Geht es Ihnen im Winter auch so: Mal ist es zu warm im Raum, mal zu kalt, mal zu feucht, mal zu trocken. Gefühlt bekommt man nie die richtige Heiztemperatur und auch noch ein angenehmes Raumklima hin. Zum Teil verheizt man bares Geld – besonders ärgerlich in Zeiten hoher Energiekosten. Wie also holen wir das Beste aus der Heizungsanlage heraus? Fragen und Antworten.

Warum fühlt es sich manchmal kälter an, als es sein sollte?

Wer kennt das nicht: Die Heizung ist auf 23 Grad eingestellt, aber die gefühlte Temperatur liegt weit darunter?

Unter Umständen ist das tatsächlich so. Denn: Zum Beispiel Gardinen über und Möbel vor den Heizkörpern behindern die Wärmeabgabe an die Raumluft, so die Initiative Wärme+, ein Zusammenschluss von Heizungsherstellern und Branchenverbänden. Und wenn dann noch die Thermostatventile verdeckt sind, können sie die Raumtemperatur nicht richtig erfassen. Folglich regulieren sie die Wärmeabgabe falsch.

Die persönliche Wohlfühltemperatur ist bei jedem Menschen anders. Aber Experten empfehlen zum Beispiel für normale Wohnräume 20 Grad Celsius.
Die persönliche Wohlfühltemperatur ist bei jedem Menschen anders. Aber Experten empfehlen zum Beispiel für normale Wohnräume 20 Grad Celsius. | Bild: Bodo Marks/dpa-tmn

Eine andere Erklärung ist laut Umweltbundesamt die individuelle Behaglichkeitstemperatur. Je näher die eigene Körpertemperatur der Temperatur der Raumflächen ist, desto wohler fühlt sich ein Mensch in dieser Umgebung. Daher fühle man sich im Winter etwa an einem kalten Fenster schnell unbehaglich. Je schlechter isoliert ein Gebäude ist, desto stärker hat man daher das Gefühl, man muss die Heizung mehr aufdrehen.

Und dann kann natürlich noch das persönliche Empfinden, was warm ist, dazu kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Warum wird es nicht schneller warm?

Sie kommen frierend in kalte Räume nach Hause und drehen den mechanischen Thermostat voll auf, damit es schneller warm wird? Das funktioniert leider nicht. Denn mit dem Thermostat regelt man nur, welche Endtemperatur der Raum erreichen soll. Am Heiztempo ändert das nichts. Das heißt: Wer den Thermostat auf fünf stellt, wartet genauso lange, bis der Raum warm ist, wie mit der Stufe drei.

Mit diesem voll aufgedrehten Temperaturregler verbraucht man unter Umständen aber mehr Heizkosten. Denn wenn man nicht rechtzeitig zurückdreht, wird der Raum nach Angaben der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online überheizt.

Wer sich rund 20 Grad Raumtemperatur wünscht, sollte an mechanischen Thermostaten die Stufe drei wählen. Die Stufe vier kann rund 24 Grad ergeben, fünf tropische 28 Grad.

23 Grad und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit: Kuschelig warm und nicht zu feucht.
23 Grad und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit: Kuschelig warm und nicht zu feucht. | Bild: Robert Günther/dpa-tmn

Wer elektronische und vernetzte Thermostate hat, hat es hier einfacher: Mit ihren digitalen Anzeigen lassen sich die Raumtemperaturen direkt regulieren und kontrollieren. Können sie auch noch über eine Zeitschaltuhr oder sogar aus der Ferne per App auf dem Smartphone gesteuert werden, kann man die Heizung rechtzeitig vor dem Heimkommen hochfahren lassen.

Wie bekomme ich zu viel Wärme aus dem Raum, ohne sie ins Freie wegzulüften?

Diese Frage liegt nahe: Heizen ist teuer und man will ja kein Geld zum Fenster rauslüften. Aber es ist dann doch die beste Lösung, will man auf Dauer keine Schimmelbildung riskieren.

Die Alternative wäre ja, die warme Luft aus einem Zimmer über eine geöffnete Tür in das kühlere Nebenzimmer oder den Flur zu leiten. Diese warme Luft transportiert laut Umweltbundesamt aber mehr Feuchtigkeit als kühle. Trifft sie im Nebenzimmer auf kalte Wände, kondensiert sie daran. Der Putz oder die Tapete werden durchfeuchtet und das kann Schimmel fördern. Daher sollte man bei stark unterschiedlich warmen Räumen die Türen geschlossen halten.

Übrigens: Meist braucht man gar nicht so hohe Temperaturen im Raum, um sich wohlzufühlen. So empfiehlt Wärme+ tagsüber nur rund 20 Grad in den Wohnräumen. Das Umweltbundesamt rät für die Küche – in der durch das Kochen eh Wärme produziert wird – nur zu 18 Grad, im Schlafzimmer zu 17 Grad.

Und mit einer niedrigen Temperatur lässt sich auch sparen: Je Grad mehr steigen die Heizkosten im Schnitt um rund sechs Prozent.

Muss man an richtig kalten Tagen wirklich lüften?

Ja, denn es geht hier an sich nicht um die Temperatur, sondern um das Absenken der Luftfeuchtigkeit. Wie bereits erwähnt: Die aufgeheizte Luft trägt davon besonders viel mit sich, was Schimmelbildung fördern kann.

Man muss an bitterkalten Tagen aber nicht ständig das Fenster aufreißen, sondern kann auf einen ansteigenden Feuchtewert in der Luft reagieren. Wärme+ rät, dass diese optimalerweise bei 40 bis 60 Prozent im Raum liegt. Ein Hygrometer misst diesen Wert. Diese Messgeräte gibt es etwa günstig im Baumarkt.

Warum bildet sich Kondenswasser am Fenster?

Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch und trifft sie auf kalte Flächen in einem Raum – was Fenster ja gerne sind – kondensiert sie daran.

Geschieht das etwa an einer Scheibe, beträgt die Luftfeuchtigkeit in dem Mikroklima direkt dort schon 100 Prozent, selbst wenn im restlichen Raum beziehungsweise dort, wo das Hygrometer steht, der Wert noch in Ordnung ist.

Gut gelüftet: Stimmt die Mischung aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit in einem Raum, bildet sich auch kein Kondenswasser am Fenster.
Gut gelüftet: Stimmt die Mischung aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit in einem Raum, bildet sich auch kein Kondenswasser am Fenster. | Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Die Feuchtigkeit entsteht bei täglichen Tätigkeiten wie Duschen, Kochen, Waschen, Wäschetrocknen – oder einfach nur durch unser Atmen. Auch Pflanzen oder ein Aquarium verdunsten Wasser.

Im schlimmsten Fall bildet sich durch das Kondenswasser Schimmel, da der Wasserfilm ein optimaler Nährboden für die Sporen ist. Besonders anfällig dafür sind die Ecken der Räume, Nischen und der Bereich rund um das Fenster, aber auch hinter Möbelstücken direkt an der Außenwand kann es dazu kommen.

Warum ist die Luft so trocken?

Auch das Problem zu trockener Luft gibt es im Winter häufig, denn durch das Heizen an sich sinkt die relative Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen. Neben Reizungen der Haut und der Schleimhäute fördert das Erkältungs- und Atemwegserkrankungen. Auch Kopfschmerzen können durch zu trockene Luft entstehen. Dagegen helfen Schälchen mit Wasser oder kleine Luftbefeuchtungsgeräte im Raum.

Allerdings sollte man die Geräte nicht unkontrolliert Wasser im Raum verteilen lassen, denn sonst hat man wieder das Problem mit dem Kondenswasser und der Schimmelbildung. Auch hier hilft das Hygrometer bei der Einschätzung. Und manche Luftbefeuchter haben eine integrierte Messfunktion: Ist die optimale Raumluftfeuchte erreicht, schaltet sich das Gerät automatisch ab. (dpa)