Eine Pleitewelle war befürchtet worden, nachdem die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz seit über einem Monat wieder vollständig besteht. Doch diese bleibt vermutlich aus. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Mai weiter gesunken. Zu dieser Erkenntnis kommt das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). Auch für den Juni erwartet das Institut keinen drastischen Anstieg.

Die Insolvenzpflicht war bis zum 30. April 2021 für Unternehmen ausgesetzt, die durch die Corona-Pandemie in finanzielle Not geraten waren und noch auf staatliche Hilfen gewartet haben. Im Mai haben 682 Personen- und Kapitalgesellschaften Insolvenz angemeldet, sagt der IWH-Insolvenztrend. Damit lagen deutschlandweit die Insolvenzen im Mai 11 Prozent unter den Aprilzahlen und mehr als 30 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Auch bei Kleinstunternehmen und Selbstständigen sei für den Mai kein Anstieg zu beobachten.

Gesunde Unternehmen kommen dank staatlicher Hilfen gut durch die Pandemie

Die von vielen Beobachtern vorhergesagte Insolvenzwelle sei bisher ausgeblieben und auch für die nähere Zukunft nicht zu erwarten, sagte Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. Die meisten Unternehmen seien kerngesund in die Pandemie gegangen und hätten ein funktionierendes Geschäftsmodell, so Müller. Es sei kein sprunghafter Anstieg der Insolvenzen zu erwarten, da durch die Lockerungen auch in der stark betroffenen Gastronomie- und Hotelbranche und im Einzelhandel die Geschäfte wieder anziehen.

Auch bei der IHK Schwarzwald-Baar gibt es bislang keine Auffälligkeiten, dass mehr Unternehmen aufgeben müssen. „Wir haben bisher keinen Anstieg in Vergleich zum Vorjahr beobachten können“, sagt Justiziar Wolf-Dieter Bauer. Man habe engen Kontakt zu den Unternehmen zum Beispiel durch Insolvenzberatungen. Allerdings räumt er ein, dass die wenigsten ihre finanziellen Probleme offenbaren würden, um nicht die Kundenbeziehungen zu schädigen.