Das Risiko einer Infektion mit Corona steigt zunehmend, die Fallzahlen sind höher als bei der ersten Welle. Welche Rechte hat der Arbeitnehmer, welche Pflichten der Arbeitgeber? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Muss meine Firma mir Masken stellen, damit ich mich und andere bei der Arbeit schützen kann?

Nein, nicht grundsätzlich. Die Firma muss aber Maßnahmen ergreifen, um ihre Angestellten zu schützen. Ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Mitarbeitern muss gewährleistet sein, es dürfen nicht zu viele meiner Kollegen mit mir in einem Raum arbeiten.

In kleinen Büros, am Fließband oder in Verpackungszentren von Onlineshops, wo schnell verschiedene Produkte zusammengestellt werden müssen und Mitarbeiter ständig aneinander vorbeigehen müssen, sind Masken unvermeidlich. Diese muss der Arbeitgeber dann auch stellen, erklärt Klaus Maier, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Villingen-Schwenningen.

Darf ich ins Homeoffice, wenn mein Unternehmen kein Schutzkonzept für seine Mitarbeiter entwickelt hat?

Ja. Zwar gibt es keinen gesetzlichen Anspruch, von zu Hause aus zu arbeiten. Hält mein Arbeitgeber die derzeitigen Regeln zum Schutz am Arbeitsplatz aber nicht ein, darf der Angestellte die Arbeit im Büro verweigern oder im Homeoffice anbieten. „Eine solche Auseinandersetzung sollte allerdings mit anwaltlicher Hilfe erfolgen“, rät Fachanwalt Maier.

Eine Frau nimmt von ihrem Wohnzimmer aus an einer Telefonkonferenz teil.
Eine Frau nimmt von ihrem Wohnzimmer aus an einer Telefonkonferenz teil. | Bild: Sebastian Gollnow, dpa

Kann mein Arbeitgeber mich nach Hause schicken, weil ich Husten habe?

Tatsächlich darf mein Chef mich nach Hause schicken – schon bei einem leichten Husten. Das könnten meine Kollegen sogar von unserem Vorgesetzten verlangen. Denn damit nimmt das Unternehmen seine Pflicht zum Schutz seiner Angestellten wahr.

Muss ich dann zu Hause weiterarbeiten oder kriege ich trotzdem mein Gehalt?

Grundsätzlich hat ein Angestellter Anspruch auf sein Geld, wenn er nach Hause geschickt wird, obwohl er sich selbst für arbeitsfähig hält. Die so verlorene Arbeitszeit muss der Mitarbeiter in diesem Fall nicht nachholen, wie aus Informationen des Bundesministeriums für Arbeit hervorgeht. Experte Maier sieht das differenzierter. Er sagt: Ob man sein Gehalt weiter bekomme oder nicht, sei eine Frage des Einzelfalls, abhängig vom Vertrag und der Dauer.

Im Homeoffice fühlen sich manche Arbeitnehmer sicherer als im Büro. Doch es gibt keinen grundsätzlichen Anspruch darauf, von zu Hause zu arbeiten.
Im Homeoffice fühlen sich manche Arbeitnehmer sicherer als im Büro. Doch es gibt keinen grundsätzlichen Anspruch darauf, von zu Hause zu arbeiten. | Bild: Jens Kalaene, dpa

Muss ich Dienstreisen antreten, auch wenn dabei ein Risiko für mich besteht?

Jein. Grundsätzlich gehören Dienstreisen zur Arbeitsleistung. Angestellte können die Reise aber ablehnen, wenn ein begründeter Verdacht besteht, ihre Gesundheit könnte dadurch gefährdet sein. Die Befürchtung allein, man könnte sich bei der Reise anstecken, reicht allerdings nicht aus.

Reisewarnungen des Auswärtigen Amts oder aber wenn der Betroffene einer Risikogruppe angehört, dagegen schon. Fachanwalt Maier sagt, eine Dienstreise darf auch dann nicht angeordnet werden, wenn es andere Möglichkeiten gibt, das Ziel zu erreichen. Dazu kann auch eine Videokonferenz zählen.

Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich positiv getestet wurde?

Auf jeden Fall und zwar sofort. Wird einer Erkrankung an Covid-19 festgestellt, muss der Arbeitgeber informiert werden, damit er seiner Fürsorge- und Schutzpflichten nachkommen und andere Mitarbeiter schützen kann. Die Pflicht, den Arbeitgeber zu informieren, besteht übrigens auch schon dann, wenn man in Kontakt mit jemandem war, der positiv getestet wurde oder bei dem ein begründeter Verdacht einer Infektion besteht.

Darf mein Arbeitgeber meine Kollegen informieren, dass ich positiv getestet wurde?

Nicht automatisch. Wenn es gute Gründe gibt, dagegen schon: etwa, wenn der Veracht besteht, der Betroffene könnte Kontakt mit anderen Mitarbeitern gehabt haben. Gleiches gilt, wenn der Angestellte Termine oder Kundengespräche hatte und die Kontakte nachvollzogen werden müssen. Pauschal die Kollegen über die Erkrankung informieren darf der Arbeitgeber aber nicht.

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Wie lange habe ich Anspruch auf mein Gehalt, wenn ich an Covid-19 erkranke?

In diesem Fall besteht ein Anspruch auf das volle Gehalt für sechs Wochen. Danach haben gesetzlich Krankenversicherte grundsätzlich Anspruch auf Krankengeld.

Gilt das auch, wenn ich mich wissentlich in ein Risikogebiet begeben habe?

Die rechtliche Situation ist nicht eindeutig, warnt Fachanwalt Klaus Maier. Grundsätzlich haben Angestellte Anspruch auf die Fortzahlung ihres Lohns, wenn sie sich unverschuldet mit dem Virus infiziert haben. Das kann auch dann der Fall sein, wenn man sich in ein Risikogebiet begeben hat, in dem die Fallzahlen nicht höher sind als in Deutschland, zumindest, wenn man sich vor Ort vorsichtig verhält und nicht Teil einer Risikogruppe ist. „Allerdings sollte man gut überlegen, ob man das Risiko eingeht“, warnt Maier.

Hab ich Anspruch auf eine Entschädigung, wenn ich mich bei der Arbeit infiziere?

Nicht ausgeschlossen. Konkret hängt das ab, ob sich der Arbeitgeber an die Vorgaben zum Infektionsschutz gehalten hat oder nicht. Eine Entschädigung kann auch dann möglich sein, wenn mein Arbeitgeber von den Behörden die Auflage bekommen hat, zu schließen oder wenn Quarantäne angeordnet wurde.

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