Mit umfangreichen Investitionen stemmt sich der Tuttlinger Werkzeugmaschinenbauer Chiron gegen den sich abzeichnenden Konjunkturabschwung. Im Oktober werde man die modernste Werkzeugmaschinenfabrik Europas eröffnen, sagte der Chef der Chiron-Gruppe, Markus Flik, bei der Vorlage der Jahreszahlen.

In Neuhausen ob Eck entsteht derzeit das neue Chiron-Werk, das mit mehr als 30 Millionen Euro die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte darstellt. Die Fabrik, in der Fräsen gefertigt werden sollen, ist weitgehend digitalisiert und auf Energieeffizienz getrimmt. „Wir haben alles reingepackt, was technologisch geht“, sagte Flik. Um minimalste Materialausdehnungen beim Bau der Maschinen zu vermeiden, kann die Fabrik immer auf exakt dieselbe Temperatur erwärmt oder gekühlt werden.

Minimale Toleranzen durch Temperaturregulierung

Nur so ließen sich Toleranzen „nahe Null“ realisieren, die für Einsatzbereiche wie die Luft- und Raumfahrt, die Medizintechnik, aber auch den Automobilbau gefordert seien. Parallel verstärkt Chiron seine Präsenz auf dem wichtigen chinesischen Markt mit einer neuen Montagefabrik in Taicang, nahe Shanghai. Durch das 10-Millionen-Investment sollen die Fertigungskapazitäten im größten Werkzeugmaschinenmarkt der Welt mittelfristig verdoppelt werden. Aktuell arbeiten rund 150 Mitarbeiter für Chiron in China.

Investitionsoffensive trifft auf Abschwung

Die Investitionsoffensive kommt in einer Zeit, in der sich die Konjunktur in der für Baden-Württemberg wichtigsten Maschinenbaubranche deutlich abkühlt. Der seit Monaten stotternde Automobilmarkt sowie Kaufzurückhaltung in Chiron-Schlüsselmärkten wie dem Energiegeschäft, der Medizintechnik, der Schmuckbranche sowie der Luftfahrt im ersten Quartal 2019 führen zu einer verhaltenen Prognose fürs laufende Jahr. Ausgehend vom Rekordumsatz von 498 Millionen Euro 2018 rechne man mit einem Umsatzrückgang im einstelligen Bereich, sagte Flik.

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Die Zurückhaltung der Abnehmer sei deutlich spürbar, sagte Flik. Mit Zukunftsinvestitionen einerseits und Kostendisziplin andererseits halte man dagegen. Zudem sollen im laufenden Jahr zwei neue Hightech-Fräsen-Modelle vorgestellt werden und für Neuaufträge sorgen. Prognosen zufolge werden 2019 weltweit erstmals seit drei Jahren deutlich weniger Laser-, Fräsen, Pressen, Schleif-, Dreh- oder Honmaschinen verkauft werden als im Vorjahr. Mit rund 68 Milliarden Euro wird das globale Marktvolumen um etwa zehn Prozent einbrechen.

Auch der Trend zur E-Mobilität wird für die Werkzeugmaschinenbranche zur Herausforderung – insbesondere für Fräsenhersteller wie Chiron, Hermle, Heller, Index-Traub oder DMG-Mori. Studien zufolge benötigt ein E-Auto in der Produktion rund 50 Prozent weniger Frästeile als ein herkömmliches Automobil. Auch Technologien wie der 3-D-Druck verändern die Anforderungen der Kunden an die Hersteller.

Umsatzrendite über Branchendurchschnitt

Bei den Mitarbeiterzahlen will Chiron das 2018er-Niveau von rund 2100 Beschäftigten halten – rund 1000 davon arbeiten in Tuttlingen und Neuhausen, weitere Werke hat Chiron in Schlierbach im Schwarzwald und Alzenau in Bayern. Zum Gewinn sagte Flik „die Umsatzrendite bewegt sich im oberen Viertel des Branchendurchschnitts“. Dieser liegt zwischen vier und fünf Prozent.

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