„Kaum eine Region der Welt ist global so eng vernetzt wie der Schwarzwald. Ein Stocken der Lieferketten trifft uns ins Mark“, macht Christoph Münzer, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes industrieller Unternehmen Baden (wvib), deutlich. Angesichts des hohen Exportanteils nütze es wenig, wenn Deutschland die Corona-Krise vergleichsweise gut bewältige, sich aber in anderen Teilen der Erde die Lage verschärfe. Allerdings lenke die Pandemie von anderen Herausforderungen ab, etwa von Themen wie Brexit, Umweltschutz und Handelskrieg.

Das könnte Sie auch interessieren

Knapp 70 Prozent der Wertschöpfung generierten die Schwarzwaldunternehmen außerhalb von Deutschland. Unter den rund 1500 weltweiten Niederlassungen der Mitgliedsbetriebe mit insgesamt mehr als 100.000 Beschäftigten gehörten die USA und China zu den größten. Deshalb blickt der wvib-Hauptgeschäftsführer mit Sorge auf den Zwist „zwischen der nachlassenden Nummer eins USA und der wachsenden Nummer zwei China“. Die Volksrepublik vertrete ihre Interessen selbstbewusst und mit einer gewissen Überheblichkeit, resümiert wvib-Präsident Thomas Burger aus einer Begegnung mit dem chinesischen Botschafter. „Da ist so viel Dynamik drin. China drückt seinen Willen ohne Rücksicht auf Verluste durch.“ Deutschland könne diesem mächtigen Wirtschaftspartner nicht alleine auf Augenhöhe begegnen, „das muss auf EU-Ebene geschehen“. Bei einem eskalierenden Handelskrieg sei vor allem die Wirtschaft in Baden-Württemberg stark betroffen.

Thomas Burger, WVIB-Präsident: „Da ist so viel Dynamik drin. China drückt seinen Willen ohne Rücksicht auf Verluste durch.“
Thomas Burger, WVIB-Präsident: „Da ist so viel Dynamik drin. China drückt seinen Willen ohne Rücksicht auf Verluste durch.“ | Bild: WVIB

Unterdessen hat der wvib durch die Corona-Einschränkungen laut Hauptgeschäftsführer Münzer „den größten Digitalisierungskurs der Weltgeschichte erlebt“. Ein Phänomen, das dem Präsidenten zufolge „jedes Unternehmen erfasst hat“. Wo möglich, wurde auf digitale Heimarbeit umgestellt. Gleichzeitig hat die Digitalisierungswelle aber auch gezeigt, so Thomas Burger: „Es gibt bei der Datenübertragung noch dunkle Flecken auf der Karte, wo kein Homeoffice möglich ist. Hier ist die Politik dringend gefordert nachzubessern.“

Ein Viertel der Firmen baut Personal auf

Im Corona-Halbjahr 2020 ist laut einer Konjunkturumfrage unter den 1000 wvib-Mitgliedsbetrieben der Umsatz bei 80 Prozent der Unternehmen um durchschnittlich 12 Prozent gesunken, teilte der Verband gestern bei einer Hybrid-Pressekonferenz (Digital und Präsenz) in Freiburg mit. Erstmals seit der Finanzkrise 2009 sei der Beschäftigungsmotor ins Stocken geraten. Bei der Hälfte der 400 Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, ist die Mitarbeiterzahl gesunken, knapp ein Viertel legte beim Personalstand zu. Allerdings prognostizierte der wvib auch im Hinblick auf mögliche Insolvenzen und den Strukturwandel in der Automobilindustrie: „Weiterer Personalabbau steht bevor.“

Krise schon im Jahr 2019

Ein Abwärtstrend bei der konjunkturellen Entwicklung zeichnete sich bereits im Vorjahr ab, wie Münzer hervorhob. Insofern seien die Unternehmen nach 10 Jahren fast ununterbrochenem Wirtschaftswachstums „auf die Krise vorbereitet“ gewesen. Dennoch: „Der Corona-Schock wird uns noch viele Monate begleiten.“

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €