Mit Beginn der kalten Jahreszeit wird Lüften als wichtige Waffe gegen die Verbreitung des Coronavirus schwieriger. Mehrere Bundesländer wollen daher hochwertige mobile Raumluftfilter für Klassenzimmer fördern. Für Restaurants oder Büros, ja sogar für Privathaushalte, könnten solche Geräte ebenfalls interessant sein. Die Nachfrage steigt – und die Industrie reagiert.

Erst Auto-Luftfilter, jetzt Anti-Viren-Anlagen

Mehrere Unternehmen haben seit Beginn der Corona-Pandemie mobile Luftfilteranlagen gegen Viren entwickelt. Dazu gehören neben dem Ludwigsburger Filterspezialisten Mann+Hummel, der sein Hauptgeschäft mit Filtersystemen für Autos macht, auch Trotec aus Heinsberg in Nordrhein-Westfalen und Wolf aus dem bayerischen Mainburg. Bei allen Anbietern bemerkt man inzwischen ein deutliches Anziehen der Nachfrage und steigende Lieferfristen.

Bis zu vier Wochen Lieferzeit

Drei bis vier Wochen müssen Kunden wie Altenheime oder Schulen derzeit auf die Geräte warten. „Wir sind mit Hochdruck dabei, die Lieferzeiten zu verkürzen, indem wir unsere Produktionskapazitäten an verschiedenen Standorten weiter ausbauen“, sagt Gunnar-Marcel Klein, Bereichsleiter Entwicklung bei Mann+Hummel, dem SÜDKURIER.

Alexandra Goertz, Geschäftsführerin bei Trotec, ist zuversichtlich, dass die Industrie die Nachfrage auch bei einem Boom bedienen kann – wenn auch mit gewissen Wartezeiten, wie sie sagt.

Die Geräte der Anbieter weisen gewisse Ähnlichkeiten auf. Es sind Kästen in Kühlschrankgröße, die einfach in den Raum – beispielsweise ein Klassenzimmer – gestellt werden, nötig ist nur eine Steckdose.

Luftfilter von Mann+Hummel aus Ludwigsburg, rechts das mobile Gerät, das sich auch für Privathaushalte eignet. Kostenpunkt derzeit: 3400 Euro netto.
Luftfilter von Mann+Hummel aus Ludwigsburg, rechts das mobile Gerät, das sich auch für Privathaushalte eignet. Kostenpunkt derzeit: 3400 Euro netto. | Bild: MANN+HUMMEL

Dann saugen sie Luft an, schicken sie zuerst durch einen gröberen Vorfilter und dann durch einen speziellen Filter, der in der Lage ist, auch Viren weitestgehend aus der Luft zu holen. Mann+Hummel-Forscher Klein sieht neben Schulen, Kindergärten, Universitäten auch Alten- und Pflegeheime, Restaurants oder Szene-Treffs als Einsatzorte. Eine der Anlagen sei besonders für Privathaushalte geeignet und könnte bis zu 70 Quadratmeter Wohnfläche quasi virenfrei halten, wie Klein sagt. Auf Rollen montiert, könne das Gerät in der Wohnung herumgeschoben werden.

Die Qualität dieses Filters ist nach Ansicht von Experten wie Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg essenziell für die Wirksamkeit. Kähler nennt zudem zwei weitere Bedingungen für einen erfolgreichen Einsatz: Um die Luft schnell zu reinigen, müssen die Geräte ein Mehrfaches des Raumvolumens pro Stunde filtern und dabei leise genug sein, um im Dauerbetrieb zu laufen.

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Bei Mann+Hummel, dessen Feinstaubfilter neben Straßen beispielsweise auch die Luft in der Landeshauptstadt besser machen und der einer der Marktführer bei Filtersystemen für Operationssäle ist, heißt es, die antiviralen Luftreiniger seien in der Lage, „mehr als 99,995 Prozent der Viren, Bakterien und Mikroorganismen sicher aus der Luft zu filtern“. Kaufen kann man die Geräte indes nicht bei Amazon, Media Markt und Co, sondern vorerst nur auf der firmeneigenen Webseite.

Preise im Moment noch hoch

Technisch war die Entwicklung für die Unternehmen mit Erfahrung im Luftfilterbereich kein Hexenwerk – auch weil sich viel aus anderen Geräten übertragen lässt, wie Goertz bestätigt. Wolf-Chef Thomas Kneip sagt: „Unser Produkt ist eine Adaption einer bestehender Technik, welche bereits in Krankenhäusern oder Reinräumen eingesetzt wird.“

Finanziell ist die Entwicklung der Geräte ein Risiko – aber natürlich auch eine Geschäftschance. „Wie bei allen Produkten wollen wir auch Geld damit verdienen“, sagt Kneip, betont aber, normale Preise zu verlangen. „Wir haben uns an den üblichen Margen orientiert.“ Der Preis soll auch im Vergleich zu anderen Unternehmen wettbewerbsfähig sein.

Man muss sich die Geräte allerdings leisten können. Einige Tausend Euro kosten die Luftfilter typischerweise. Und wenn die Filterelemente nach ein bis zwei Jahren ausgetauscht werden, kommen noch einmal einige Hundert Euro dazu.