heute noch nicht die Haare schneiden lassen, die Ihnen nächstes Jahr wachsen.

Meine Bank hat mir einen Aktienfonds mit vier Prozent Ausgabeaufschlag angeboten. Das scheint mir viel zu sein. Als Alternative rät mir mein Bankberater zu einem Wertpapier im Versicherungsmantel. Was soll ich davon halten?

Die Bank will Ihnen nur teure und riskante Produkte gegen Provisionen verkaufen. Echte Beratung können Sie von einem Verkäufer, der auf Provisionsbasis arbeitet, nicht erwarten. Neben dem Ausgabeaufschlag oder der Vertriebsprovision für die Versicherung zahlen Sie noch jährlich hohe Verwaltungskosten oder Vertriebsfolgeprovisionen. Das geht alles zu Lasten Ihrer Erträge. Sie finden die Höhe der Kosten der Fonds in den Wesentlichen Anlegerinformationen und die Kosten der Versicherung im Produktinformationsblatt. Beides muss Ihnen der Verkäufer vorab zur Verfügung stellen. Wenn Sie unsicher sind, können Sie sich an Ihre Verbraucherzentrale wenden.

Verkehrte Welt: Seit Beginn der Corona-Krise entwickelt sich der Dax bullisch. Von knapp 9000 Punkten gings auf knapp 16 000.
Verkehrte Welt: Seit Beginn der Corona-Krise entwickelt sich der Dax bullisch. Von knapp 9000 Punkten gings auf knapp 16 000. | Bild: Frank Rumpenhorst

Mein Sohn hat mir (70 Jahre alt) geraten, in ETFs zu investieren. Ist das nicht zu riskant?

Wenn Sie eine sichere Anlage möchten ohne Kursrisiko, dann sind Aktien ETFs für Sie zu riskant. Wenn Sie das Geld aber wahrscheinlich nie benötigen werden und es daher irgendwann sowieso Ihrem Sohn vererben werden, dann könnte die Anlage in ETFs aber eine bedarfsgerechte Option sein.

Ich bin 35 Jahre alt und habe jeden Monat Geld übrig. Lohnt es sich in eine Lebensversicherung zu investieren. Ich habe gehört, da straucheln einige Anbieter…

Nein. Lebensversicherungen sind zum Vermögensaufbau wegen hoher Kosten und ungewisser Ertragsaussichten nicht die erste Wahl.

Lohnt es sich, Schulden aufzunehmen, obwohl ich das eigentlich gar nicht müsste? Immerhin beträgt die Inflationsrate gut 5 Prozent, der Nominalzins, den ich der Bank für den Kredit bezahlen muss, nur 2-3 Prozent. Unterm Strich verdiene ich doch dabei, weil der Realzins negativ ist, oder?

Nein. Sie zahlen wegen der Zinsen immer mehr zurück als Sie erhalten haben. Das ist immer ein Minusgeschäft. Die Inflationsrate verteuert nur die Preise der Güter und Dienstleistungen.

Obwohl das Lohnniveau eingebrochen ist, bleiben die Renten stabil. Das wird sich in den kommenden Jahren rächen. Private Vorsorge ist Pflicht. Bilder: dpa
Obwohl das Lohnniveau eingebrochen ist, bleiben die Renten stabil. Das wird sich in den kommenden Jahren rächen. Private Vorsorge ist Pflicht. Bilder: dpa | Bild: Patrick Pleul

Die Ampelkoalition hat Pläne, die provisionsbasierte Beratung von Banken durch unabhängige Honorarberatung zu ergänzen, fallen gelassen. Wie werten Sie das?

Solange es den vermeintlich kostenlosen Verkauf von Finanzprodukten auf Provisionsbasis durch Banken, Sparkassen und andere Institute gibt, kann sich am Markt für Finanzberatung kein Wettbewerb um die beste Beratung einstellen. Produkthersteller können weiterhin zu riskante, zu teure oder zu unflexible und intransparente Produkte verkaufen, solange sie den Vermittlern dafür nur ausreichend Provision anbieten. Dahinter steht die Ideologie, Provisionen seien sozial, weil die Kleinanleger so weniger bezahlen als die Großanleger. Das Gegenteil ist richtig. Die Verkaufsgespräche, bei denen Kleinanlegern unpassende Produkte verkauft werden, sind alles andere als sozial. Sie sind das Problem, nicht die Lösung.

Wie kann ich einen seriösen von den Banken unabhängigen Honorarberater denn finden?

Meine Antwort muss hier ernüchternd ausfallen. Nach dem deutschen Gesetz gibt es diesen Beratertypus, der verpflichtet ist, Sie ausschließlich in Ihrem Interesse zur Altersvorsorge zu beraten, nicht. Es mag durchaus Anbieter geben, die mehr auf Ihre Interessen eingehen als andere, aber das können Sie kaum erkennen, sonst würden Sie deren Dienste ja nicht benötigen. Die Honorarberatung ist, so wie sie derzeit geregelt ist, keine Lösung. Umso wichtiger ist es, dass der Gesetzgeber endlich die Finanzberatung im Verbraucherinteresse definiert und regelt.

Lohnt sich Riester eigentlich noch in Zeiten von Nullzinsen?

Ein Altvertrag könnte sich eventuell rechnen. Bei einem Neuvertrag wäre ich skeptisch. Ein Problem bei der Riester Rente ist, dass ein Großteil der Förderung wegen hoher Kosten bei Vermittlern und der Finanzlobby landet, wie schon ein Blick in die jährlichen Standmitteilungen zeigt. Wenn bei einer älteren Versicherung aber die anfänglichen Abschluss- und Vertriebskosten bezahlt sind, sieht das für die verbleibende Laufzeit etwas besser aus. Bei alten Banksparplänen winken mit zunehmender Laufzeit Bonuszinsen und Schlussboni. Beachten Sie, dass Sie zwar Grund- und Kinderzulagen erhalten, aber diese werden mit Steuervorteilen verrechnet. Und die Rente ist später voll steuerpflichtig. Die Riester-Förderung ist unterm Strich nur bei geringem Verdienst und mehreren Kindern wirklich interessant.