Das Imkerhandwerk erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Knapp 130 000 Imker sollen laut Deutschem Imkerbund aktiv sein. Doch die Imkerei als Hauptberuf wird immer seltener. Weniger als ein Prozent betreibt die Imkerei erwerbsmäßig. Das entspricht 500 Berufsimkern. Besonders Städter entdecken das Bienenzüchten als Hobby. „Es ist schön, dass sich aktuell so viele junge Leute für die Imkerei interessieren. Aber sie halten zu wenig Bienenvölker“, sagt Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes. Etwa 870 000 Bienenvölker werden in Deutschland gehalten. Jedes Volk zählt im Sommer zwischen 40 000 und 60 000 Bienen. Doch über 80 Prozent der Bienenvölker werden von Hobbyimkern gehalten.

Die neue Freizeitbeschäftigung bewertet Maske skeptisch. Durch fehlendes Ausbildungswissen seien die Freizeitimker unfähig, Bienenkrankheiten wie die Varroamilbe zu erkennen und behandeln zu können. So könnten sich Krankheiten schneller übertragen. Auch für die Honigproduktion hat der Freizeitspaß Folgen: „Viele Hobbyimker wollen gar keinen Honig ernten, sondern alles den Bienen überlassen“, erklärt Maske. Dabei kann der deutsche Honigbedarf durch einheimische Imker nicht gedeckt werden. Deutsche Imker produzierten laut Deutschem Imkerbund im vergangenen Jahr 26 000 Tonnen Bienenhonig. Das entspricht weniger als einem Viertel des gesamten deutschen Honigaufkommens. Der Rest muss importiert werden.

Auf dem Flugbrett vor den Eingang in den Bienenstock sitzen nicht nur die Wächterinnen, sondern auch Bienen die eben abfliegen oder ...
Auf dem Flugbrett vor den Eingang in den Bienenstock sitzen nicht nur die Wächterinnen, sondern auch Bienen die eben abfliegen oder heimkommen. Bild: Werner Müller

Die volkswirtschaftliche Leistung der Imkerei in Deutschland liegt laut einer Studie der Universität Hohenheim bei etwa 1,7 Milliarden Euro jährlich. Auch in der Landwirtschaft ist das kleine Insekt unverzichtbar. „Die Bienenhaltung kommt weit über die Honigproduktion hinaus der Natur und der Landwirtschaft zugute“, erklärt Peter Maske. Allein mit ihrer Bestäubungsarbeit erwirtschaften Bienen schätzungsweise rund 1,6 Milliarden Euro pro Jahr, errechneten Agrarökonomen der Universität Hohenheim. Die Wertschöpfung ist somit 13-mal höher als die Honig- und Bienenproduktion.

 

5 Fakten rund um den Honig

 

  1. Einen Löffel Honig produziert eine Biene in ihrem vier bis fünfwöchigem Leben
  2. 300 Kilo Honig kann ein Bienenvolk im Sommer erzeugen
  3. Honig diente in der Steinzeit als Lockmittel zur Bärenjagd und als Süßungsmittel
  4. Jeder Imker kann 40 Kilo Honig ernten. Der Rest wird von den Bienen verspeist
  5. Zehn Kilometer können Bienen zwischen Bienenstock und Nährpflanze fliegen

 

 

Die Biene ist primäre Bestäuberin für über 80 Prozent aller landwirtschaftlicher Nutz- und Wildpflanzen. Doch durch die zunehmende Anzahl an Hobbyimkern existieren deutlich weniger Bienenvölker auf dem Land. Firmen haben auf diesen Trend reagiert und die Honigbiene als Geschäftsmodell entdeckt. So wie die Firma Pollinature. Das 2013 gegründete Unternehmen mit Sitz in Konstanz stellt Obstbauern Nistkästen mit schlupfbereiten Mauerbienen zur Verfügung, um die zuverlässige Bestäubung von Kirschen, Äpfel, Birnen, Aprikosen und Beeren zu sichern. Landwirte können sich ein Bienenvolk mieten und über die Wintermonate zurückgeben. „Ein Tier ersetzt bis zu 300 Honigbienen“, erklärt Holger Thissen, Pressesprecher von Pollinature.

Landwirte können bei der Konstanzer Firma Pollinature Nistkästen mit schlupfbereiten Mauerbienen bestellen. Dadurch soll die ...
Landwirte können bei der Konstanzer Firma Pollinature Nistkästen mit schlupfbereiten Mauerbienen bestellen. Dadurch soll die zuverlässige Bestäubung gesichert werden. Im Winter können die Kästen zurückgegeben werden. Die Biene ist primäre Bestäuberin für über 80 Prozent aller landwirtschaftlicher Nutz- und Wildpflanzen. Bild: Werner Müller

Obstbauer Alex Martin aus Eriskirch ist von der Leistungsfähigkeit der Mauerbeinen erstaunt: „Kurz nachdem ich die Kokons aus dem Kühlraum in die Anlage gebracht habe, flogen die ersten Bienen auch schon los.“ Auch Obstbauer Henrik Schmid aus Ravensburg nutzt das Angebot. „Früher habe ich zur Bestäubung Hummeln eingesetzt. Mauerbienen sind deutlich effektiver und nachhaltiger für die Umwelt. Sie leben länger als andere Bienenarten und fixieren sich sehr auf die Blüten“, erklärt Schmid. Kontrolliert eingesetzte Mauerbienen erhöhen nebenbei die Qualität der Früchte. Äpfel, Kirschen und Beeren reifen nachweislich schöner heran.

Obstbauer Alex Martin aus Eriskirch setzt zur Bestäubung seiner Aprikosenbäume im geschützten Anbau Mauerbienen von Pollinature ein. Er ...
Obstbauer Alex Martin aus Eriskirch setzt zur Bestäubung seiner Aprikosenbäume im geschützten Anbau Mauerbienen von Pollinature ein. Er ist erstaunt, wie schnell die gelieferten Bienen aus den Kokons ihrer Nistkästen schlüpfen und sofort die jeweiligen Blüten auf dem Feld anfliegen. Rechts ein Niststand für 250 Gehörnte Mauerbienen. | Bild: Pollinature

Imker-Präsident Maske sieht in solchen Projekten jedoch nur eine punktuelle Hilfe. Diese wären nicht nötig, wenn es flächendeckend genug Honig- und Wildbienen gebe. Da sieht Maske auch die Bauern in der Pflicht: „Am Feld-rand müssen mehr Blumen und Pflanzen wie Leindotter und Buchweizen blühen, damit Bienen trotz Monokulturen genug Nahrung finden.“

 

Honigparadies DDR

 

  • Honig ist ein natursüßer Stoff, der von Bienen hergestellt wird. Die Insekten nehmen Nektar von Pflanzen oder Honigtau auf, wandeln ihn mit körpereigenen Stoffen um, dehydrieren den Nektar und lagern ihn in Waben des Bienenstocks ein. Der Name des süßen Saftes kommt von seiner Farbe. Der indogermanische Begriff, von dem „Honig“ abstammt, bedeutet so viel wie der „Goldfarbene“. Im Althochdeutschen wurde Honig als Honag bezeichnet. Alle germanischen Sprachen kennen das Wort. So heißt Honig auf Schwedisch „Honung“, auf Niederländisch „Honing“, in Dänemark „Honning“ und in der Schweiz „Hung“.
  • Für 500 Gramm Honig müssen Arbeiterbienen rund 40 000 Mal ausfliegen und dabei eine Flugstrecke von rund 120 000 Kilometern zurücklegen. Für ein Pfund Honig fliegt eine Biene drei Mal um die Erde. Jeder Imker hält durchschnittlich 6,9 Bienenvölker.
  • In der DDR hielten in den Jahren vor der Wende rund 55 000 Imker 350 000 Bienenvölker. Der Durchschnittswert lag 1989 bei 23 Kilo Honig je Bienenvolk. Im Unterschied zu heute wanderten die Imker mit ihren Bienen. Da die DDR mit ihren genossenschaftlichen Landwirtschaftsflächen riesige Monokulturen hatte, konnten die Bienen innerhalb kürzester Zeit große Mengen einer Tracht einbringen.
  • Die heimische Honigproduktion in Ostdeutschland wurde staatlich gefördert. Pro Kilo Honig erhielt ein Imker an den Abfüllstellen 14 Mark. Das 550 Gramm Glas Honig kostete im Geschäft dann 4,95 Mark. Fünf Mark pro Kilo Honig bezahlte also der Staat an Subventionen. Zwischen 1949 und 1989 vervierfachte sich die Honigernte in der DDR von 2500 Tonnen auf knapp 10 000 Tonnen. In der gesamten Bundesrepublik wurde 1999 nur doppelt so viel, nämlich gut 20 000 Tonnen geerntet.
  • Im Landesverband Badischer Imker sind laut Präsident Klaus Schmieder 9700 Imker mit 74 000 Bienenvölkern organisiert. Aktuell sind die örtlichen Imker besonders um das Wohlergehen ihrer Tiere besorgt. Die Gesundheit sei durch landwirtschaftliche Unkraut- und Schädlingsvernichter gefährdet.
  • Das Sammelgebiet eines Bienenvolkes erstreckt sich laut Deutschem Imkerverbund auf annähernd 50 Quadratkilometer. Es ist damit etwa so groß, wie die Innenstadt von Köln. (lsc)