Nach 45 Jahren ist endgültig Schluss: Die „Unabhängige Wochenblatt GmbH“ wird abgewickelt. Nach Angaben von Insolvenzverwalter Michael Wahl wird es keine Chance für einen Neustart geben. Auch für die Wochenblatt Zustellservice GmbH wurde das Verfahren eröffnet, teilt der Insolvenzverwalter auf Anfrage mit. Die beiden Gesellschaften befanden sich bereits seit März 2020 in einem vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Alle Mitarbeiter sind freigestellt und werden entlassen: 56 Verlagsangestellte in Vollzeit sowie 1091 Zusteller, davon 1075 geringfügig Beschäftigte. Den Angaben zufolge wurden die Gehälter der Mitarbeiter über die Insolvenzgeldvorfinanzierung für März und April ausgezahlt. Die Gehälter für den Monat Mai übernimmt die Agentur für Arbeit.

300.000 Euro durch Crowdfunding

Anfang des Jahres hatte das Wochenblatt versucht, noch Geld aufzutreiben durch Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt. Dabei lockte eine hohe Festverzinsung. Etwa 300.000 Euro sind nach Angaben des Insolvenzverwalters auf diese Weise zusammengekommen. Doch anstatt eines schönen Gewinns werden Anleger nun ihre Investition wohl ganz abschreiben müssen: Da es sich bei den Einlagen um sogenannte nachrangige Insolvenzforderungen handelt, ist die Aussicht auf Erstattung gleich Null: Erst wenn alle anderen Gläubiger bedient sind, würde es zu einer Rückzahlung kommen – dieser Fall gilt jedoch als völlig unrealistisch. Im Kleingedruckten waren die Anleger auf einen möglichen Totalverlust hingewiesen worden.

Schuldenlast und Anzeigenschwund

Vor zweieinhalb Jahren hatte eine Beteiligungsgesellschaft aus Ummendorf (Landkreis Biberach) das damals zahlungsunfähige Ravensburger Wochenblatt gekauft und neu an den Start gebracht. Dass das Wochenblatt in eine finanzielle Schieflage geraten ist, wurde in den vergangenen Monaten deutlich. Im März informierte das Wochenblatt seine Leser darüber, dass „Alt-Verbindlichkeiten“ und „Wiederhochlauf-Verluste“ durch ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung abgebaut werden sollen. „Leider hat diese Maßnahme allein nicht ausgereicht, um die Liquidität des Unternehmens zu sichern – zu groß sind die wöchentlichen Verluste, die mit jeder Ausgabe derzeit eingefahren werden“, heißt es in einem Wochenblatt-Artikel auf der Homepage. Das Wochenblatt selbst sieht sich als „Coronaopfer“. Die Umsätze seien radikal eingebrochen.

Internetdomain soll verkauft werden

Der Insolvenzverwalter sieht keine Zukunftsperspektive für das Wochenblatt: „Daher bleibt in diesem Fall nur eine Verwertung der verbliebenen Vermögensgegenstände. So soll auch die Internetdomain des Wochenblatts veräußert werden.“ Zuletzt erschien das Wochenblatt in acht Ausgaben im Raum Oberschwaben, Bodenseekreis, Westallgäu und Tuttlingen.

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.