Über ebm-papst, dem größten Arbeitgeber in der 13 000-Einwohner-Stadt im Schwarzwald-Baar-Kreis, haben sich dunkle Wolken aufgebaut: Der Geschäftsbereich Automotive wächst zwar seit Jahren stetig, wirft aber ebenso lange keinen Gewinn ab. An den beiden als Einheit ebm-papst St. Georgen geführten Standorten St. Georgen und Herbolzheim sorgen im Bereich Automotive etwa die Hälfte der 1600 Mitarbeiter für die Hälfte des Umsatzes, der im Geschäftsjahr 2016/17 knapp 400 Millionen Umsatz betrug. Und weil am Ende des aktuellen Geschäftsjahres ein signifikanter Verlust anstehen wird, den die Geschäftseinheiten Industrielle Lufttechnik und Industrielle Antriebstechnik nicht ausgleichen können, hat die Geschäftsführung angekündigt, dass es Veränderungen geben werde. Diese, so wurde es den Mitarbeitern in Informationsveranstaltungen ausgeführt, gehen in Richtung Investitionen und Abläufe, betreffen unter Umständen aber auch die Mitarbeiter selbst.

Geschuldet ist dieses Gegensteuern auch den Erwartungen der Gesellschafter. „Die Gesellschafter wollen nicht kontinuierlich in ein Geschäft investieren, das in absehbarer Zeit keinen Kapitalrückfluss bietet“, erklärte Johannes Pfeffer, Sprecher der Geschäftsführung von ebm-papst St. Georgen. Deshalb müsse die Phase des unprofitablen Wachstums beendet werden.

Das Problem generiert sich aus einem scheinbaren Widerspruch. ebm-papst produziert im Bereich Automotive signifikante Stückzahlen. "Wir haben eine Riesennachfrage nach den Produkten", verdeutlichte der Geschäftsführer. Aber man verdiene kein Geld mit den Produkten, weil die Automatisierungs- und Rationalisierungsprozesse noch nicht entsprechend ausgerichtet sind: auch deshalb, weil Automotive ein sehr hartes Geschäft sei, das Fehler nicht toleriere. Man könne hier viel Geld liegen lassen.

Zu den Produkten im Bereich Automotive gehören etwa Antriebe zur Lenkunterstützung oder Ölpumpenantriebe für die Start-Stopp-Automatik. Sie werden in Herbolzheim produziert. Der Standort St. Georgen mit seinen rund 1000 Mitarbeitern fungiert eher als Mischwerk, das Vorprodukte für mehrere Geschäftsbereiche produziert. Dennoch werden die Sparmaßnahmen im Bereich Automotive, zu denen Gespräche mit Kunden und Lieferanten, Investitionsreduzierungen und Ausgabenkürzungen von der Gesamtbelegschaft gehören, getragen. "Wir wollen keinen Keil in die ebm-papst St. Georgen treiben, sondern glauben, dass es die Einheit insgesamt schafft", so Pfeffer. Ziel sei es, mit einem schnellen und zügigen Umsteuern die Einheit zu halten und nicht an die Belegschaft gehen zu müssen. Über eventuelle finanzielle Einbußen könne man momentan nicht sprechen. Man sei mit Vorschlägen auf die Arbeitnehmervertreter zugegangen. Die Gespräche laufen.

Neben strukturellen Änderungen gehöre auch eine kritischere Prüfung von Investitionsentscheidungen, als man sie noch vor Monaten getätigt habe. So wird die Neugestaltung der Hauptverwaltung in St. Georgen zunächst auf Eis gelegt. Die Neubaumaßnahme in Herbolzheim werde, so Pfeffer, zumindest auf einen sinnvollen Stand gebracht.